Walternienburg l Ein Schiff wird gebaut. Im Trockendock an der Walternienburger Hauptstraße nimmt der Rumpf Gestalt an. Es ist die Arche, die hier aus dem Boden gestampft wird – ein Multifunktionsgebäude der Kirche in Form eines gestrandeten Schiffes.

In den vergangenen Wochen konnten die Walternienburger zuschauen, wie die Holzkonstruktion wächst. Und jetzt ist die Schiffsform auch deutlich erkennbar mit der Bugspitze in Richtung Elbe. Der Rohbau ist an die 80 Prozent fertig. Keine drei Wochen mehr und alles wird ringsum zu sein. Die Männer von Stephan Schmidt, Holzbau Schmidt aus Schönebeck, sind eifrig am Hämmern. OSB-Platten, das sind Grobspanplatten – werden als äußere Beplankung aufgebracht.

Erkennbar ist, wo Fenster und Türen platziert werden. In der Spitze und in der Linie gegenüber an der Rückfront ist Glaskunst vorgesehen. Ansonsten hat den Fenster- und Türen-Auftrag Jürgen Elze mit seiner Möbel- und Holzbaufirma aus dem Ort übernommen. Die Dachdeckerfirma kommt aus Leitzkau. Heino Götze und seine Leute können schon ran. Fallrohre, Speier – Detailfragen werden vorab geklärt. „Alles läuft nach Plan“, so Lisa Frell, Projektbetreuerin vom Architekturbüro „denk’mal Architekten Magdeburg“, „wir sind jetzt in der Planung für den Ausbau.“

Kirchengemeinde bei Planung mit einbezogen

Angebote müssen eingeholt werden. Zum Beispiel für den Fußboden: Estrich oder Feinsteinzeug ist die Frage. „Pflegeleicht sollte er sein“, gibt Veronika Hesse zu bedenken. Sie vertrat die Kirchengemeinde bei der jüngsten Bauberatung. Die Kirchengemeinde wird immer mit einbezogen, wenn Entscheidungen zu treffen sind. Welche Farbe sollen Fenster und Türen haben? Wie sollen die Klinken aussehen? Das Architekturbüro unterbreitet Vorschläge und empfiehlt.

Elektrik und andere Anschlüsse sind zu klären. Eine kleine Verzögerung gab es beim Wasseranschluss. Ist Wasser da, wird auch André Weferling die Arbeiten am Außengelände fortsetzen. Die alte Begrenzungsmauer müsste eigentlich komplett erneuert werden. Inzwischen liegt auch die Statik für die neue Torglockenanlage vor, informierte Lisa Frell. Hierfür muss der Auftrag nun vergeben werden.

Die Arche, an der Stelle wo einst die Dorfkirche stand, soll nicht nur von der Kirchen- gemeinde und den Walter- nienburgern genutzt werden, sondern auch von Ausflüglern, Radfahrern und anderen Interessenten. Das Multifunk- tionsgebäude wird einen großen Raum bekommen, wo auf der einen Seite am Ort der Stille Gottesdienste gehalten werden können, an der anderen Seite Tischgruppen zum Verweilen eingeladen werden. Eine Bibliothek mit den literarischen Schätzen der Gemeinde soll den Besuchern zugänglich sein. Eine kleine Küche und Toiletten werden barrierefrei und behindertengerecht vorgehalten.

Auf rund 560 000 Euro belaufen sich die Kosten für das gesamte Projekt, in das Rele- (Dorferneuerung) und Leader-Mittel fließen. Ziel ist die Fertigstellung des neuen Gemeindezentrums im Oktober. Doch gefeiert werden soll schon in der nächsten Woche – ein kleines Richtfest am Freitag, auch wenn es keine Dachkonstruktion geben wird.