Zerbst l „Das ist die Orangerie, als sie noch schmuck aussah“, sagt Helga Reinald. Leider sei von der früheren Pracht heute nicht mehr viel übrig geblieben, bedauert sie. Nur Reste der Rückwand sind erhalten und auch diese letzten steinernen Zeugnisse des einst so eindrucksvollen Gewächshauses verfallen immer mehr.

Der Zerbster Hofbaumeister Johann Christoph Schütze (1687-1765) entwarf die Pläne für die Orangerie, die zwischen 1735 und 1741 Gestalt annahm. Das mit vielen Sandsteindekorationen verzierte Gebäude diente zur Überwinterung von Kübel- und Topfpflanzen und schloss zugleich den Lustgarten des Schlosses stilvoll ab. „Zurückhaltende Eleganz und ausgeglichene Proportionen charakterisierten dieses aus der Menge der barocken Orangerien Deutschlands ganz besonders herausragenden Gebäude“, formuliert es Dirk Herrmann auf seiner Internetseite über die Zerbster Schlossanlage.

Wie der Verfall begann

„Nach dem Krieg war die Orangerie noch gar nicht so kaputt“, sagt Wolfgang Dompke. Den Bombenangriff auf die Stadt am 16. April 1945 überstand das Gewächshaus relativ unbeschadet. „Es war noch vollständig erhalten“, schildert Achim Eiternick. „Erst später wurden die Dachziegel abgetragen“, berichtet er, wie der Verfall allmählich begann.

Bilder

Zur fast völligen Zerstörung der Orangerie kam es schließlich 1948 in Folge von Brandstiftung. Von dem mutwillig gelegten Feuer erzählen sowohl Wolfgang Dompke auch als Helmut Lehmann. „Später kam es zum Abbruch der kompletten Südfassade. Die noch gut erhaltenen Schmuckelemente aus Sandstein fielen der Spitzhacke zum Opfer und wurden nicht geborgen“, schreibt Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, auf seiner Webseite www.schloss-zerbst.de.

Nur noch eine Ruine

„Ich kenne die Orangerie nur noch als Ruine“, blickt Lothar Platte zurück und ergänzt: „Zum Heimatfest fand immer das Abschlussfeuerwerk vor diesem Gebäude statt. Da hat sich immer schön der Feuerschein in den noch vorhandenen Fenstern widergespiegelt.“

„In den sechziger Jahren stand noch halbwegs der hintere Wandteil mit dem linksseitigen Gang – wahrscheinlich mal eine Treppe zur Kuppel“, vermutet Robert Walk. „Leider ist mit dem Wiederaufbau der Orangerie kaum noch zu rechnen, denn sie verfällt immer mehr“, bedauert auch er.

Erinnerungen an Gewächshaus

„Das ist ein weiteres Stück Geschichte, was weg ist“, drückt es Detlef Teßmann aus. Er verbindet mit dem Resten des barocken Gewächshauses den Platz, „von wo aus wir beim Reiten zugesehen haben“, bezieht er sich auf das traditionelle Reit- und Fahrturnier, das alljährlich zum Heimatfest auf der Schlosswiese ausgetragen wird.

Wie Sylvia Thiem lösen auch die Frauen und Männer des Wohnbereich 2 des Seniorenhauses „Willy Wegener“ in Zerbst das Heimatfotorätsel korrekt. Eine der älteren Damen erinnert sich noch an das Café, das sich vor dem Zweiten Weltkrieg wohl in der Orangerie befand und das sie als Kind mit ihren Eltern besuchte.

Isolde Wallendorf gewinnt Gutschein

Der verloste Biber-Ticket-Gutschein geht an Isolde Wallendorf. Der Gewinn kann werktags ab 10 Uhr in der Zerbster Lokalredaktion auf der Alten Brücke (im Sparkassengebäude) abgeholt werden.