Zerbst l „Bislang gibt es noch keine landesweite Regelung zur Kastrationspflicht von Katzen“, begründete Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella die Aufnahme dieses Paragraphen in die künftige Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Zerbst. Dem Entwurf stimmten fast alle bislang angehörten Ortschaftsräte zu, wie Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) im Haupt- und Finanzausschuss informierte.

An diesem nahm ebenfalls Diana Hofmann teil. Sie leitet nicht nur das Zerbster Tierheim, sondern ist zugleich die Vorsitzende des Trägervereins, der sich für diesen neuen Passus eingesetzt hat. Sie plädierte offen dafür, dass Katzen, die im Freien herumstromern dürfen, von ihren Haltern kastriert werden müssen. Als Argument führte sie den jährlichen Anstieg der Katzenpopulation an, der sich nicht zuletzt deutlich im Tierheim widerspiegelt. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, erklärte Diana Hofmann. So lege die Aufnahmekapazität eigentlich bei 60 Katzen, im Schnitt würden sie jedoch 130 Samtpfoten betreuen.

Katzen vermehren sich schnell

Wie schnell sich Katzen vermehren, verdeutlichte sie an einem Rechenbeispiel. Wenn ein Katzenpaar zweimal im Jahr Nachwuchs bekäme, von denen drei Junge überleben und sich fortpflanzen, hätte dieses eine Paar nach zehn Jahren 80 Millionen Nachfahren, gab sie zu bedenken.

„Unser Ziel ist es, hier die Bremse zu ziehen“, betonte Diana Hofmann. Zumal die streunenden Katzen, die bei ihnen eingeliefert werden, oft auch krank seien.

Keiner gegen Kastrationspflicht

Das Tierheim selbst lasse die Katzen kastrieren. Um mit dieser Maßnahme als Verein auf der rechtlich sicheren Seite zu stehen, wäre die Aufnahme der Kastrationspflicht in die Gefahrenabwehrverordnung wichtig, erläuterte Diana Hofmann.

Gegen die geplante Kastrationspflicht sprach sich von den anwesenden Ausschussmitgliedern niemand aus. Alfred Schildt (Die Linke) interessierte allerdings, wie das Kennzeichnen der Katzen praktisch umgesetzt werden soll. „Es geht um die Tiere, die draußen rumlaufen“, erklärte Diana Hofmann. Durch einen Transponderchip oder eine Tätowierung könnte man die Freigänger, wenn sie weggelaufen sind und von jemanden aufgegriffen wurden, an ihren Besitzer zurückführen. Eine Tätowierung sei von jedem zu entschlüsseln, ein Chip müsste erst von einem Tierarzt beispielsweise ausgelesen werden.

Die Einführung der Kennzeichnungspflicht würde ab Inkrafttreten der Verordnung greifen, bemerkte Andreas Dittmann hinsichtlich des Stichtages, ab wann Katzen dann zu chippen sind.

Maximal 1,20 Meter für Feuerschalen

Zu den Neuerungen des Regelwerkes gehört darüber hinaus die erstmalige Festlegung der Größe von Feuerschalen. Diese dürfen fortan nur noch einen Durchmesser von maximal 1,20 Meter besitzen.

Zudem wurde zum Schutz der Umwelt ein separater Paragraph aufgenommen. Dieser verbietet unter anderem, Autos so auf Straßen zu reinigen, dass ölhaltige oder andere umweltgefährdende Stoffe auf die Fahrbahn gelangen und damit möglicherweise in die Regenentwässerung. Auch ist es demnach ganztägig unzulässig, Lärm oder Abgas erzeugende Motoren unnötig laufen zu lassen.

Aggressives Betteln soll verboten werden

Nicht zuletzt wurden in der Gefahrenabwehrverordnung einige Änderungen und Anpassungen vorgenommen. Beispielsweise wurden das Zelten und Übernachten im Fahrzeug neu geregelt. Demnach soll es fortan verboten sein, an oder auf Straßen sowie an anderen öffentlich zugänglichen Orten – mit Ausnahme von Privatgeländen und Campingplätzen – in Kraftfahrzeugen, Wohnwagen oder ähnlichen transportablen Unterkünften zu übernachten oder zu zelten. Dies gilt nicht im Notfall, das heißt, wenn man im Auto schlafen muss, weil dieses nicht mehr fahrtüchtig ist.

Insofern die Gefahrenabwehrverordnung in ihrer jetzigen Form beschlossen wird, sind das aufdringliche und aggressive Betteln ebenso verboten wie das „Lagern zum Zwecke des Alkoholkonsums auf Straßen und in Anlagen“, wie es in der Entwurfsfassung heißt. Sobald die Anhörungsphase der Ortschaftsräte beendet ist, wird sich der Stadtrat mit dem Papier beschäftigen und den endgültigen Beschluss fassen.