Zerbst l In der VIP-Lounge des Sportkeglervereins (SKV) Rot Weiß Zerbst wird es langsam eng – Zumindest für die Pokale und Trophäen. Kein Wunder, schließlich gehören die Kegler des Vereins zu den besten der Welt. Ab 2006 sind die Sportkegler zum Beispiel schon acht Mal als Weltpokalsieger und vier Mal als Vize-Weltpokalsieger hervorgegangen.

Darüber hinaus ist auch ein beachtlicher Teil der deutschen Keglernationalmannschaft mit Sportlern aus dem Zerbster Verein besetzt. Fünf von den acht Nationalspielern gehören zum Zerbster SKV.

Punkte für das Team

Doch wie läuft überhaupt eine Kegelpartie unter Profis ab? Das erklärt Lothar Müller, der Präsident des Zerbster SKV, so: „Ein Team besteht aus sechs Sportlern. Diese treten einzeln gegen einen Kegler im Gegnerteam an. Das Team das am Ende die meisten Mannschaftspunkte hat gewinnt. Einen Mannschaftspunkt gibt es, wenn ein Kegler in den vier Sätzen die er spielt mehr Satzpunkte erzielt, als sein Gegenspieler. Pro Satz haben die Kegler 30 Würfe. Die ersten 15 Würfe gehen ins ‚volle Bild‘ wie wir das nennen. Das heißt, es werden alle neun Kegel aufgestellt, der Kegler spielt und versucht möglichst viele Kegel zu treffen und dann werden wieder alle Kegel aufgestellt und er wirft erneut. Ziel ist es in den 15 Würfen so viele Kegel wie möglich umzustoßen. Bei den anderen 15 Würfen geht es ums ‚abräumen‘. Hier ist es das Ziel mit möglichst wenigen Würfen alle Kegel umzuwerfen. Der Sportler, der in den 30 Würfen besser abschneidet spielt, erhält dann einen Satzpunkt.“

Um dabei gut abzuschneiden kommt es laut Müller vor allem auf Präzision und Konzentration an. Aber auch körperliche Fitness und Athletik spielen eine wichtige Rolle, so Müller.

Anforderungen im Wandel

Zudem haben sich die Anforderungen des Kegelsports in den Jahren gewandelt, wie Müller sagt. „Früher wurden im Grunde nur die Kegel gezählt. Heutzutage heißt es Mann gegen Mann. Der Kegler muss der psychischen Belastung, dem mentalen Druck, standhalten. Er hat immer im Hinterkopf, dass jeder Kegel über den Sieg entscheiden kann“, sagt Lothar Müller.

Der Vereinsvorsitzende ist im Übrigen sehr stolz auf die Leistung seiner Vereinskollegen. Auf all das, was sie im Laufe der Jahre erreicht und aufgebaut haben – und das geht über die sportlichen Erfolge hinaus.

Kegelbahn am Leben erhalten

Begeistert berichtet Müller davon, wie der Verein die Kegelbahn, die früher der Stadt gehört hat, wieder aufgebaut hat. Denn nach der Wende war die Zukunft der Anlage ungewiss. „Das Geld war knapp“, bringt es Lothar Müller mit einem Satz auf den Punkt. Mit viel Eigeninitiative haben sie „das System am Leben erhalten“, erinnert er sich.

Die nächste Herausforderung für einige Kegler des Vereins steht übrigens schon nächste Woche an: im tschechischen Rokycany finden nämlich ab dem 15. Mai die Weltmeisterschaften statt. Lothar Müller sagt dazu: „Eine Medaille sollte auf jeden Fall drin sein!“