Straßensanierung sorgt für Diskussion

Im Zerbster Weinberg soll ein Parkverbot gelten, in Lüttger Brüderstraße dafür Parkplätze entstehen

Von Daniela Apel

Zerbst

Bislang immer nur notdürftig ausgebessert, befinden sich der Weinberg und die einmündende Lüttge Brüderstraße mittlerweile in einem katastrophalen Zustand. Tiefe Dellen zieren das völlig unebene Kopfsteinpflaster, das kaum mehr als im Schritttempo zu befahren ist. Nicht besser schauen die schmalen Gehwege aus, bei denen sich die Stolperfallen aneinanderreihen. Nun endlich sollen beide Straßen grundhaft saniert werden.

Anfang August soll der Startschuss für den Ausbau fallen, den viele Zerbster begrüßen und der dennoch im Vorfeld schon für reichlich Diskussionen sorgte. Das spiegelte sich im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss wider, wo es jetzt erneut um den Anfang April vorgestellten Planungsentwurf ging. Erneut prallten auf der Sitzung die Meinungen der Bürger aufeinander, während die Verwaltung einen Kompromissvorschlag unterbreitete.

Anwohner wollen vor eigenem Haus parken

Kritik rief die vorgesehene Schaffung von 53 Pkw-Stellplätzen in der Lüttgen Brüderstraße hervor. Gedacht waren diese in erster Linie als Ausweichmöglichkeit. Denn im gesamten gut 250 Meter langen Weinberg soll zukünftig Parkverbot herrschen - ein Aspekt, der von den dortigen, überwiegend älteren Anwohnern deutlichen Widerspruch erntete. Sie wollen weiterhin vor ihrer eigenen Haustür parken können.

Geschaffen werden sollen die Stellflächen auf der unbebauten Seite der Lüttgen Brüderstraße, und zwar quer zur Fahrbahn hin in Richtung Fuhrstraße. Dass dafür die dort befindlichen Bäume zu fällen wären, stieß auch anderen Zerbstern übel auf.

Linden müssen doch nicht gefällt werden

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) berichtete von einem erneuten Vor-Ort-Termin von Mitarbeitern des Ordnungs- und des Tiefbauamtes mit Planer Lutz Voßfeldt, der in einem Kompromissvorschlag mündete. Durch eine schräge Anordnung der Parkplätze können bis auf einen Ahorn und die mächtige, alte Pappel die vorhandenen Linden stehen bleiben. Zugleich verringert sich dadurch die Anzahl der Stellplätze auf 38.

Genutzt werden könnten diese unter anderem von bereits mit dem Auto kommenden Gymnasiasten des benachbarten Francisceums. Das wiederum ließ eine Bewohnerin des Fuhrstraßenblocks neben der zunehmenden Feinstaubbelastung ebenfalls die morgendliche Geräuschkulisse durch die zuklappenden Fahrzeugtüren ansprechen. Ihr wurde jedoch entgegengehalten, dass vor den Wohnblöcken selbst bereits Parkplätze für die dortigen Mieter existieren. Jene in der Lüttgen Brüderstraße könnte man ja ebenfalls nur für Anwohner deklarieren, lautete eine Anregung.

Kopfsteinpflaster oder Asphaltstraße?

Unterschiedlich fielen die Meinungen zur Fahrbahnsanierung aus. Während sich die einen für den Erhalt des Kopfsteinpflasters in dieser historischen Ecke von Zerbst aussprachen, waren die anderen für die geplante Asphaltschicht. Diese Ausführungsart hätte ebenfalls mit Lärmschutz zu tun, begründete der Bürgermeister die Wahl der glatten Oberfläche. Allerdings hat hier auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. Noch liegt dessen Genehmigung nicht vor.

Mancher fand zudem, dass die Lüttge Brüderstraße keinen zwei Meter breiten Gehweg brauche. Der jetzige ist nur etwa 1,20 Meter breit. Für Begegnungsverkehr reiche das allerdings nicht aus, gab Lutz Voßfeldt vom Ingenieurbüro Wasser und Umwelt in Zerbst zu bedenken. Dieser müsse gewährleistet sein, betonte er. Zugleich wies er darauf hin, dass ein breiterer Fußweg auch in dem Moment vorteilhafter wäre, wenn jemand aus der Haustür heraus auf den Fußweg trete. Allerdings werde die Fahrbahnbreite von 6 auf 5,50 Meter reduziert, um die kritisierten Baumfällungen zu vermeiden.

Anwohner künftig viel mehr einbeziehen

Dennoch kommt es durch das Anlegen der Parkplätze zu einer Flächenversiegelung, zielte Ausschussmitglied Christiane Schmidt (Grüne) auf die damit verbundenen Ausgleichsmaßnahmen ab. Sie regte an, die Ersatzpflanzungen an Ort und Stelle zu realisieren und die verbleibende Rasenfläche durch Sträucher oder andere Pflanzen aufzuwerten. Diesbezüglich müsste mit dem Grundstückseigentümer gesprochen werden, so Lutz Voßfeldt.

Das Beispiel Lüttge Brüderstraße/Weinberg zeige, „wir müssen viel mehr den Dialog mit den Anwohnern suchen“, konstatierte Sebastian Siebert (SPD). Zugleich schlug er vor, dass die in einer Sitzung vorgestellten Projekte auf der nächstfolgenden immer noch einmal diskutiert werden sollten - so wie diesmal auf seine Anregung hin. Christiane Schmidt ergänzte, dass sie als Mitglieder des Bau- und Stadtentwicklungsausschuss zudem früher in die Planung von Maßnahmen einbezogen werden sollten und ihnen nicht schon der fertige Entwurf präsentiert wird.