Zerbst l Die Zahl der Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren der Stadt Zerbst ist seit Jahren rückläufig. Sinkt die Zahl der Einsatzkräfte weiter in der bisherigen Form ab, lässt sich jetzt schon berechnen, wann das System der freiwillig organisierten Feuerwehr in der Stadt Katharinas der Großen zusammenbricht. In den Orten werben die Wehren unter der Bürgerschaft für eine Mitarbeit. Längst hat sich ebenfalls der Stadtrat mit dem Thema befasst.

Stadtrat befasst sich mit dem Thema

Vor allem sogenannte Quereinsteiger sind bei den Wehren begehrt. Dabei handelt es sich um Familienväter, die ihren Wohnsitz im Ort gewählt haben. Mit ihrer Familiengründung und dem Wohnsitz haben sich diese Menschen in der Regel festgelegt. Einmal geworben, bleiben sie im Idealfall ein Leben lang der Feuerwehr treu. Mitunter bringen sie sogar schon eine Ausbildung mit. Wer schon einem Lkw-Führerschein besitzt oder vielleicht im Berufsleben einen Laster lenkt, ist gern gesehen, sagt der Zerbster Stadtwehrleiter Denis Barycza.

Doch wer glaubt, mit der richtigen Ausbildung schnell hinter dem Lenkrad eines Feuerwehrfahrzeuges zu sitzen, der irrt, fügt er hinzu. Der Grund ist die Ende August 2015 in Kraft getretene Laufbahnverordnung für die Feuerwehren. Das Innenministerium hat darin bis ins Detail geregelt, welche Stationen die ehrenamtlichen Kameraden durchlaufen müssen. „Ich habe das mal durchgerechnet“, sagt Denis Barycza. Wer mit einem Lkw-Führerschein in der Tasche in die Feuerwehr eintreten und vielleicht sogar Berufskraftfahrer ist, müsse einen langen Atem haben, um ein Feuerwehrfahrzeug zu lenken. „Es dauert sieben Jahre, bis einer das Auto fahren darf“, schildert er.

Denis Barycza hält die Laufbahnverordnung für wenig förderlich auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Die Vorschriften schreckten die Bürger nur ab, ist er sicher.

Besondere Verantwortung

Bei der Besetzung von Wehrleitungen kann sich die Laufbahnverordnung ebenfalls als Hindernis entpuppen. Zwar hat die Feuerwehr das Vorschlagsrecht für die Wehrleitung. Aber vorgeschlagen werden darf nur, wer schon vor der Wahl über die entsprechende Erfahrung und Ausbildung verfügt. Die Regelung, wonach die vorgeschlagenen Kameraden die Ausbildung nachholen dürfen, gibt es nicht mehr.

„Führungskräfte der Feuerwehren haben eine besondere Verantwortung wahrzunehmen. Die Besetzung von Führungsfunktionen setzt die Eignung und Befähigung der dafür in Frage kommenden Einsatzkräfte voraus. Insoweit legt die Laufbahnverordnung die fachlichen Befähigungen fest, die mindestens für die Wahrnahme bestimmter Aufgaben erforderlich sind“, teilt stellvertretende Pressesprecher des Innenministeriums, Stefan Brodtrück, mit.

Lange Ausbildung

Das gelte dann auch für einen ausgebildeten Menschen, der als Quereinsteiger zur Feuerwehr stößt, sagt Denis Barycza. Selbst jemand, der beispielsweise eine Meisterausbildung absolviert hat und beruflich Erfahrung in der Personalführung gesammelt hat, muss stur das System durchlaufen. Die Laufbahnverordnung unterscheide nicht, sagt er. Vor allem müssen sich die Feuerwehren über einen Zeithorizont von mehreren Jahren mit der Ausbildung der Feuerwehrleute befassen, um nicht später einmal ohne eine Wehrleitung dazustehen.

Doch warum von freiwilligen Feuerwehren eine jahrelange Personalplanung verlangt wird, die nicht einmal Unternehmen leisten können, sagt das Innenministerium auf Nachfrage nicht. Vielmehr verweist das Innenministerium auf die kommunalen Aufgaben: „Da zu den Aufgaben der Träger der Feuerwehren und der Wehrleiter auch die langfristige Personalentwicklung gehört, ist der zielgerichtete Aufbau von ausreichend Führungskräften und damit auch die langfristige Nachbesetzung von besonderen Führungsfunktionen wie Wehrleitern möglich.“ Außerdem werde die Regelung breit getragen: „Die aktuellen Regelungen der Laufbahnverordnung wurden von großen Teilen der Kreisbrandmeister und Gemeindewehrleiter eingefordert und deshalb weiterhin unterstützt.“