Wasserressourcen sind ausgeschöpft

Kreisverwaltung sieht für die Landwirtschaft kaum noch Spielräume bei der Nutzung von Grundwasser

Die vergangenen trockenen Jahre haben die Grundwasserstände im Boden in Anhalt-Bitterfeld fallenlassen. Das bestätigt die Kreisverwaltung auf Nachfrage der Volksstimme.

Von Thomas Höfs
Für die künstliche Bewässerung von landwirtschaftluch genutzten Flächen sieht die Kreisverwaltung keine Spielräume im Zerbster Umland.
Für die künstliche Bewässerung von landwirtschaftluch genutzten Flächen sieht die Kreisverwaltung keine Spielräume im Zerbster Umland. Foto:Thomas Höfs

Zerbst - Im Vergleich zu 2015 seien die Grundwasserstände um 30 bis 80 Zentimeter abgesunken, teilt der Landkreis auf Nachfrage mit. Der Landkreis liegt damit im Trend. Die vergangenen trockenen Jahre führten dazu, dass sich Grundwasser immer weiter in den Boden zurückzieht.

Auch ohne Messungen des Grundwasserspiegels ließ sich dies in der jüngeren Vergangenheit in den Wäldern beobachten. Zog sich hier das Wasser schnell zurück, konnten dem vor allem ältere Bäume nicht mehr folgen und vertrockneten. Besonders dramatisch zeigte sich die Situation mit den ausbleibenden Niederschlägen in Mittelgebirgen, wo die Bäume auf den regelmäßigen Regen angewiesen sind.

Die Trockenheit war auch im Zerbster Umland zu spüren und zu sehen. Die Nuthe zieht sich hier mit einigen kleinen und größeren Bächen durch das Land und sorgt für die Entwässerung einer großen Fläche in die Elbe. In den vergangenen Jahren erreichten längst nicht mehr alle Arme der Nuthe den Fluss, sondern versiegten auf halber Strecke. Die Kreisverwaltung reagierte auf die Veränderungen und erließ ein Verbot, aus den offenen Gewässern Wasser zu entnehmen. Ist damit auch in diesem Jahr zu rechnen, fragte die Volksstimme bei der Pressestelle der Kreisverwaltung nach. Welche Erwägungen dabei eine Rolle spielen, übermittelte Kreissprecherin Marina Jank: „Grundsätzlich ist eine Allgemeinverfügung zum Wasserentnahmeverbot aus oberirdischen Gewässern immer wieder möglich, sobald die Oberflächengewässer den mittleren Niedrigwasserstand erreicht haben. Bei anhaltender Trockenheit und wenig Niederschlägen reduzieren sich die Wasserstände in den Gewässern sehr schnell, dann muss zum Schutz der Gewässer ein Entnahmeverbot ausgesprochen werden. Vor allem dann, wenn eine Änderung der Wassersituation nicht absehbar ist.

Wie können die Flächen künftig mit Wasser versorgt werden?

Um einer weiteren Senkung des Wasserstandes entgegenzuwirken, ist es erforderlich, das Entnehmen von Wasser aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpenvorrichtungen zu untersagen und damit den Eigentümer- und Anliegergebrauch einzuschränken sowie alle mit einer wasserrechtlichen Erlaubnis zugelassenen Wasserentnahmen zu untersagen“, teilt sie mit.

Obwohl sich in diesem Jahr die Wasserversorgung bislang sehr entspannt darstellt und es ausreichend geregnet hat, diskutieren dennoch die Landwirte über die künftige Versorgung ihrer Flächen, wenn die Niederschläge wieder einmal längere Zeit in der Vegetationsperiode ausbleiben sollten. Die künstliche Bewässerung ist dabei immer wieder im Gespräch. Allerdings lässt sie sich nicht sofort umsetzen, sondern bedarf einer langwierigen Vorplanung. Außerdem lohne sie sich auch nicht bei jeder Kultur, sagen Landwirte im Kreis. Denn die künstliche Bewässerung kostet zunächst in der Anschaffung und dann auch in der Unterhaltung viel Geld. Der Aufwand rechtfertigt sich nur, wenn auch die dafür notwendigen Erlöse erzielt werden können. So dürfte es sich bei der aktuellen Preisentwicklung für Zucker kaum lohnen, Zuckerrüben im Sommer künstlich zu bewässern, um das Wachstum zu optimieren. Aufwand und Nutzen stünden hier in einem kaum günstigen Verhältnis. Zu beachten seien weiterhin die Bodenqualitäten, die in der Region schon sehr unterschiedlich ausfallen können. Auf mageren Sandböden sei beispielsweise der Einsatz einer künstlichen Bewässerung kaum sinnvoll.

Wassersteuerung als eine Möglichkeit

Auf einigen kleineren Flächen setzen einige Landwirte bereits auf die eigene Wassersteuerung. So wird sie beispielsweise beim Spargel schon auf kleinen Flächen eingesetzt, um trockenen Frühjahren vorzubeugen. Schließlich benötigt die Spargelpflanze in der Wachstumszeit im Frühjahr sehr viel Feuchtigkeit, um die Triebe zu bilden. Bleibt es lange trocken und gibt es wenig Nässe im Boden, fällt auch die Spargelernte geringer aus.

Doch wie schätzt die Kreisverwaltung die Ressource Wasser für die Landwirtschaft im Zerbster Umland ein? Gibt es hier noch Reserven, auf die die Landwirte in der Zukunft zurückgreifen können? Dazu teilt die Verwaltung mit: „Der Bedarf zur Entnahme von Grundwasser zur Beregnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen ist da, jedoch darf der Grundwasserkörper nur zu 30 Prozent genutzt werden, da es sonst zu einer Übernutzung der Wasserressourcen kommt. Dieser Wert ist für den Zerbster Bereich bereits erreicht. Mithin dürfen keine zusätzlichen bilanzrelevanten Grundwasserentnahmen zugelassen werden. Mit Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis wird jedem Erlaubnisinhaber mitgeteilt, dass kein Recht auf Wasser in einer bestimmten Menge und Qualität besteht. Kommt es aufgrund anhaltend trockener Wetterlage und der damit verbundenen Gewässersituation zu einem Entnahmeverbot, ist dieses Verbot umzusetzen. Jeder Gewässerbenutzer sollte dafür Sorge tragen, dass das Wasser in regenreicheren Jahreszeiten gespeichert (beispielsweise Zisternen) und in Trockenzeiten zur Beregnung verwendet wird.“

Die Rückhaltung von Wasser kann in der Zukunft auch für die Landwirtschaft sehr wichtig werden. Noch vor einigen Jahrzehnten plagten sich die Bauern mit einem gegensätzlichen Problem. Es regnete oft und viel. Damit die mitunter schweren Böden überhaupt bearbeitet und befahren werden konnten, musste das Wasser so schnell wie möglich abgeleitet werden. Ein dichtes und mitunter tiefes Grabennetz durchzieht die Landschaft und sorgt für die Entwässerung. In der aktuellen Situation wäre es vielleicht sinnvoller, die Gräben mit Staueinrichtungen zu versehen, damit das Wasser nicht so schnell abfließt, sondern sich länger in der Fläche hält. Das kann sich positiv auf die Landwirtschaft in der Region auswirken, auch wenn es im Frühling oder Sommer längere Zeit mal nicht regnet. Dass die Pflanzen in der Lage sind, auch längere trockenere Zeiten zu überbrücken, haben die vergangenen Jahre immer wieder eindrucksvoll gezeigt.