Radwegekonzept für Anhalt-Bitterfeld

Landkreis bereitet Radwegeplanung vor: Bürger können sich mit Ideen und Hinweisen einbringen

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld arbeitet an einem Radwegekonzept. Noch bis Ende kommender Woche können sich auch Zerbster an der Planung beteiligen und Hinweise geben.

Von Thomas Höfs
Radfahren auf den Landstraßen ist für Radler oftmals unangenehm. Radwege neben der Straße fehlen aber vielfach.
Radfahren auf den Landstraßen ist für Radler oftmals unangenehm. Radwege neben der Straße fehlen aber vielfach. Foto: Thomas Höfs

Zerbst - Der Bau von Radwegen ist in den vergangenen Jahrzehnten in Sachsen-Anhalt wenig konsequent betrieben worden. Straßenbegleitende Wege, auf denen die Radfahrer vom Autoverkehr getrennt unterwegs sein können, sind die Ausnahme und nicht die Regel. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat inzwischen erkannt, dass es hier Nachholebedarf gibt, teilt Kreissprecherin Marina Jank mit. Auf Nachfrage, wie weit der Landkreis mit der Planung von Radwegen an Kreisstraßen ist, antwortet sie: „Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld erarbeitet derzeit gemeinsam mit der ISUP GmbH aus Dresden ein kreiseigenes Radverkehrskonzept. Dies entsteht in enger Beteiligung mit den kreisangehörigen Kommunen. Im Zuge dessen erfolgte bisher eine umfangreiche Kommunal- und Schulbefragung. Aktuell befindet sich der Alltagsnetzentwurf in der ersten Abstimmung.“

Die Bürger können sich selbst an der Planung beteiligen, heißt es weiter. Bis zum 18. Juni nimmt Angela Barth in der Kreisverwaltung Hinweise zu dem Entwurf entgegen. Interessierte Bürger können über ihre Mailadresse angela.barth@anhalt-bitterfeld.de mit ihr in Kontakt treten. Öffentlich soll das Projekt am 1. Juli ab 16 Uhr digital vorgestellt werden, heißt es weiter.

Fehlende Radwege immer wieder Thema in Zerbst

Fehlende Radwege sind seit Jahren immer wieder ein Thema unter anderem in der Einheitsgemeinde Zerbst. Vor allem der Stadtrat und Ortsbürgermeister Mario Rudolf setzt sich hier seit längerer Zeit für den Bau von Radwegen ein. Das liegt einerseits daran, dass der Kommunalpolitiker in seiner Freizeit selbst sehr gern auf dem Rad fährt. Auf der anderen Seite sieht er aber auch jede Menge Potenzial, dass die Menschen in den Orten das Rad künftig öfter benutzen könnten, wenn es mehr sichere Radwege geben würde.

Vor allem die Corona-Pandemie hat das Radfahren unheimlich befördert und attraktiv gemacht. Im vergangenen Jahr stiegen sehr viele Menschen erstmals auf das Fahrrad, um Urlaub auf zwei Rädern zu erleben.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Entwicklung von längerer Dauer ist. Doch die technische Entwicklung spricht dafür, dass künftig noch mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Vor allem die Entwicklung von E-Bikes macht es möglich, auch ohne sehr großen Kraftaufwand und Kondition längere Strecken mit dem Rad zu absolvieren. Ein begeisterter E-Biker ist hier der Lindauer Ortsbürgermeister Helmut Seidler. Auch er sieht die Zukunft im Radwegebau, um den lokalen und auch überregionalen Tourismus zu fördern. Ein großes Projekt, von dem viele kleine Orte profitiert hätten, wäre die Umwandlung der Kanonenbahn zu einem überregionalen Radweg gewesen. Die Idee fanden viele Ortsbürgermeister angenehm. Doch die Umsetzung wird nicht mehr erfolgen, hieß es zuletzt. Einzelne Teilstücke seien bereits weiter verkauft worden und im Nachbarland Brandenburg sei die Privatisierung der alten Bahntrasse gestoppt worden.

Zerbst arbeitet an Radwegekonzept

Neben dem Landkreis arbeitet die Stadt Zerbst an einem Radwegekonzept im Rahmen eine Leader-Projektes. Hier stehen vor allem die gut ausgebauten ländlichen Wege im Fokus. Mit einer entsprechenden Beschilderung und Kartierung könnten sie von vielen Menschen genutzt werden und abseits der Straßen die Orte miteinander verbinden.

Dass das Thema Radwege auch den Kommunen am Herzen liegt, zeigt die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Fahrradfreundlichen Kommunen Ende 2019. Mit der Geschäftsstelle in Aken ist das Zentrum der Arbeitsgemeinschaft nur einen Steinwurf von Zerbst entfernt.

Auch das Land sieht inzwischen einen größeren Bedarf beim Bau von Radwegen. Der wurde zwar auch in der Vergangenheit bereits über verschiedene Programme gefördert. Die Beantragung und Berechnung, sagte kürzlich Bauminister Thomas Webel, sei für viele Kommunen aber so kompliziert gewesen, dass kaum Mittel daraus beantragt wurden. Neben den Kommunen arbeitet auch das Land an einem Konzept für den weiteren Ausbau des Radwegenetzes. Hier stehen vor allem die Bundes- und Landesstraßen im Fokus, die an vielen Stellen noch keinen begleitenden Radweg besitzen. Anders sieht es dagegen im Nachbarland Brandenburg aus, wohin nicht wenige Bewohner der angrenzenden Zerbster Orte schwärmen. In Brandenburg gibt es jede Menge Radwege, die auch gut genutzt werden.