Zerbst l „Unter der Woche ist hier noch relativ wenig los.“ Gundolf Reppin genießt die Ruhe in seiner Zerbster Gartenparzelle. Hier könne er sich um seine Pflanzen und Beete kümmern, ohne an die Corona-Krise denken zu müssen. Auswirkungen auf die Kleingartensparte habe die Krise dennoch, erzählt der Vorsitzende des Stadtverbands der Kleingärtner Zerbst und Umgebung. „Unsere Osterfeuer und Jubiläen mussten leider abgesagt werden“, sagt Reppin.

In diesem Jahr wollte der Verband seinen 20. Geburtstag feiern. „Ein großes Fest war nicht geplant, dennoch hätte ich gerne mit allen Gartenfreunden zusammen gesessen und Erfahrungen ausgetauscht“, zeigt sich Reppin ein wenig traurig. Aber er verspricht, dass die Feiern, so bald es wieder möglich ist, nachgeholt werden.

„Das Osterfeuer wird dann wahrscheinlich zu einem Herbstfeuer“, sagt Reppin mit der Hoffnung, dass der Grünschnitt später im Jahr noch verbrannt werden kann. Bis dahin werden die Gartenabfälle auf Kompostieranlagen in den Kleingartensparten zusammengetragen. „Je trockener es wird, umso besser brennt ist“, sieht Reppin etwas Positives in der Situation.

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Sein Garten samt Bungalow befindet sich in der Kleingartensparte „Weizenberge“ am Stadtrand von Zerbst. Die Anlage konnte bereits im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Sie besteht aus 123 Gärten, die alle mit einem Strom- und Trinkwasseranschluss ausgestattet sind. Die meisten Gärten sind belegt. „Wir hätten aber auch noch ein paar im Angebot“, weist Gundolf Reppin auf einzelne leere Gärten hin.

Das Interesse an den Gärten sei im Laufe der Corona-Krise nicht gestiegen. „Wir hatten in den letzten Wochen im Stadtverband vielleicht drei, vier Anfragen. Nicht mehr als sonst“, weiß Reppin zu berichten. Im gesamten Stadtverband, dem neun Gartensparten in Zerbst und Umgebung angehören, gibt es 150 freie Gärten.

Der 63-Jährige ist in seinem Garten momentan mit dem Umgraben seiner Beete beschäftigt. Das sei die Vorbereitung für das Ausstreuen der Saat. „Der Kompost wird dann ausgeleert und untergegraben. Einen besseren Dünger gibt es nicht“, erzählt Gundolf Reppin. Er pflanzt unter anderem Gurken, Bohnen und Kartoffeln an.

Schräg gegenüber von Reppins Garten ist bereits sein Gartenfreund Michael Mücke am Werkeln. Auch er bereitet sein Beet und Gewächshaus auf die neue Saison vor. „Die Erdbeeren sind bereits drin“, sagt er und zeigt auf mehrere Reihen Erdbeerpflanzen. Gemeinsam mit anderen Beerenfrüchten, die er anpflanzt, seien diese besonders gut für Marmeladen geeignet, so Mücke.

Seit 24 Jahren kümmert er sich gemeinsam mit Frau Martina um die Parzelle in der Kleingartensparte „Weizenberge“. Er sei im Einzelhandel tätig und gehe zurzeit in Schichten arbeiten. Die Arbeit im Garten sei für ihn die beste Freizeitbeschäftigung. „Im Winter bin ich im Keller und kümmere mich um meine Modelleisenbahn, und im Frühjahr und Sommer bin ich hier im Garten“, erzählt Michael Mücke.

Auch mit Gartenfreund Gundolf Reppin tauscht er sich trotz strenger Corona-Auflagen noch aus. „Eine Runde schnacken über den Gartenzaun geht ja trotzdem“, sagt Mücke. Dabei hält man automatisch einen entsprechenden Abstand zueinander.

In seinem Gewächshaus will Michael Mücke unter anderem Tomaten, Gurken und Paprika anpflanzen. „Viele sagen zwar, die Sorten vertragen sich untereinander nicht, aber ich werde es einfach ausprobieren“, sagt Mücke mit einem Schmunzeln. Auf seine Astern an der Gartenlaube darf Michael Mücke jedes Jahr wieder zahlreiche Schmetterlinge und Bienen begrüßen. Bereits jetzt freut er sich darauf, wenn er im Sommer seinen Pool aufstellen kann. „Einen fest installierten Pool dürfen wir hier nicht haben, darum bauen wir unseren jedes Jahr wieder auf und ab“, so Mücke.

Auf die Frage, was ein guter Kleingärtner mitbringen muss, antwortet Gundolf Reppin ganz simpel: „Man braucht Interesse am Gärtnern und ganz viel Ausdauer.“ Den Rest würde man dann, seiner Meinung nach, dazu lernen. „Und wenn dann doch mal Fragen aufkommen, wird Hilfe von den anderen Gartenfreunden gern angeboten“, freut sich Gundolf Reppin, wenn sich wieder mehr junge Menschen für die Gartenarbeit interessieren.

Die Bemühungen werden dann mit den Pflanzen und Ernteergebnissen belohnt, weiß er aus eigener Erfahrung zu berichten.