Zerbst l Die Facebook-Gemeinde von Zerbst Aktuell ist sich einig: Das Kasernengebäude am Klosterkomplex auf der Breite, das als Außenstelle der Ciervisti-Schule genutzt wird, soll saniert werden, dafür sprachen sie sich in einer nicht repräsentativen Umfrage aus.

Nicht im historischen Kontext?

Zum Hintergrund: Helmut Seidler hatte bei der letzten Sitzung des scheidenden Stadtrates am 22. Mai für Verwunderung – auch in den eigenen Reihen – gesorgt. Dort hatte er im Namen der Freien Fraktion Zerbst (FFZ) behauptet, seine Fraktion haben im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss beantragt, das Kasernengebäude abzureißen. Es sei später angebaut worden und stehe somit nicht im historischen Kontext des Klosters.

„Ich persönlich kann mich an keinen konkreten Antrag auf Abriss des Gebäudes erinnern“, konterte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Vielmehr freue er sich, dass die Baugenehmigung für die Sanierung Frauenkloster - inklusive Schulteil – kurz vor der Erteilung stehe. Somit müsse dieser Abriss-Antrag durch die schöne Macht des Faktischen, sprich die Baugenehmigung, erst gar nicht behandelt werden, konstatierte Dittmann.

Helmut Seidler legte nach und sprach von Bürgerbeteiligung und warf die Frage auf, wie zufrieden denn die künftigen Nutzer des Kasernengebäudes, sprich Schüler und Lehrer mit dieser Entscheidung sind?

Außenstelle der Ciervisti-Schule

Das wollte auch die Facebook-Seite Zerbst Aktuell in einer Umfrage wissen, hat aber nicht explizit Lehrer und Schüler befragt, sondern die Zerbster allgemein: Soll das Kasernengebäude, das derzeit als Außenstelle der Ciervisti-Schule genutzt wird abgerissen oder saniert werden?

Das Umfrageergebnis ist zwar nicht repräsentativ, aber eindeutig. 93 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten für eine Sanierung und nur sieben Prozent für den Abriss. 894 Facebook-User haben an der Online-Umfrage teilgenommen und abgestimmt, die eine Woche lief.

Und nicht nur das: In zahlreichen Kommentaren machten die User deutlich, dass dieses Gebäude zur Geschichte der Stadt und ihren Menschen gehöre und unbedingt erhalten werden müsse. Die Bombardierung von Zerbst kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges habe genug Zerbster Geschichte zerstört.

Das Wenige, was dem Bombenhagel nicht zum Opfer gefallen ist, müsse gesichert, saniert und erhalten werden. Einen weiteren Verfall oder gar Abriss der wenigen noch erhaltenen historischen Gebäude in Zerbst halten die Umfrageteilnehmer für fatal.

Auch Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach hält den Abriss des Kasernengebäudes für keine gute Idee. „Teile des um die Jahrhundertwende 1897 erbauten Gebäudes wurden nach 1945 wieder aufgebaut. Inzwischen gehört das imposante Kasernengebäude mit den Arkaden zum Stadtbild“, erklärte sie gegenüber der Volksstimme.

„Um etwas klarzustellen: es liegt kein schriftlicher Antrag der FFZ-Fraktion vor. Somit wird im Stadtrat auch nicht darüber abgestimmt werden“, reagiert Mario Rudolf, Fraktionsvorsitzender der Freien Fraktion Zerbst auf die Diskussion um das Kasernengebäude.

Mitglieder überrascht

Helmut Seidler habe mit seiner Formulierung zum Abriss des angebauten Kasernenteils nicht nur die Mitglieder der anderen Fraktionen im letzten Stadtrat überrascht. „Aber nichtsdestotrotz wurde in unserer Fraktion, wie auch in anderen Fraktionen, das Umfeld Frauenkloster mehrfach thematisiert. Wir stehen auf dem Standpunkt, das Thema in seiner gesamten Komplexität zu betrachten. Dazu bedarf es eines Entwicklungskonzeptes, bei dem nicht nur das Gebiet des Frauenklosters zu betrachten ist, sondern die gesamte Breite bis zum Schlossgarten und Marstall“, betont Rudolf.

Auch die Belange der Schüler und Lehrer der Ciervisti-Schule müssten berücksichtigt werden. Hier könne schon die Frage gestellt werden, ob es für immer nötig sein muss, eine Schule auf zwei Standorte zu verteilen, oder ob das Umfeld an der Fuhrstraße nicht noch andere Alternativen biete.

„Die Umfrage bei Facebook ist eindeutig. Das werden wir respektieren. Ein Bürgervotum ist uns wichtig. Schön wäre es, wenn andere Stadträte das genau so sähen. Beim Thema Wochenmarkt haben die meisten anderen Stadtratsmitglieder dies nicht respektiert“, merkt der FFZ-Fraktionsvorsitzende an. Das sei auch ein Teil der Wahrheit.

„Ein anderer Teil der Wahrheit ist, dass so eine Umfrage, die natürlich sehr emotional und polarisierend ist, zwei Tage vor der Stadtratswahl gestartet wird. Dies ist in meinen Augen mehr als fraglich und hat viele unserer Mitbewerber sehr erfreut“, so Mario Rudolf.