Zerbst l Während andere Kinder mit dem Fahrrad herumkurvten, schwang sich Axel Lambrecht bereits begeistert aufs Moped. Der Zerbster war gerade zehn oder elf, als er von seinem Vater seinen ersten Simson SR2 bekam. „Er hatte nur noch das, was man wirklich zum Fahren braucht. Er rollte, der Motor lief und das war’s dann auch“, erinnert sich der 47-Jährige. „Das Motto war wohl damals schon: ,Wer bremst, verliert‘“, sagt er und gesteht: „Ich hab’ im heimischen Garten zwischen den Porree-Reihen öfter verloren, soviel steht fest.“

Gefahren sei er damals alles, was auf dem Grundstück stand. „Mein Vater fand es meistens gut, meine Mutter nicht so, denn anders kann ich mir die Schlösser an den Fahrzeugen nicht erklären“, blickt er schmunzelnd zurück. Unterstützt hätten ihn seine Eltern aber immer.

1. Moped zur Jugendweihe

Das erste „richtige“ Moped erhielt Axel Lambrecht zur Jugendweihe. Für die billard-grüne Simson S51 verzichtete er gern freiwillig auf eine riesige Party. Mit dem Älterwerden stieg er immer eine Klasse rauf. Längst waren die motorisierten Zweiräder nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Mit 15 ging’s das erste Mal mit dem Moped zelten, mit 16 mit dem Motorrad hinauf zur Ostsee. „Heute irgendwie nicht mehr vorstellbar, aber damals das Normalste auf der Welt. Die war bekanntlich zu der Zeit nicht so groß, naja, wir hatten trotzdem unseren Spaß“, sagt der Familienvater.

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Immer mit dazu gehörte das Basteln an Getriebe, Vergaser, Elektronik oder Bremsanlage und das „mal erfolgreich, mal eher weniger“, verrät Axel Lambrecht. Das bekam er nicht zuletzt bei den zu DDR-Zeiten äußerst populären Grasbahnrennen zu spüren, an denen er früher teilnahm. Das in Luso war das Heimrennen, das im sächsischen Görlitz, das am weitesten entfernte. „Dann gab es noch ein paar, die im gleichen Stil veranstaltet wurden“, erzählt der 47-Jährige. Es seien offene Rennen gewesen für Jedermann mit Fahrzeugen, die fast jeder in der Garage hatte – „modifiziert oder besser nicht, original war meistens zuverlässiger“, weiß Axel Lambrecht.

400 Zuschauer bei Premiere dabei

Der Spaß und das Miteinander bei diesen „Rennen um die Ehre und den Erhalt der Freundschaft“, wie er sagt, bewogen ihn vor einigen Jahren, die beliebten Grasbahnrennen wieder aufleben zu lassen und zwar an der Nuthaschen Mühle. Das Grundstück dort gehört seinem Kumpel Holger Markmann, den er sofort mit seiner Idee ansteckte.

Bei der Premiere am 1. Mai 2013 gingen bereits 44 Fahrer an den Start, fast 400 Zuschauer verfolgten das gelungene Spektakel. 2015 kamen die Sandbahnrennen im Herbst dazu, die seither ebenfalls alljährlich stattfinden – vorausgesetzt, die Corona-Pandemie durchkreuzt die Pläne nicht wie schon beim ausgefallenen Grasbahnrennen kürzlich. Neben vielen spontanen Besuchern ziehen beide Termine stets eine feste Fangemeinde zum „Mühlenring“. „Mit Freunden und Familien wird hier kein Rennen veranstaltet, sondern ein Fest gefeiert. Es geht um nichts, man kann nichts gewinnen, außer man bringt es mit“, sagt Axel Lambrecht. Er selbst geht meist mit verschiedenen Oldtimern an den Start, an denen er inzwischen fast ausschließlich schraubt – vor allem an AWOs.

1991 erstes richtiges Motorrad geholt

Ausgetestet hat er zuvor viel. 1991 kaufte sich Axel Lambrecht sein „erstes richtiges Motorrad“, wie er sagt, eine Motocross-Maschine. „Ein Wahnsinnsgerät“, schwärmt er von der Yamaha YZ 250 mit 56PS. Weitere Modelle kamen und gingen, darunter welche, mit denen er schneller als 250 Kilometer pro Stunde fahren konnte, andere, mit denen er die Alpen durchquerte.

Geblieben sind die Anfänge – ein SR2, „den jeder ostdeutsche Junge in der Garage stehen haben sollte, genug gebaut wurden davon“, findet Axel Lambrecht. Aber auch die MZ ETZ 150 aus der Jugend fehlt nicht zwischen den Zwei- und auch Vierrädern, die sich so bei ihm angesammelt haben. „Das Herz schlägt nicht für eine bestimmte Marke. Sicher hat man den einen oder anderen Traum, aber die heben wir uns für später auf“, sagt er.

Wunschtraum führt nach USA

Nach wie vor nimmt der als Maschineneinrichter arbeitende Zerbster mit seinen Oldtimern an Rennen teil und das nicht nur in Nutha. Ein Wunschtraum von ihm wäre, mal mit einer schnellen AWO auf dem Salzsee von Bonneville im Westen der USA an den Start zu gehen, wo Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt werden. „Ich glaube, so ein Motorrad hat da noch keiner gesehen“, sagt Axel Lambrecht und fügt lächelnd hinzu: „Bis dahin schrauben wir im heimischen Schuppen und träumen abends mit einer Flasche Bier davon.“