Güterglück l Ihre Freizeit gehört dem Karneval. Und das schon seit 14 Jahren. Joana Sadurski aus Güterglück hat mit sechs Jahren angefangen beim Güterglücker Karnevalsverein zu tanzen. Corinna Randel war erste ihre Trainerin. Die Eltern waren damals angesprochen worden, ob Tanzen nicht etwas für ihre Tochter wäre. Volltreffer. Tanzen wurde zur Leidenschaft.

Leben für den Verein

Heute ist Joana 20. Nach ihrem Abitur 2017 am Zerbster Gymnasium Francisceum begann sie ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Jerichower Land in Burg. Auch im zweiten Ausbildungsjahr spricht sie noch vom Traumberuf. „Ich fand das immer schon toll, mit Paragrafen umzugehen“, sagt sie. Man lerne auch vieles für sich selbst beispielsweise zum Vertrags- und Vereinsrecht. Sie freut sich, dass sie viel selber machen kann, während ihrer Ausbildung, weit entfernt vom Kaffee kochen.

Zur Arbeit nach Burg, zur Schule nach Haldensleben, Prüfungen in Magdeburg. Das ist schon ziemlich anstrengend allein vom Fahrtaufwand für die Güterglückerin, die noch zu Hause wohnt. Obenauf der Karneval. Aber den Stress nimmt sie auf sich.

Seit sieben Jahren ist Joana Sadurski auch Trainerin im Verein. Am Anfang half sie bei anderen Tanzgruppen mit, probierte eigene Tanzschritte aus und wurde schließlich gefragt, ob sie einen Trainerschein machen will. Wollte sie. Die ersten Gruppen, die sie als Trainerin übernahm, waren First Step und Glitterflash. Die kleinen Tanzmäuse von damals sind heute 12 und 13 Jahre alt. „Ein Großteil ist dabei geblieben“, freut sich Joana.

Trainerin und Tänzerin

Bei First Step gehören auch Bianca Gramzow und Corinna Randel zum Trainerteam. Über die Jahre kamen für Joana noch die Männer, die Garde und das Tanzmariechen – in diesem Jahr werden es sogar zwei sein – dazu, die sie trainiert. Bei der Garde, Glitterflash, der Männer- und gemischten Tanzgruppe sowie beim Can Can, der jedes Jahr auf dem Programm in Güterglück steht, tanzt sie selber mit.

Acht Stunden Tanztraining sind für die junge Frau pro Woche angesagt. In ihrer Freizeit, nach der Arbeit und an den Sonnabenden ist sie in der Güterglücker Turnhalle anzutreffen. Sie tut es aus Spaß an der Freude. „Ich finde es gut, dass die Jugendlichen Hobbys haben und nicht nur rumhängen“, sagt sie. Außerdem sei es schön zu sehen, dass man mit den Mädchen was schaffen kann. Und dabei wächst das Team zusammen.

Joana Sadurski sieht im Karnevalsverein eine große Familie – Jeder unterstützt Jeden. Auch mit anderen Vereinen werden Kontakte geknüpft. „Man lernt Leute kennen, die man sonst nicht treffen würde und wohl auch nie auf der Straße angesprochen hätte“, findet die junge Frau, der es an Ideen für Tänze eigentlich nie mangelt. „Manchmal sitzen wir zusammen und überlegen gemeinsam“, erzählt sie. Oder sie holt sich Anregungen im Internet, welche Themen man umsetzen könnte. Dann werden passende Lieder gesucht. Schritte ausprobiert. Manchmal trifft dann auch der Geistesblitz in der Nacht. Am Ende ist ein Bild im Kopf.

Eltern sind mit an Bord

Nur manchmal funktioniert die Umsetzung nicht. Dann wird geändert, neues ausprobiert. Das Ergebnis sei bisher immer zufriedenstellend gewesen. „Es ist schon schwierig, jedes Jahr was Neues zu machen oder was noch keiner gemacht hat“, weiß sie. In dieser Session werden Piraten zu erleben sein, bei den Männern geht es russisch zu, die Kleinen tanzen Pipi Langstrumpf.

Als Joana damals mit dem Tanzen anfing, da dauerte es auch gar nicht lange, dass auch ihre Eltern beim Karneval einstiegen. Obwohl beide am Anfang gar nicht so wollten, gehören Otto und Erna seit vielen Jahren zum festen Programmpunkt in Güterglück. Da ist die Tochter stolz auf die beiden und umgekehrt sind die Eltern nicht minder stolz, wie ihre Tochter alles unter einen Hut bringt.

Für die Zukunft des Karnevals wünscht sich Joana Sadurski noch mehr Mitstreiter, mehr Nachwuchs. Bei den Kleinen ist die Gruppe mit zehn Kindern sehr gut aufgestellt. Bei den Älteren wird es dann dünner, erst recht, wenn es in die Ausbildung oder zum Studium geht. Aber: „Es lebe der Karneval! Mitmachen lohnt sich“, findet Joana. Viele hätten noch ein falsches Bild. Steife Büttenreden waren gestern. Heute ist Karneval locker, frech, modern und man kann schön feiern.

An die Aufregung hat sich die Güterglückerin im Laufe der Jahre gewöhnt. Nur kurz vor dem Auftritt kommt sie durch, aber dann ist es „wie eine Tür die zugeht“, sagt sie, die Leute sehe sie beim Tanzen fast gar nicht mehr. Vier Jahre hat Joana auch mal im Programm gesungen. Davon ist sie wieder abgekommen. Tanz und Gesang zusammen erwiesen sich als zu stressig.

Nun kann man also gespannt sein auf das Programm dieser Session in Güterglück. Bei der Generalprobe darf ja bekanntlich nicht alles gut gehen, damit es dann bei den eigentlichen Veranstaltungen klappt. Karten sind schon etliche verkauft, aber es könnten noch mehr sein, weiß Joana Sadurski. Schließlich ist die Güterglücker Mehrzweckhalle recht groß. Die Ordens- und Kostümsitzung ist dann der Abschluss beim GGG. Einen Tag davor muss Joana noch ihre Zwischenprüfung ablegen, dann gibt es noch einen Grund mehr zu feiern.

Übrigens, auch wenn das Herz für den Karneval schlägt, nach dem ganzen Trubel braucht Joana erst einmal ein paar Wochen ganz ohne, bevor es meist im Mai wieder mit dem Training für die neue Saison losgeht.