Bauernverband "Anhalt" veranstaltet alljährliche Feldrundfahrt

Landwirte sehnen den Regen herbei

Von Daniela Apel

Die Bestände sehen noch gut aus, aber es braucht dringend Regen. Das ist das Fazit der Feldrundfahrt durch das Zerbster Umland, die der Bauernverband "Anhalt" jetzt durchführte. Landwirte aus dem gesamten Landkreis Anhalt-Bitterfeld folgten der Einladung.

Garitz l 34 Personen - Landwirte sowie Vertreter von Banken, Ämtern und Behörden - nehmen am Dienstagvormittag an der Feldrundfahrt teil. Und damit weniger als erwartet, wie Heinz Vierenklee anmerkt. Er ist Geschäftsführer des Bauernverbandes "Anhalt", der die Tour organisiert, die alljährlich durch einen anderen Bereich des Landkreises Anhalt-Bitterfeld mit seinen ganz unterschiedlichen Anbaubedingungen führt. Diesmal gilt das Augenmerk den Äckern im Zerbster Umland.

Ziel- und Ausgangspunkt für die Busrundreise ist Garitz. Von hier aus geht es vorbei am Impfstoffwerk in Tornau, das auch Tierimpfstoffe herstellt, weiter nach Steutz und Steckby. Über Leps, Zerbst und Hohenlepte nähert sich die Gruppe Walternienburg, wo ein kurzer Halt eingelegt wird. Bereits seit Längerem kämpfen Landwirte dort mit der zunehmenden Vernässung ihrer Flächen, die teilweise nicht mehr bewirtschaftet werden können. Die Ursache sehen sie in der mangelhaften Unterhaltung der Nuthe, für die der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) zuständig ist. Vor Ort überzeugen sich die Teilnehmer von diesem Problem, bevor sie die Route über Flötz und Gödnitz ins Jerichower Land bringt. Da der Bauernverband dort ebenfalls Mitglieder hat, folgt ein Abstecher nach Prödel, Leitzkau und Loburg. Über Lindau, Polenzko und Ragösen geht es schließlich zurück.

Erste Schäden an Raps und Getreide werden sichtbar

Die gut 120 Kilometer lange Tour entlang der Felder zeigt es: Der bislang viel zu trockene und warme Frühling hat erste Schäden an Raps und Getreide hinterlassen. "Es wird höchste Zeit, dass es regnet", spricht Heinz Vierenklee den Landwirten aus der Seele. Sie sehnen sich nach ergiebigen Niederschlägen. Denn noch sehen die einzelnen Bestände nicht schlecht aus. "Wenn es aber wie jetzt bei 30 Grad Hitze und trocken bleibt, sehe ich Probleme vor allem im Zerbster Bereich mit seinen sandigen Böden." Noch profitiert die Region im Gegensatz zur Bitterfelder und Köthener Gegend von den höheren Grundwasserständen.

Dieser Erfahrungsaustausch prägt die gut Informationstour, auf der einzelne Landwirte zu Wort kommen. Jeder, an dessen Feldern die Fahrt vorübergeht, erzählt etwas zur angebauten Fruchtart, der Bearbeitung und Düngung. Rasch wird da im Bus untereinander gefachsimpelt und über die aktuellen Probleme diskutiert.

"An Weizen und Roggen tritt jetzt verstärkt der Braunrost auf", weist Michael Faßhauer auf eine notwendige Behandlung der Kulturen hin. Wer hier noch nichts getan hat, sollte jetzt aktiv werden, um eine Ausbreitung des Braunrostes zu verhindern, rät er. Bislang unbedeutend ist indes der Befall mit Blattläusen - zumindest im Getreide besteht derzeit kein Handlungsbedarf.

Anders schaut es da schon bei den Zuckerrüben aus. "Das sollte sich jeder ansehen. Teils ist der Blattlausbefall so doll, dass eine Behandlung angeraten wäre", erklärt der im Sachgebiet Pflanzenschutz tätige Mitarbeiter des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Anhalt. Darüber hinaus spricht Faßhauer das Problem der Feldmäuse an, das insbesondere im Raps auftritt. Ansonsten betont auch er, dass es dringend reichlich Regen braucht.

Einzig für die laufende Spargelernte ist das Wetter momentan ideal, bestätigt Mario Gaube, der Vorstandsvorsitzende der an diesem Tag gastgebenden Agrargenossenschaft Bornum. Auf 5,5 Hektar gedeiht das Edelgemüse hier. Darüber hinaus baut das Unternehmen Roggen, Wintergerste, Silo-Mais, Triticale, Sonnenblumen und Winterraps an. Nicht zu vergessen sind die 600 Hektar Grünland, die gerade siliert worden sind - Futter für die 600 Rinder und deren Nachzucht, wie Gaube erläutert.

Ernteprognose ist momentan noch nicht möglich

Eine Prognose, wie die Ernte in diesem Jahr ausfällt, mag Vierenklee jetzt noch nicht abgeben. Das wäre Kaffeesatzleserei, meint er. "Wir sind optimistisch als Landwirte", bemerkt er lächelnd. "Die Bestände sehen besser aus als letztes Jahr um die Zeit", äußert sich Mario Gaube ebenfalls zuversichtlich. "Was wir brauchen, wäre mal eine durchschnittliche Ernte. Die Preise sind derzeit nicht so schlecht am Markt", denkt Vierenklee an das durchwachsene Ergebnis 2011 zurück. So gab es im vergangenen Jahr hohe Ertragsausfälle bei Raps und Getreide ganz im Gegensatz zu Mais und Rüben.