Zerbst/Barby l Das damalige Deutsche Kaiserreich hatte den Bau der Eisenbahnstrecke vorangetrieben. Am 15. April 1879 rollten die ersten Züge von Berlin bis Blankenheim. Die Eisenbahnstrecke durchschnitt die heutige Stadt Zerbst und traf bei Güterglück auf die Bahnlinie zwischen Magdeburg und Dessau.

Dünn besiedelt

Vor allem durch dünn besiedelte Gebiete wurde die als Kanonenbahn getaufte Bahnlinie geführt. Im damaligen Kaiserreich war dies Absicht. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Bahn vor allem für das Militär unverzichtbar. Kriegerische Vorbereitungen ließen sich nur mit der Bahn durchführen. Überraschungsangriffe waren nahezu unmöglich, wenn die Bahnstrecken durch dicht besiedeltes Gebiet liefen und viele Menschen die transportierten Güter und Soldaten sehen konnten. Deshalb wurde die Kanonenbahn abseits der Ballungsgebiete gebaut. Unbemerkt sollte das Heer Ausrüstung und Material an die Grenze schaffen können.

Während die Streckenführung aus militärischer Sicht Vorteile ergab, machte sie aus wirtschaftlicher Sicht in Friedenszeiten wenig Sin. Zu wenig Menschen wohnen im Bereich der Bahnstrecke. Ballungszentren verbindet die Bahn damit nicht. 2004 kam das Aus für die Kanonenbahn. Die Bahn verkaufte die Trasse anschließend.

Verschwinden sollte unter anderem auch die Elbbrücke bei Barby. In der Kleinstadt regte sich Widerstand. Viele Bürger protestierten gegen einen Abriss. Jährlich feiern die Bürger ein Brückenfest und erinnern an die Eisenbahnbrücke, die Fußgänger und Radfahrer überqueren können.

Gleise demontiert

Auf der privatisierten Eisenbahnstrecke haben die neuen Eigentümer längst damit begonnen, die Gleisanlagen zu demontieren. Vielerorts weist nur noch ein Schotterbett auf die zweigleisige Strecke hin.

Nun unternimmt der Salzlandkreis einen neuen Anlauf. Landrat Markus Bauer (SPD) hat kürzlich dem Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) einen Brief geschrieben. „Landrat Markus Bauer sieht noch eine letzte Chance. Und die will er unbedingt nutzen. Er hofft auf die Reaktivierung der elbquerenden Schienenverbindung Barby - Güterglück im Güter- und Personenverkehr. Es geht speziell um ein Teilstück der ehemaligen Kanonenbahn mit der Elbbrücke Barby“, teilte die Pressestelle des Salzlandkreises kürzlich mit. „In einem Brief argumentiert er auch mit den grundlegenden Zielstellungen aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Denn insbesondere die elektrische Mobilität, der ÖPNV, der Schienenverkehr und die dafür erforderliche Infrastruktur sollen gestärkt werden. Dazu wird ein umfangreiches Förderprogramm für die Elektrifizierung von Schienenverkehrsstrecken angekündigt und eine Förderinitiative für regionale Schienenstrecken in Aussicht gestellt“, heißt es weiter aus der Kreisverwaltung des Salzlandkreises.

Konkret regt er an, dass das Land die Wiederinbetriebnahme der gut 13 Kilometer langen Verbindung zwischen Barby und Güterglück ernsthaft prüft. Für die Barbyer hätte dies den Vorteil, dass sie das Bahnnetz auf der östlichen Elbseite ohne den Umweg über Magdeburg zu nehmen, erreichen könnten.

Barby verfügt zwar aktuell über einen Gleisanschluss, der vor allem von der Industrie genutzt wird. Personenzüge steuern die Kleinstadt an der Elbe schon lange nicht mehr an.

Aus Sicht des Salzlandkreises und der Stadt Barby besteht großes Interesse an einer elektrifizierten Schienenverbindung von Magdeburg über Schönebeck und Barby nach Dessau-Roßlau, heißt es aus Bernburg. „Mit Bürgermeister Torsten Reinharz bin ich da absolut einig. Das Land soll bitte ernsthaft prüfen, ob es die 13 Kilometer Streckenabschnitt für die angekündigten Förderprogramme anmeldet“, so der Landrat weiter.

Die Entscheidung der Bahn, die Kanonenbahn stillzulegen und abbauen zu lassen, sehen die Lokalpolitiker inzwischen als kurzsichtig an. Gerade bei Bauarbeiten zeige sich schnell, dass die noch vorhandenen Schienenstränge schnell überlastet sind, begründet der Landkreis seine Initiative. Ebenso gibt es nicht viel Elbüberquerungen für die Bahn in der Region.

Entsteht ein Radweg?

Momentan gehört die ehemalige Kanonenbahn einem Privatunternehmen aus Sachsen. Die neuen Eigentümer wollen den Schienenstrang weiter entwickeln. Nach dem Abbau der Gleise und der Signalanlagen soll dort womöglich ein Radweg entstehen. Abseite der großen Orte könnten die Berliner dann locker in einer Tagestour die Elbe bei Walternienburg erreichen. Außerdem könnte die Trasse für den Aufbau von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien genutzt werden, planen die neuen Eigentümer.

Vor dem Hintergrund des seit Jahren zunehmenden und wachsenden Individualverkehrs bleibt es spannend, ob das Verkehrsministerium die stillgelegte Strecke ernsthaft reaktivieren will. Zumindest die horrenden Kosten für eine Brücke über die Elbe könnten gespart werden. Das Bauwerk ist bereits vorhanden. Seit 1879 steht die Brücke dort. Nur im Zweiten Weltkrieg wurde sie stark beschädigt und anschließend wieder umfangreich repariert. Nur für große Containerschiffe auf der Elbe ist sie bislang rund einen Meter zu niedrig und sollte deshalb schon mal angehoben werden. Umgesetzt wurde der Plan nie.