Zerbst l Gespannt schauen die Mädchen und Jungen der 4b auf die digitale Tafel, die als Kinoleinwand dient. Jeden Moment ist es soweit – dann sehen sie endlich das Ergebnis ihres ebenso spannenden wie anstrengenden Ausfluges in die Welt des Films. Stille herrscht, als auf schwarzem Hintergrund in weißer Schrift der Titel erscheint. Und dann beginnt sie auch schon – die „Reise zum Mond“.

Genau genommen hat diese bereits im vergangenen Herbst ihren Anfang genommen. Im Rahmen des Kunstwelten-Projektes waren Anfang November erneut Mitglieder der Berliner Akademie der Künste an der Astrid-Lindgren-Grundschule, um mit 16 Viertklässlern einen Kurzfilm zu drehen.

Die beiden jungen Regisseurinnen Aleksandra Odic und Nataša von Kopp übernahmen die Anleitung der Kinder, die auf spielerische Weise in das oft unterschätzte Metier des Schauspielers, aber auch des Kameramannes und Tontechnikers herangeführt werden sollten.

Szenendrehs an kalten Novembertagen

„Uns hat es viel Spaß gemacht“, blickte Nataša von Kopp auf das gemeinsame Projekt zurück. Zusammen mit den Mädchen und Jungen erarbeiteten sie zunächst die Geschichte, die auf Leinwand gebannt werden sollte. An einer Schule, die den Namen einer schwedischen Kinderbuchautorin trägt, waren die handelnden Personen rasch klar. Figuren aus Astrid- Lindgrens Werken sollten mitspielen.

Doch wie lässt man Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und auch Karlsson vom Dach geschickt aufeinandertreffen? Indem man sie nach Pippis Pferd Kleiner Onkel und ihrem Äffchen Herrn Nilsson suchen lässt, die verschwunden sind.

An drei Vormittagen wurden die einzelnen Szenen gedreht – in der Schule selbst, aber beispielsweise auch im Zerbster Schloßgarten bei wahrlich kaltem und trübem Wetter. So manche Einstellung musste unter diesen Bedingungen mehrfach wiederholt werden, bis sie perfekt im Kasten war. Das erforderte Ausdauer und Geduld. Für Trickaufnahmen agierten die Nachwuchsdarsteller außerdem vor einer grünen Wand. Denn schließlich sollte in einer Rakete die Reise zum Mond gehen.

Projekt im Rahmen der "Kunstwelten“ Pr

Um den Schnitt und die musikalische Vertonung der einzelnen Sequenzen kümmerten sich Aleksandra Odic und Nataša von Kopp. Die Regisseurinnen sichteten das gesamte Material und fügten die aufgenommenen Szenen am Ende zu einem gut siebenminütigen Film zusammen.

Das Resultat rief ganz unterschiedliche Reaktionen unter den Viertklässlern hervor. Für die Protagonisten war es ein merkwürdiges Gefühl, sich plötzlich so groß auf der Leinwand zu sehen. Die Nebenrollen hingegen tauchten nur selten auf, was für Verwunderung sorgte. Enttäuschung rief hingegen die Tatsache hervor, dass sich nicht alle Szenen im fertigen Film wiederfanden und jener nicht länger war.

Neben dieser ernüchternden Erfahrung, die die Mädchen und Jungen sammelten, breitete sich unter ihnen allerdings auch Stolz aus. Wie viele Gleichaltrige können schon sagen, dass sie einen eigenen Film produziert haben? Einen unterhaltsamen Film, der den Zuschauer schmunzeln lässt und ein paar tolle Effekte beinhaltet bis hin zum überraschenden Auffinden von Herrn Nilsson und Kleiner Onkel.

DVD für jeden Schüler

Maßgeblich dazu beigetragen haben die jungen Darsteller, die sichtlich mit Begeisterung bei den Aufnahmen dabei gewesen sind. Und mit Diorg Linde ist zumindest einer unter ihnen, der ernsthaft erwägt, Schauspieler zu werden.

Wie sich das anfühlt und welcher Aufwand mit dem Dreh eines Films verbunden ist, bei dem letztlich Regisseur und Produzent entscheiden, was herausgeschnitten wird und was nicht, das haben die Viertklässler während des Projektes gelernt. Eine DVD mit der „Reise zum Mond“, die jeder erhielt, wird sie fortan an dieses einzigartige Erlebnis erinnern.

Innerhalb der „Kunstwelten 2018“ fanden übrigens auch in anderen Einrichtungen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld vielfältige Projekte mit Schülern statt und zwar bereits zum 12. Mal. Auch in Zerbst gab es noch eine weitere Werkstattwoche. Unter dem Titel „Taglichtöffnungen“ ließen Neuntklässler der Ganztagsschule Ciervisti unter Anleitung von Performancekünstlerin Ellen Kobe und dem Philosophen David Mews die 1920er Jahre in der Essenzen-Fabrik szenisch lebendig werden.