Zerbst l Dort, wo die Lange Straße, Töpfergasse und die Münzgasse münden, befindet sich die Priegnitz. Mit Stadtmauer, Turm und den kleinen Häuschen, schaffte es dieses Bild bis in Manfred Bielers Roman „Der Mädchenkrieg“.Das alte Foto zeige die Priegnitz in Zerbst, wie sie bis zum 16. April 1945 ausgesehen hat, erkannte Ute Voigt aus Zerbst das gesuchte Motiv richtig.

„Auf der linken Seite stehen seit 1982 zwei Fünfgeschosser. In einem von ihnen habe ich 32 Jahre gewohnt. Der Turm in der Stadtmauer steht heute noch und wurde vor einigen Jahren saniert“, schreibt Ute Voigt in ihrer E-Mail.

Bauer Liepes Pferdefuhrwerk

Auch Kurt Niemitz hat die Priegnitz richtig erkannt. Kein Wunder, hat der heute 87-Jährige doch seine Kindheit und Jugend dort verbracht. „Das kleine Haus direkt am Turm ist mein Elternhaus, dort bin ich geboren“, erzählt Kurt Niemitz am Telefon.

Bilder

Bis zum 16. April 1945 habe er mit seiner Familie dort gewohnt. Dann kamen die Bomber und alles wurde zerstört oder brannte nieder. „Das Pferdefuhrwerk rechts gehörte dem Gemüsebauern Liepe. Damit hat er seine Ernte zum Verkauf in die Städte gebracht, bis nach Leipzig“, erinnert sich Kurt Niemitz.

Die Familien Braune und Schade seien Nachbarn gewesen. „In dem kleinen Haus links wohnte Mutter Alrich, die Großmutter vom Fußballer Alrich“, erzählt Kurt Niemitz. Er habe sich sehr gefreut, als er die Zeitung aufschlug und das Bild gesehen hat.

Rätselfreunde liegen richtig

„Die Gasse oder Straße, die im heutigen Heimaträtsel gesucht wird, ist die „Priegnitz“. Die an die Stadtmauer gelehnten Häuser und der markante Wehrturm sind ein Wahrzeichen für diesen Bereich der Stadt Zerbst“, schreibt Rätselfreund Siegfried Schellin aus Güterglück.

Die Priegnitz, auch als Vormark bezeichnet, sei als eine Landschaft vor der Stadt anzusehen, die schon mehrmals, mit verschiedenen Motiven, Objekt des Heimaträtsels etwa mit der Alten Feuerwache, die in dieser Gasse war.

„Auch in der Literatur wird die Priegnitz erwähnt“, weiß Schellin. Manfred Bieler, einer der bedeutendsten deutschen Erzähler der Nachkriegszeit, wurde in Zebst geboren und schreibt in seinen Roman „Der Mädchenkrieg“ über die kleine Zerbster Gasse: „Die Priegnitz in Zerbst, ein paar Katen an die Stadtmauer gelehnt, dazwischen ein fensterloser Wehrturm mit rotem Kegeldach über den Zinnen, dahinter wieder Häuser, auf der Straße ein Planwagen, im Vordergrund fünf Hühner, drei alte Frauen und zwei Männer, von denen einer eine Miene machte, dem anderen eine Ohrfeige zu geben.“

Besondere Bedeutung

Für Bieler war dieses Bild wohl von besonderer Bedeutung. Es hatte bei der Familie immer einen besonderen Platz, so führte es Professor Hans-Rüdiger Schwab bei einer Lesung aus Bielers Werken Mitte März während der Kulturfesttage in der Essenzenfabrik aus.

„Diese Radierung hängt bei mir in der Wohnung“, freut sich der Zerbster Jürgen Schmidt über das Rätselbild in dieser Woche. Zu sehen sei unter anderem ein original Zerbster Landwagen und spricht von dem Pferdefuhrwerk rechts im Bild. „Ich erinnere mich noch an das Eiscafé, das später in der Nähe war und an die Schulküche in der Münzgasse“, berichtet Jürgen Schmidt.

Das Pferdefuhrwerk kam auch Detlef Teßmann bekannt vor. „Mein Urgroßvater hat wohl damit Gemüse in die Städte zum Verkauf gefahren. Ich selbst kenn‘ das aber nur aus Erzählungen“, sagt Detlef Teßmann.

Spiele an der Stadtmauer

„Dort, wo die Lange Straßen, die Töpfer- und die Münzgasse münden befindet sich die Priegnitz“, weiß auch Giesela Thiem. Oft habe sie an der Stadtmauer gespielt. Folge man der Stadtmauer, komme man zum einstigen Ankuhnschen Tor. „Ganz in der Nähe stand damals auch eine Mostrichfabrik“, erinnert sich Gisela Thiem.

„Wir haben als Jungpioniere dort Altstoffe gesammelt“, erzählt Andreas Indenbirken. Am Turm sei damals noch ein Durchbruch gewesen.

Die Priegnitz erkannt haben auch Fritz Rekow, Harald Neupert, Charlotte Sauer, Ursula Hackemesser und Helga Reinald. Den kleinen Sachpreis gewinnt in dieser Woche Gisela Thiem. Der Preis kann wochentags in der Zerbster Lokalredaktion der Volksstimme im Sparkassengebäude auf der Alten Brücke abgeholt werden.