Güterglück l Wie die Kirche im Dorf hatte früher auch fast jedes Dorf eine eigene Schule. Die Kinder lernten alle in einem Raum, der Lehrer war der Küster. Ganz ursprünglich war Schule nämlich eine Einrichtung der Kirche, um den Leuten das Lesen der Bibel und des Katechismus zu ermöglichen.

Aus Einklassen-Minischulen wurden im Laufe der Zeit größere. Schulen wurden zusammen gelegt, Klassenstufen gebildet, größere Objekte genutzt. Auf dem Lande sind heute nur wenige Schulen erhalten geblieben.

Nachweis in der Chronik

Güterglück hat zwar keine Dorfschule mehr, aber ist immer noch Schulstandort. Als solchen weist die Chronik Güterglück nachweislich aus. Clemens Wache, ein Leineweber, wird 1553 als erster Lehrer im Ort genannt. Als Schulstube diente sein Wohn- und Studierzimmer.

Bilder

Das heutige Wohnhaus Nr. 17 in der Dorfstraße neben der Kirche war dann für die Güterglücker Kinder lange Zeit die Schule. Es soll um 1800 ein erbärmlicher Bau gewesen sein. Sie wurde baulich erweitert und ausgebessert, bis sie 1839 wieder so baufällig war, dass sie einem völligen Neubau weichen musste. Die Schülerzahlen stiegen, die Räumlichkeiten reichten nicht mehr. 1886 wurde in der Dorfstraße 26 ein neues Schulgebäude gebaut und am 9. September 1888 eingeweiht. Das alte Schulhaus wurde verkauft.

Im April 1914 kam durch die Einweihung der Schule am Dorfteich ein weiterer Klassenraum hinzu. Aus der zweiklassigen Dorfschule entwickelte sich 1945 die Zentralschule Güterglück. 1948 gab es dort fünf Lehrer-Planstellen. Da wieder Unterrichtsräume fehlten, wurden Räumlichkeiten in der Gaststätte Erdmann in der Bahnhofstraße und in der Dorfstraße 1 genutzt. Aus einer Baracke der Wehrmacht wurde nahe der Schule am Dorfteich 1953 der erste Schulneubau nach dem Krieg errichtet.

Polytechnische Oberschule

In den 1960er-Jahren entstand daraus die polytechnische Oberschule (POS). 1963 konnte der erste Jahrgang der 10. Klassen feierlich verabschiedet werden. Die POS in Güterglück besuchten auch Schüler aus Nutha, Hohenlepte und Niederlepte. Die gewachsenen Anforderungen an eine Bildungseinrichtung machten Erweiterungsbauten am Schulgebäude notwendig. 1960 erfolgte der erste Erweiterungsbau, 1970 der zweite Anbau.

Nach der Wende kam es 1993 zur Ausgliederung der Grundschule nach Walternienburg. In Güterglück wurde die Schule als Sekundarschule weiter betrieben.

1996 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der neuen Sekundarschule, die dann 2001 feierlich eingeweiht wurde. Zwei Jahre später wurde die Sekundarschule geschlossen und die Förderschule zog ein.

Entwicklung zusammengetragen

Die Schulentwicklung hat Susanne Baumgart vom Güterglücker Heimatverein zusammen getragen. Ein schönes Thema für die Besucher des Lesecafés in der Güterglücker Heimatstube. Da lässt es sich in Erinnerungen schwelgen. Sogar die Küster und Schulmeister seit Clemens Wache sind aufgelistet. Einer soll sich Ende des 19. Jahrhunderts sogar an seinen Schülerinnen vergriffen haben, weshalb er im Zuchthaus saß.

Die Geschichte mündet in der Gegenwart. Eine moderne Schule haben die Güterglücker im Ort. Ein Miteinander wird angestrebt, ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Schule ist offen für jedes Interesse. Und so war auch im Rahmen des Themennachmittages im Lesecafé eine Besichtigung möglich. „Wir freuen uns über das Interesse“, erklärte Andrea Herrmann, die die Gäste herumführte und alles erläuterte. Im Gegenzug besuchten die Schüler zum Beispiel die Heimatstube am Vorlesetag. Susanne Baumgart spricht von einer Patenschaft.

Von mehr als 300 Schülern 2003 liegt deren Zahl jetzt bei 80. An der Förderschule werden inzwischen nicht nur lernbehinderte Kinder unterrichtet, sondern auch Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen. Diese Vorreiterrolle im Land war auch dem sachsen-anhaltischen Bildungsminister Marco Tullner (CDU) ein Besuch der Einrichtung im vergangenen Dezember wert.

Whiteboard, einen modernen Hauswirtschaftsraum, Computerkabinett und mehr kann die Schule bieten und wird damit möglicherweise noch lange die Güterglücker Schulgeschichte weiter schreiben.