Zerbst l „Wir werden eine Bürgerinitiative gründen“, verkündete Edgar Grund am Ende des öffentlichen Teils der jüngsten Stadtratssitzung. „Wir lassen uns nicht in fünf Minuten abwürgen“, klang der Ortsbürgermeister von Straguth noch sichtlich aufgebracht. Genau so viel Redezeit, wie es die Geschäftsordnung vorsieht, hatte ihm der Stadtratsvorsitzende Wilfried Bustro (CDU) zugestanden.

Entwurf wird überarbeitet

Zuvor hatte sich der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) zum Bebauungsplan „Flugplatz“ in seinem Bericht geäußert. Er informierte, dass der zweite Entwurf, der Planungssicherheit für das gesamte frühere Militärgelände schaffen soll, derzeit überarbeitet wird, bevor er erneut die kommunalen Gremien durchläuft. Das Nutzungsfeld einer Klärschlammbehandlung, das für die jetzige Diskussion sorgt, wird herausgenommen.

Der Getec Green Energy AG, Inhaberin des Flugplatzareals, schwebt vor, neben einem riesigen Energiespeicher ebenfalls eine Anlage zur Rückgewinnung von Phospor aus Klärschlamm sowie zur Klärschlammverbrennung zu errichten. Hintergrund ist, dass eine EU-Verordnung das Ausbringen von Klärschlämmen auf die Äcker ab 2029 verbietet.

Gesondertes Verfahren

Sollte das Unternehmen seine Idee einer Klärschlammverarbeitung weiter verfolgen, „wird dies in einem gesonderten B-Plan-Verfahren erfolgen, so dass eine umfassende Behandlung in den Ausschüssen und Ortschaftsräten und unter Einbeziehung von verfügbaren Fachinformationen möglich ist“, erklärte Dittmann. „Hier wird es keine übereilte Beschlussfassung geben“, betonte der Rathauschef.

Diese Äußerung betrachtete Edgar Grund als tendenziös. Richtig sei, dass das kommunale Parlament entscheide, welche Fläche für welche Nutzung ausgewiesen werde. Dies sei nicht abhängig vom Willen eines Vorhabenträgers, fand der Ortsbürgermeister. „Der Stadtrat ist nicht Erfüllungsgehilfe eines Investors“, wandte sich Grund an die Mitglieder des obersten Gremiums der Einheitsgemeinde. Das bestätigte Dittmann. „Bislang ist es aber immer so gewesen, dass sich der Stadtrat die Pläne eines Inverstors anhört, um dann darüber zu beraten“, entgegnete der Rathauschef. Entsprechend sei das Projekt zur Errichtung einer Photovoltaikanlage an der Zerbster Mozartstraße abgelehnt worden, nannte er ein Beispiel.

Giftstoffe landen auf Äckern

Zu jeder Klärschlammverwertung gehöre eine Verbrennung, in der es auch um die Verbrennung von Giftstoffen gehe, spielte der Straguther Ortschef zudem auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung an. Daneben wies Grund auf bereits existierende Verbrennungsanlagen hin, in denen der Klärschlamm aus der Zerbster Region entsorgt werden könnte. Und er merkte an, ob es nicht sinnvoll wäre, Phosphorrückgewinnungsanlagen in der Nähe solcher bestehenden Verbrennungsanlagen zu bauen.

Bislang werde Klärschlamm auf den Feldern ausgebracht, wo die Giftstoffe in die Nahrungskette gelangen können, gab Dittmann zu bedenken. „Es ist eine strategische Entscheidung: Wo wollen wir mit dem Klärschlamm hin, der auch im Klärwerk bei Niederlepte anfällt?“, so der Bürgermeister. Unterdessen bat Bustro den Straguther Ortschef, sein Anliegen dem Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vorzutragen.