Restaurierung

Mit Skalpell, Pinsel und Lösungsmittel an die Arbeit: Die Sanierung der Kermener Kirche steht bald bevor

Die Sanierung der Kermener Kirche wirft ihre Schatten voraus. Fachfrauen schauten sich schon einmal den Zustand von Altar, Loge und Empore an.

Von Petra Wiese
Die Restauratorinnen Heike Glaß (l.) und Anna-Sophia Prestel nehmen den Kanzelaltar unter die Lupe.
Die Restauratorinnen Heike Glaß (l.) und Anna-Sophia Prestel nehmen den Kanzelaltar unter die Lupe. Foto: Petra Wiese

Kermen - Die Kermener Kirche soll saniert werden. Zum Auftakt wurden jetzt der Altar, Loge und Empore unter die Lupe genommen. Dazu waren die Diplomrestauratorin Heike Glaß aus Erfurt und ihre Kollegin Anna-Sophia Prestel aus Dresden drei Tage vor Ort, um den Zustand der Objekte zu untersuchen. „Wir schauen, wieviel Original noch vorhanden ist“, erklärt es Heike Glaß. 

Geduld und Ausdauer sind erforderlich

Von oben bis unten wird der „Patient“ dabei betrachtet. Alle relevanten Stellen werden gründlich angeschaut. „Dann gibt es spezielle Felder, wo wir in die Tiefe gehen“, so die Expertinnen. Aus fachlicher Erfahrung heraus wissen die beiden Frauen genau, wo sie ansetzen müssen. Mehr als 30 Jahre arbeitet Heike Glaß schon in dem Beruf. Auch Anna-Sophia Prestel konnte schon einige Erfahrungen vor, beim und nach dem Studium, das sie 2017 abgeschlossen hat, sammeln. Geduld und Ausdauer sind erforderlich. Filigranarbeit am Objekt ist gefragt. Mit Skalpell, Pinsel und Lösungsmittel geht es an die Arbeit. 

„Ein ausgesprochen hübsches Stück“ ist der barocke Kanzelaltar in Kermen, bestätigt Heike Glaß. Der müsse mal ganz toll ausgesehen haben. Er war einst golden gefasst, dazu die Marmorierungen in Blau. Auch künstlerisch hochwertig gearbeitet wurde hier. Die Figuren sind sehr ausdrucksstark. Schade, dass die Feuchtigkeit soviel kaputtgemacht hat, findet die Restauratorin. 

Was verbirgt sich unter dem Schmutz? Was wurde übermalt? Zum Altar konnten die beiden Fachfrauen feststellen, dass dieser historisch kaum überarbeitet ist. Das sei sehr selten. Also: Das Original ist so gut wie erhalten, nur hat es gelitten im Laufe der Zeit. Die Feuchtigkeit hat den größten Schaden angerichtet. Aber auch der Holzwurm hat daran genagt. 

Schmuckstück soll wieder im alten Glanz erstrahlen

Im Ergebnis der Untersuchungen wird aufgezeigt, was man machen kann, um den Altar zu restaurieren. Wir prüfen Mittel und Methoden, so Heike Glaß. Ein Konzept für die Restaurierung wird erarbeitet mit Arbeitsschritten, Kostenschätzungen. „Wir machen einen Vorschlag“, so Glaß. Für „DS Architects“ aus Köthen, die das Revitalisierungskonzept für die Kermener Kirche erstellt haben, waren die Frauen schon öfter im Einsatz. Ob sie am Ende auch die Restaurierung des Altars übernehmen, ist eine andere Geschichte. Er könnte auf jeden Fall wieder in altem Glanz erstrahlen, der immer noch zu erahnen ist. 

Loge und Empore der Kirche, die derzeit noch in nüchternem Grau und in Hellbraun gehalten sind, könnten nach einer Restauration ganz anders aussehen. Hier hat sich bei den Untersuchungen gezeigt, dass diese völlig überarbeitet wurden. Unter der Farbschicht kommt nämlich ein Ornamentmuster zum Vorschein. Da muss man dann abwägen, welcher Zustand am Ende wieder hergestellt werden soll. 

Doch bevor es an die Restaurierung der Objekte geht, sind zunächst Maßnahmen zur Gebäudeentwässerung notwendig. Auch Dach- und Deckenkonstruktion unter dem Aspekt, dass der Turm wieder errichtet wird, stehen im ersten Sanierungsabschnitt auf der Liste. Die Ausschreibungen sind vorbereitet, ließ Pfarrer Albrecht Lindemann wissen, sobald es vom Statiker grünes Licht gibt, gehen die Ausschreibungen raus.

Kosten von mehr als eine halbe Million Euro

Die Gesamtkosten aller notwendigen Sanierungsmaßnahmen übersteigen eine halbe Millionen Euro. Schritt für Schritt soll die Umsetzung des Sanierungskonzeptes im Verlauf der nächsten Jahre erfolgen. Für wünschenswert und auch lohnend, die Kirche als Dokument der Kermener Ortsgeschichte wie auch als Monument regionaler Kultur- und Kunstgeschichte wieder aufzuwerten, hält es auch Denkmalpfleger Dr. Holger Brülls. Auch die Wiedererrichtung des Turmes wäre ein großer Gewinn für den Bau selbst wie für das Orts- und Landschaftsbild, findet er.

Die Kermener Kirche gehört zu den kleinsten Kirchen im Kirchenkreis und fristete lange ein Dornröschendasein. Der Feldsteinbau muss um 1200 entstanden sein. Nach schweren Kriegsschäden 1945 war die Kirche 1952 ohne Dachreiter wieder aufgebaut worden. Der wertvolle Kanzelaltar stammt aus dem Jahre 1711. Der Kanzelkorb wird flankiert von dem Heiligen Petrus und Paulus.

Einmal im Jahr an Peter und Paul wird in Kermen Gottesdienst gefeiert. Dieser wird auch in diesem Jahr wieder am 29. Juni um 14 Uhr stattfinden, kündigte Pfarrer Albrecht Lindemann an.