Cyberangriff

Nach Hackerangriff auf die Kreisverwaltung von Anhalt-Bitterfeld ruft Landrat den Katastrophenfall aus

Nach einem Hacker-Angriff ist die Kreisverwaltung von Anhalt-Bitterfeld seit 6. Juli arbeitsunfähig. Landrat Uwe Schulze (CDU) hat nun den Katastrophenfall ausgerufen.

Von Daniela Apel
Landkreis Anhalt-Bitterfeld Hauptsitz Köthen
Landkreis Anhalt-Bitterfeld Hauptsitz Köthen Foto: Thomas Kirchner

Köthen/Zerbst - Nach einem Hacker-Angriff ist die Kreisverwaltung von Anhalt-Bitterfeld seit Dienstag komplett arbeitsunfähig. Noch-Landrat Uwe Schulze (CDU) hat gestern (11. Juli) um 11 Uhr die Reißleine gezogen und den Katastrophenfall ausgerufen. Grund für die Entscheidung war, dass derzeit keinerlei Dienstleistungen angeboten und keine Bürgeranliegen bearbeitet werden können. Zudem ist nicht absehbar, welche weiteren Folgen die Cyberattacke hat.

Virus über Sicherheitslücke eingeschleust

Vermutlich über eine Sicherheitslücke im Druckersystem von Microsoft wurde der Computervirus eingeschleust, der die auf den Rechnern befindlichen Dateien verschlüsselt. Nach Volksstimme-Informationen soll es mittlerweile auch eine Lösegeldforderung geben. Über die Summe, die die Hacker fordern, ist nichts bekannt. Kreissprecher Udo Pawelczyk äußerte sich nicht direkt dazu. „Das ist Gegenstand polizeilicher Ermittlungen“, meinte er auf Nachfrage.

Im Landkreis konzentriert man sich unterdessen auf drei Tätigkeitsschwerpunkte. Ganz oben steht neben der Identifizierung der Quelle, aus welcher der Hacker-Angriff kam, die Bekämpfung des Trojaners. Hier erhält der Kreis Hilfe und Unterstützung von Experten des sofort informierten Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Darüber hinaus schickt das Land Spezialisten, die jetzt übers Wochenende der Virus analysieren sollen, um die IT-Struktur wieder aufbauen zu können.

Ein weiteres, parallel verfolgtes Ziel ist, schnellstmöglich wieder „nach festgelegter Priorität“, wie es Pawelczyk formulierte, Dienstleistungen anbieten zu können. Momentan können aufgrund des Totalausfalls des Computernetzwerkes keinerlei Bürgeranliegen bearbeitet werden. Das betrifft unter anderem die Leistungen für Sozialhilfeempfänger, die weder berechnet noch angewiesen werden können. Auch für die Bezügerechnung der Verwaltungsangestellten hat die Cyber-Attacke Folgen.

Bereits jetzt sei abzusehen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der kommenden Woche die Kreisverwaltung außer Betrieb bleibt. „Die Benennung weiterer Zeithorizonte ist aus gegenwärtigem Erkenntnisstand nicht seriös möglich“, erklärte Pawelczyk. Er äußerte die Hoffnung, dass die Experten bis Montag vielleicht schon Näheres herausgefunden haben.

Fakt ist, dass die Verwaltung an all ihren Standorten in Köthen, Bitterfeld und Zerbst auch die ganze kommende Woche außer Betrieb bleibt. Dann übernimmt der neu gewählte Landrat Andy Grabner (CDU) die Amtsgeschäfte. Er ist bereits jetzt in alle Maßnahmen und Entscheidungen eingebunden.