Ohne Publikum

Kleines Jubiläum der Maibaum-Tradition

Seit fünf Jahren schweben Kränze in der Bänkerstreet

Von Petra Wiese
Chris Troeder und Jörg Trümper hängten in Steckby den Kranz an den Maibaum.
Chris Troeder und Jörg Trümper hängten in Steckby den Kranz an den Maibaum. Foto: Petra Wiese

Steckby

Ein keines Jubiläum hätte man in diesem Jahr feiern können. Es ist das fünfte Jahr, dass die Bänkerstreet in Steckby, das ist das Ende der Hauptstraße in Richtung Klaasberg, einen eigenen Maibaum hat. Den Maibaum gibt es trotz Corona, aber das Richten musste ohne großes Brimborium und natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln durchgeführt werden. 

Der Kranz wurde schon am Mittwoch gebunden. Da haben die Frauen inzwischen Erfahrung. Mit Traktor und Hänger ging es dann am Donnerstag los, um eine Birke  aus einem Privatwald zu holen. Bis zum Freitagabend hing noch der Osterkranz neben der Bücherzelle. Der musste nun weichen. Das Maibaumrichten an sich ist für die Mitglieder der Bänkerstreet inzwischen ein Leichtes. Da gibt es eine selbstgebaute Kippvorrichtung, in die der Baum verankert wird und mit ein bisschen schieben und ziehen kommt der Baum in die Senkrechte. Uups, fast hätte man diesmal vergessen den Maikranz vorher anzuhängen…

Bunte Bänder hängen vom Kranz herunter, an den Ästen und Zweigen in der Baumkrone flattern ebenfalls bunte Bänder im Wind. Hier war Bettwäsche übrig, die in Streifen geschnitten wurde. Ein hübscher Anblick, der sich da bietet und der das Straßen- und Ortsbild verschönert. Das gesellige Beisammensein musste wie schon im vergangenen Jahr ausfallen, aber das wird bei Gelegenheit nachgeholt.

Dass es überhaupt einen Maibaum in der Hauptstraße gibt, entsprang einer Schnapsidee. Alles fing damit an, dass Sabine Faßhauer 2016 in Rente ging. Für die Rentnerin sollte eine Bank aufgestellt werden. Die Nachbarschaftsrunde bestellte zwei Bänke. Man traf sich Ende zum Probesitzen. Das war einen Tag vor dem Maibaumrichten. In Steckby wurde der Maibaum immer am Ortseingang an der Zerbster Straße errichtet. Dort lag auch der Maibaum schon bereit.

Das Probesitzen währte bis lange in die Nacht. Da kam irgendjemand auf die dumme Idee, den Maibaum zu entführen. Der wanderte folglich in der Nacht von der Zerbster Straße in die Hauptstraße und wurde dort aufgestellt – mit viel Mühe per Hand eingebuddelt. An der Zerbster Straße hatte man dafür ein kleineres mickriges Birkenbäumchen hinterlassen…

Die Verwunderung am nächsten Morgen war groß. Ein paar Anrufe später wurden alle zusammen getrommelt, um den Maibaum in der Hauptstraße wieder auszubuddeln und zurück zu bringen. Ein Kasten Bier sollte es als Entschuldigung tun. Fehlte nun wieder der Maibaum in der Hauptstraße. Die Nachbarschaftsrunde holte sich kurz entschlossen noch einen eigenen Baum, der dann gerichtet wurde. Auch das kleine mickrige Exemplar fand noch einen Standort in der Badetzer Straße…

Seitdem gibt es jedes Jahr einen Maibaum der Bänkerstreet – so nennt sich die Runde, seitdem die Bänke angeschafft wurden. Am Baum am Ende der Straße hat die Privatinitiative vier Bänke aufgestellt, wo sich allerdings nicht nur die Nachbarschaft trifft, sondern sich auch die Radfahrer, die durch Steckby kommen, niederlassen und verweilen. Im Moment sind die Treffen natürlich ausgesetzt. 

Zurück zum Maibaum – dabei sollte es nicht bleiben. Im Sommer 2017 kam ein Mittsommernachtsbaum dazu. Für Chris Troeder zum Geburtstag wurde ein Bändertanz einstudiert, wo mit den Bändern um einen Baum getanzt wurde. Das Arrangement wurde anschließend in der Bänkerstreet aufgestellt. Hinzu kamen noch ein paar Zwischenlösungen für den Jahreslauf.

Natürlich gehört ein Weihnachtsbaum zum Straßenbild. Der wird vom Narrenbaum, als Zeichen der Karnevalshochburg Steckby, abgelöst. Es folgt der Osterbaum, bevor der Maibaum gerichtet wird. Mittsommernacht wird dann im Juni zelebriert. In der Zeit bis die Erntekrone, die die Steckbyer Truppe ebenfalls selber bindet, hochgezogen wird, steht der Dorfkind-Baum.