Zerbst l Das Durchschnittsalter liegt bei über 66 Jahren und die Damen befinden sich eindeutig im Hintertreffen bei den 37 Mitgliedern des Rassegeflügelzuchtvereins Zerbst. „Aber wir haben vier neue Mitglieder zu verzeichnen“, verkündet Herrmann Stephan, Vorsitzender des Vereins fast nebenbei.

Nachwuchssorgen

Auch dieser Verein hat Nachwuchssorgen. Rassegeflügel scheint nicht mehr so in Mode zu sein. Oder doch nicht? „Unsere neuen Mitglieder senken den Altersdurchschnitt doch deutlich und sind sehr interessiert“, verrät Stephan. Er glaubt einen Trend zu bemerken: „Viele junge Leute, die ein Haus bauen und Familie gründen, wollen hier in der Region dann auch häufig Hühner haben“, sagt er. Irgendwie scheint es für viele zum Landleben dazu zu gehören, vielleicht auch die Aussicht auf ein im eigenen Garten produziertes Frühstücksei.

Doch was er auch bemerkt: „Organisieren wollen sie sich nicht, wie man das in einem Verein macht.“ Das findet er bedauerlich. Schließlich finde hier viel Austausch und auch Hilfe statt.

Bedrohte Rassen

Einen guten Überblick über die Vielzahl an Rassen und Züchter bekommt man bei der jährlichen Schau, die der Verein auf die Beine stellt. Hier sieht man, dass man auch ein Auge auf bedrohte Rassen hat. „Es ist für uns als Verein auch die Aufgabe, seltene Rassen zu erhalten. Denn sind sie erst einmal weg, kommen sie nicht wieder“, mahnt Stephan.

Die nächste Schau findet wieder im November statt. Am 24. und 25. werden zwischen 200 und 250 Tiere zu sehen sein.

Sponsoring

Dass die Rassegeflügelzucht noch immer einen Stand in der Gesellschaft hat, sieht man daran, dass die Ausstellung jedes Jahr Zuwendungen von Firmen in Form von Sponsoring erhält. „Allein durch Mitgliederbeiträge könnten wir die Schau nicht stemmen“, sagt Stefan. Die Rassegeflügelzucht sei auch kein Hobby, mit dem man Geld machen kann. „Da muss man dran Spaß haben.“

Einer der daran schon seit 44 Jahren so richtig Spaß hat,ist Günter Giese, Zerbster und 68 Jahre alt. „Ich startete mit Zwerghühnern und Tauben. Seit ich zehn Jahre alt war, interessierte ich mich für Vögel. Mein Vater hatte schon Tauben. Ab 1983 habe ich mich dann auf Schautauben konzentriert“, verrät er. Eine schöne, elegante Formtaube, wie es im Buche steht. Unter den Züchtern ist sie eher bekannt als „der Mercedes unter den Tauben“.

35 Jungtiere

Große Volieren ziehen sich in seinem Garten entlang. Die Tauben gurren zufrieden. Mit 13 Paaren züchtet er derzeit, allein dieses Jahr hatte er 35 Jungtiere. Wenn die alle in die Mauserzeit kommen, sieht man Günter Giese auch schon mal mit dem Laubsauger durch die Volieren stiefeln. Schließlich soll alles seine Ordnung haben. Dabei unterstützt ihn auch seine Frau.

Mit seinen Schautauben konnte er schon viele Titel gewinnen: Kreismeister, Landesmeister – beides mehrmals. „Aber man schielt auch auf den deutschen Meistertitel“, verrät er. Beim letzten Deutschlandwettbewerb belegte er immerhin schon Platz drei.

Wer einmal „den Mercedes unter den Tauben“ selbst sehen will, der sollte zur Schau im November gehen, denn da werden die Schautauben von Günter Giese auch mit von der Partie sein.