Zerbst l (Wasser-)Mühlen in und um Zerbst waren seit dem Mittelalter fester Bestandteil des wirtschaftlichen Alltags in der Stadt und vor allem eine bedeutende Einnahmequelle. Nicht zu vergessen ist ihre Bedeutung für die Versorgung der Bürger innerhalb der Stadtmauern enorm wichtig gewesen.

Die Frauenmühle ist die letzte erhaltene von ehemals sechs Mühlen in Zerbst. 1000 Kilogramm Getreide sind innerhalb von 24 Stunden in der Frauenmühle von einem Müller und einem Gesellen verarbeitet worden. „Damit ist die Frauenmühle eine vergleichbar kleine Mühle“, erklärt Anne Handrich, die gemeinsam mit ihrem Mann 1997 die Mühle gekauft hat. „Zum Vergleich: Die Mühle in Alsleben verarbeitet in 24 Stunden neun Tonnen Getreide zu Mehl“, so die Mühlenbesitzerin. Der letzte Müller, der die Frauenmühle betrieben hat, war Paul Fäder. Danach verfiel das Gebäude. Erstmals erwähnt wurde die Frauenmühle 1299 in einem Kaufvertrag.

Frauenmühle 1299 erstmals erwähnt

Familie Handrich sanierte die denkmalgeschützte Wassermühle. Teilweise demontierte Maschinen wurden wieder zusammengebaut, wobei ihnen Müllermeister Günther Zacharias mit fachlichem Rat zur Seite stand. 1999 konnte die Zerbster Mühle schließlich der Bevölkerung als Museum zugänglich gemacht werden.

Bilder

Einen Teil des denkmalgeschützten Gebäudes bewohnt das Ehepaar, der andere Teil beinhaltet ein Museum rund ums Müllerhandwerk. Die Familie Handrich führt das Museum seit 1999 in ihrem Haus. „In corona-freien Zeiten bieten wir Führungen zum Tag des offenen Denkmals und zum Deutschen Mühlentag für die Öffentlichkeit an. In diesem Jahr werden wir dies nur auf persönliche Einladung tun, um die Anzahl der Personen beherrschbar zu halten“, teilt Anne Handrich der Volksstimme mit.

Museumsteil neu gestaltet

Dabei hatte sich in den letzten 12 Monaten sehr viel in der Mühle getan, was die Öffentlichkeit nun leider nicht bestaunen kann. Im zweiten Halbjahr 2019 hatte das Mühlenmuseum 20 Jahre Jubiläum gefeiert. Davor waren umfangreiche Sanierungsarbeiten am Nordgiebel des Hauses realisiert worden. So wurde das Fachwerk in diesem Bereich einschließlich der Fenster grundlegend bearbeitet, teilte Anne Handrich mit. Zusätzlich erfolgte eine Visualisierung des ehemaligen Mühlenrades an der Außenfassade neben der Nuthe. Sichtbar sei doch auch eine alte Wasserturbine. Innen wurden die beiden Etagen Sichter- und Trichterboden abschließend denkmalgerecht saniert, so Handrich.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden dann auch wieder Arbeiten im Erdgeschoss „Antriebsetage“ und dem ersten Obergeschoss „Mahletage“ ausgeführt. Nach 23 Jahren sind also die baulichen Instandsetzungen innerhalb des Mühlenteils abgeschlossen. Auch der Museumsteil wurde komplett neu gestaltet. Anne Handrich dazu: „Thematisch werden Besucher sowohl mit der Mühlentechnik, als auch mit der Geschichte des Müllerhandwerks vertraut gemacht. Historische und aktuelle Beiträge sind in Wort und Bild dargestellt. Kunst- und Kulturhistorisch wird auf deutsches Liedgut, Dichtung und deutsche Märchen in Verbindung mit Mühlen eingegangen.“

Rundgang durch Mühlenmuseum

Im Erdgeschoss geht es um Getreidearten, die Geschichte der Mühlen im Kreis Zerbst. Außerdem gibt es dort Fachliteratur zum Müllerhandwer. In der Mahletage finden sich historische Urkunden, Bilder der letzten Müllerfamilie Fäder. Mühlsteine und Werkzeuge zur Bearbeitung der Mühlsteine, Mühlenarten, die Sodermühle, der Walzenstuhl und noch mehr gibt es auf der Etage zu entdecken. Im Trichterboden informiert die Familie Handrich zu Volumen, Maße und Gewichte, den Müllerlohn, Getreidearten, historische Ansichten der Mühle, die Geschichte der Klöster der Stadt Zerbst, die Schälmaschine, den Trieur, den Fahrstuhl, den Aspirationsschrank, den Mehlmischkasten, die Sackbank, historische Baustoffe aus der Mühle. Im Sichterboden steht das Sieben und Sortieren im Vordergrund. Die Etage befasst sich mit dem Bürsten, dem Zunftzeichen, der Ausbildung zum Müller, dem Antrieb und der Bremse des Fahrstuhles und den Haushaltsgegenständen.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem Grundschüler, die die Mühle besuchten, um sich über den Weg des Getreides zum Brot informierten. Aber auch Schüler der 6. und 8. Klassen kamen und lernten etwas zu Antriebsarten und Arbeitsmaschinen. Hilfreich zur Seite stand dem Ehepaar der Müllermeister Günter Zacharias, dessen diamantener Meisterbrief in der Ausstellung zu sehen ist. Das Ehepaar Handrich hofft für die Zeit nach der Corona, Besucher durch das neu gestaltete, deutlich aufgewertete Museum zu führen.