Zerbst l „Als Mann muss man den Mund halten“, sagt Günter Niemitz auf die Frage, wie die Ehe über sechseinhalb Jahrzehnte funktionieren kann. Am 9. Januar 1954 heirateten die beiden erst standesamtlich und später auch kirchlich. Kennengelernt hatten sie sich beim Tanz, erzählt Margot Niemitz. Schnell wurden die beiden ein Paar.

Heirat kam überstürzt

Die Heirat im Januar kam etwas überstürzt, blicken sie zurück. Denn das erste von insgesamt vier Kindern war auf dem Weg. Es sollte unbedingt geboren werden, wenn die beiden bereits verheiratet waren, sagen sie. Ein uneheliches Kind galt damals noch als großer Makel. Auf dem Hochzeitsfoto von einst ist allerdings von der Schwangerschaft noch nicht viel zu sehen. Schließlich dauerte es noch viereinhalb Monate, bis das erste Kind geboren wurde.

Mit zwei Jahren Unterbrechung folgte der zweite Sohn. Dann machten die beiden eine zehnjährige Pause, bis dann noch einmal zwei Mädchen im Abstand einiger Jahre geboren wurden. An die Hochzeitsfeier können sich die beiden Jubilare noch erinnern. „Damals gab es noch Lebensmittelmarken“, sagt Günter Niemitz. Es sei nicht einfach gewesen, die Tafel zu füllen. Doch mit etwas Ideen und Geschick habe die junge Familie auch mit dem allseits herrschenden Mangel umgehen können.

Bilder

Vier Kinder

Gleich nach der Heirat wohnten die beiden noch bei den Eltern. Die Wohnungen waren ziemlich klein. Später konnten sie das Haus, in dem sie zur Miete eine kleine Wohnung bewohnten, kaufen. Es habe damals ein Programm dazu gegeben, erinnert er sich. Das 1936 gebaute Häuschen hat er für die wachsende Familie umgebaut. „Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer Mietwohnung zu wohnen. Wir haben immer im eigenen Haus gewohnt“, sagt er. Beruflich blieben die beiden auch fast immer in Zerbst. Margot Niemitz war zuletzt lange als Köchin tätig, Günter war als Gießer ein Berufsleben vor allem mit schwerer Arbeit beschäftigt. Nur ein Jahr lang war er als Bergarbeiter bei der Wismut im Einsatz. Er sollte damals zur noch jungen Armee, schildert er. Es habe aber eine Alternative gegeben. Junge Leute konnten bei den Wismut ein Jahr arbeiten und so den Armeedienst umgehen. „Das habe ich gemacht“, sagt der heute 84-Jährige. Die harte Arbeit unter Tage habe ihm nichts ausgemacht. Auch später im Berufsleben liebet er seinen Job. „Ich hätte heute noch Lust was zu machen“, sagt er. Dabei weiß er auch, dass der Körper längst nicht mehr so will.

Einige Hobby hat er sich trotz des hohen Alters erhalten. So baut er seit Jahrzehnten Wein im eigenen Garten an. „Den Weinstock hat mein Vater aus der französischen Gefangenschaft mitgebracht“, erzählt er. Bis zu 150 Liter Rotwein stelle er im Jahr her. Bei Familienfeiern werde das edle Getränk dann regelmäßig getrunken. Zum Hochzeitsjubiläum gibt es natürlich ebenfalls den edlen Rebensaft für die prominenten Gäste an diesem Tag. Ansonsten wird der selbst gemachte Wein in der Familie genossen. In einigen Wochen steht die nächste Feier an. Margot Niemitz feiert dann auch ihren 84. Geburtstag. „Ich bin nur ein halbes Jahr jünger als mein Mann“, sagt sie am Rande der Hochzeitsfeier.