Zerbst l Die Feuerwehrzufahrt von der Breite über den Großen Klosterhof hin zum einstigen Zerbster Frauenkloster werde nur geschottert, betonte Andreas Dittmann (SPD). Als Fehlinterpretation bezeichnete der Bürgermeister die Annahme, dass durch die jetzige Baulücke hindurch eine Straße angelegt wird. Im Gegenteil. Nur für den Ernstfall soll der Weg für die Löschfahrzeuge geöffnet werden. „Die Bauzäune bleiben stehen“, erläuterte er.

Straße zu schmal

Denn für den Hubsteiger der Zerbster Ortsfeuerwehr ist die Straße „Großer Klosterhof“ zu schmal und stellt keine „Rettungswege-Option“ dar, wie es Dittmann einmal ausdrückte. Deshalb sicherte sich die Stadt frühzeitig die Baulücken- Grundstücke zur „Erweiterung der öffentlichen Verkehrsfläche der Straße ,Großer Klosterhof‘“, wie es in dem Beschluss heißt, der Ende Januar die Mehrheit im Stadtrat erhielt. In der Vorlage findet sich ebenfalls das Stichwort „Anliegerstraße“, das falsche Vermutungen aufkommen ließ.

Wie Dittmann erläuterte, wird über die endgültige Verkehrsführung erst im Zuge des Ausbaus des denkmalgeschützten Großen Klosterhofes entschieden, für den die Stadt für 2020 bereits die Fördermittel genehmigt bekommen hat. Bei der dann notwendigen Planung für dieses kleinteilige, mit Fachwerkhäusern bebaute Areal sollen die Bürger keinesfalls außen vor gelassen, sondern so weit wie möglich beteiligt werden. „Wir können und wollen keinem Gestaltungskonzept vorgreifen“, erklärte Dittmann.

Zufahrt ist nachzuweisen

Momentan geht es einzig um die Erfüllung einer Forderung des Bauordnungsamtes. Innerhalb des Baugenehmigungsverfahrens ist der Nachweis einer Feuerwehrzufahrt zum früheren Frauenkloster zu erbringen, dessen so genannter Klausurflügel in naher Zukunft als Archivstandort und Sitz des Bau- und Liegenschaftsamtes dienen soll. Vorab ist dieser hintere Teil des historischen Gebäudekomplexes instand zu setzen. Gut zwei Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Stark V“ stehen für diese Maßnahme zur Verfügung. Weitere 564.000 Euro Stadtumbau-Ost-Mittel fließen in die Klosterkirche, mit deren Dachsanierung demnächst begonnen wird.

Unterdessen will der Landkreis in den Kasernenflügel an der Breite investieren, um das zweite Obergeschoss ebenfalls für die Ganztagsschule Ciervisti herzurichten. Diese nutzt bereits mehrere Räume in dem Objekt. Zukünftig soll sich der Unterricht jedoch auf das Gebäude an der Straße konzentrieren. Ziel sei es, den gesamten Komplex bis 2021 in Betrieb zu nehmen, so Dittmann.

Nicht nutzbar

Den Planungsauftrag für das Kloster-Projekt der Stadt erhielt das Ingenieurbüro von Tilo Feldmann, das die Verwaltung auch zur Feuerwehrzufahrt beraten hat. Die derzeitige Zufahrt am Frauentorplatz sei „völlig ungeeignet“ und nicht nutzbar, ohne die dort fließende Nuthe zu überbauen, erläuterte Feldmann. Hinzu käme, dass sich diese unmittelbar im Bereich einer Ampelkreuzung befinde. Zudem würde diese Zuwegung auf einen Schulhof führen, nannte der Planer ein weiteres Gegenargument.

Er ging auch auf den Vorschlag von Ausschussmitglied Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) ein, das Klostergelände von der Puschkinpromenade aus zu erschließen. Dazu müsste eine Brücke mit einer Mindestlast von 20 Tonnen über der Nuthe errichtet werden. Um diese auf stabilen Grund zu setzen, müsste man erst durch die vorhandene Schlick- und Schlammschicht, erläuterte Feldmann. Auch auf die notwendige Grundwasserabsenkung in den Sommermonaten wies er – abgesehen von seinen Zweifeln an der Genehmigung einer solchen Brücke – hin.

Die ebenfalls vorgeschlagene Variante, die Straße „Großer Klosterhof“ durch das Versetzen des Hauses mit der Nummer 72 zu verbreitern, „kann man im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens diskutieren“, meinte Tilo Feldmann. Jedoch handele es sich hier um privates Eigentum, gab er zu bedenken.

Baulücke nutzen

„Das Hubrettungsfahrzeug kann den Klosterhof nur über die Baulücke erreichen“, gab Dittmann die aktuelle Aussage der Zerbster Ortsfeuerwehr wieder. Diese Zufahrt müsse mindestens drei, im Kurvenbereich sogar fünf Meter breit sein, erläuterte Feldmann. Er konnte nicht ausschließen, dass der Schotterweg von Baufahrzeugen genutzt wird. Wenn diese nicht über die enge Straße auf den Klosterhof gelangen, müsste eine Alternative gefunden werden, reagierte er auf eine Nachfrage von Uwe Krüger (SPD). Nach dem Rückbau der geschotterten Zufahrt erkundigte sich Ralf Müller (CDU). Ob und wann das geschehe, diese Entscheidung liege bei der Stadt, erklärte der Planer.

Deutlich für die Feuerwehrzufahrt sprach sich Alfred Schildt (Linke) aus: „Hier wird eine Baulücke genutzt und keine mittelalterliche Struktur zerschlagen“, bezog er sich auf entsprechende Kritik – unter anderem von Helmut Seidler. Jener kritisierte das Vorgehen, über dieses umfassende Thema nur unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen der Verwaltung“ zu informieren, als „Überrumpelungstaktik. „Ich hätte mir einen anderen Rahmen gewünscht.“