Lindau l Die vergangenen beiden Jahre haben deutliche Spuren in den Futtermittelreserven der Tierhalter hinterlassen. Die anhaltende Trockenheit sorgte dafür, dass die Futterreserven aufgebraucht sind. Die Tierwirte leben von der Hand in den Mund. Um ihre Ziegen zu ernähren, hat sich Bärbel Warnke, die einen Ziegenhof bei Lindau betreibt, mit einem einfachen Trick beholfen. Sie streckt das Heu aus dem vergangenen Jahr mit Stroh. Bei Ziegen, die im Prinzip alles fressen, sei das möglich. Doch auch bei ihr ist das Ende der Futterreserven in Sicht, sagt sie. In spätestens vier Wochen will sie ihre Ziegen auf der Wiese haben. Die Tiere sollen dann direkt dort das Gras fressen. Die aktuelle Wetterlage gibt der langjährigen Halterin aber wenig Grund zur Freude. Das Wasser fehlt schon wieder. Die Felder sehen zwar grün aus, sagt sie. Aber der Wassermangel ist beim Raps schon wieder zu sehen. Gerade jetzt, wenn die Pflanzen wachsen, weil es wärmer wird und die Sonnenscheindauer jeden Tag steigt, ist Wasser wichtig. „Nur viel Regen ist in den kommenden Tagen nicht angesagt“, bedauert sie.

Im vergangenen Jahr konnte sie einen Schnitt beim Heu machen, erinnert sie sich noch. „Normal sind zwei Schnitte“, erklärt sie. Um die fehlenden Futtermengen auszugleichen, sei sie schon mal in den Straßengräben unterwegs gewesen und habe noch das Grünzeug geschnitten. „Die Ziegen sind zum Glück keine Kostverächter, sondern fressen eigentlich alles“, schildert sie. Dennoch müsse das Futter noch eine gewisse Kraft haben, damit die Tiere die begehrte Milch geben können.

Um den Engpass beim Futter etwas zu entspannen, hat sie längst den Tierbestand reduziert. Aktuell hält sie noch 30 Ziegen, erzählt sie. Die Milch für die Produktion kaufe sie nun von anderen Ziegenhaltern zu. Das sei effektiver, als sich ständig mit der Futterfrage zu beschäftigen. Denn die Preise für Futtermittel sind in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt sie. „Die Nachfrage war im vergangenen Jahr deutlich gewachsen, als die Maisernte unter den Erwartungen geblieben war. Vor allem die Milchviehbetriebe mussten sich um Futter kümmern, um die Tiere satt zu bekommen. Für die Landwirtschaft war das keine einfache Aufgabe“, erklärt sie. Das sei sie froh, dass sie nur eine überschaubare Zahl von Tieren über den Winter bringen musste. Dennoch sei die Futterversorgung angespannt.

Im vergangenen Jahr griffen einige Landwirte zu ungewöhnlichen Methoden, um die Futterversorgung zu sichern. Sie mähten den noch grünen Roggen von den Feldern, um das grüne Getreide an die Tiere zu verfüttern.

Geschmack der Milch variiert im Jahr

„Es wäre schön, wenn wir mal wieder ein normales Jahr bekommen könnten“, wünscht sie sich. Doch dazu müsste es gerade jetzt mehr regnen. „Vielleicht bekommen wir zu Ostern noch einige Tropfen. Aber der Wind bläst ja gleich wieder alles aus dem Boden“, macht sie sich für die kommenden Tage kaum Hoffnung.

Dabei hat die Futterversorgung auch Auswirkungen auf die Milch der Tiere. Je nach Jahreszeit, wissen die erfahrenen Ziegenhalter, ändert sich der Geschmack der Milch. Je nachdem, was die Tiere fressen, kann die Milch und später der Käse im Aroma variieren. Erfahrene Konsumenten können nach einiger Zeit sogar beim Käse herausschmecken, in welcher Jahreszeit die Milch gemolken wurde. Das Aroma wird intensiver und reichhaltiger, wenn die Ziegen besonders viele Kräuter gefunden haben. Vor allem in der Freilandhaltung auf der Wiese finden die Tiere einen reich gedeckten Tisch im Frühling.

Wie andere Milchviehhalter hofft Bärbel Warnke auf viel Heu im Sommer. Denn die Reserven müssen wieder aufgefüllt werden, sagt sie. Dann könne sie sich voll auf die Verarbeitung der Milch konzentrieren und müsse nicht immer zu über das Futter für die Tiere nachdenken. Nach zwei trockenen Jahren wünsche sie sich dies. Allerdings wisse sie auch, dass andere Tierhalter die gleichen Sorgen beschäftigen. Das sei zwar kein Trost. Den Ziegen selbst ist das egal. Sie haben täglich Hunger und warten schon auf das Futter. Die Natur hat sie so ausgestattet, dass sie wenig Ansprüche an die Nahrung stellen. Selbst Pflanzen, um die andere Tiere einen weiten Bogen machen, können die Ziegen noch verwerten. Deshalb besiedeln sie auch in der Natur Lebensräume, die mit extremen Witterungsbedingungen zu kämpfen haben. Außerdem gelten sie als sehr neugierig. Immer wenn Bärbel Warnke ihren Besuchern den Stall zeigt, laufen die Ziegen neugierig auf die Besucher zu. Dabei erwarten sie, dass für sie etwas abfällt und die Gäste Futter dabei haben.