Zerbst l Offiziell zählt die Stadt Zerbst nach wie vor 25 Ortsfeuerwehren. Tatsächlich sind es nur noch 24. Seit Ende 2017 ist das Biaser Gerätehaus verwaist. Die Zahl der Einsatzkräfte war damals auf Zwei geschrumpft. Die beiden verbliebenen Kameraden schlossen sich den Steutzern an. Wichtig war zu klären, ob der Brandschutz dennoch abgesichert werden kann. Das Ergebnis: Die Ortsfeuerwehren Steutz, Zerbst und Jütrichau können innerhalb der vorgeschriebenen Ausrückezeit von zwölf Minuten in Bias sein.

Unlösbare Probleme

Das lässt sich nicht für alle Orte innerhalb der Einheitsgemeinde Zerbst sagen, wie Thomas Sanftenberg im Stadtrat darlegte. Dort stellte der zuständige Sachgebietsleiter die zweite Fortschreibung der Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung vor. Aus seinen mit vielen Daten angereicherten Ausführungen ging hervor, dass es an verschiedenen Stellen hapert. Zu den wohl unlösbaren Problemen gehört, dass die kleine Siedlung Golmenglin nicht innerhalb der Hilfsfrist zu erreichen ist. „Das ist einfach zu weit weg“, konstatierte Sanftenberg.

Defizite existieren auch hinsichtlich der flächendeckenden Löschwasserversorgung. „Das ist ein ganz wichtiges Thema“, betonte der Sachgebietsleiter. Ein Thema, dem sich die Stadt seit Längerem stellt. Nachdem 2018 in Güterglück, Walternienburg und Steckby Löschwasserteiche errichtet wurden, soll Gödnitz dieses Jahr folgen. 2020 sind drei Tiefbrunnen in Nedlitz vorgesehen. Weitere Maßnahmen sind angedacht, um überall zu gewährleisten, dass die Kameraden im Ernstfall an Löschwasser herankommen.

Rückgang an aktiven Einsatzkräften

Darauf zielt ebenfalls die Fahrzeugkonzeption ab. So ist für 2020 die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges für die Ortsfeuerwehr Reuden/Anhalt geplant. Dieses TLF 3000 (Staffel) verfügt über einen mehrere Tausend Liter fassenden Löschwassertank. „Das ist zwingend notwendig“, wies Sanftenberg auf das waldreiche Einsatzgebiet der Kameraden hin.

Unterdessen soll die Ortsfeuerwehr Jütrichau 2021 ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug erhalten, wie der Sachgebietsleiter mit Blick auf die Bundesstraße 184 und die Eisenbahnlinie erklärte, die im Ausrückebereich liegen. Zudem werde die Ortswehr immer wieder zu Einsätzen im Gebiet von Dessau-Roßlau gerufen. Mit den Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehr der Doppelstadt ist eine überörtliche Zusammenarbeit vorgesehen – genauso wie beispielsweise zwischen den Ortsfeuerwehren Deetz, Nedlitz und Lindau mit der Feuerwehr Möckern. „Hier wollen wir Kontakt aufnehmen und klären, wie wir uns grenznah helfen können“, erläuterte Sanftenberg.

Karteileichen

Kooperation ist das Stichwort, wenn es um das Auffangen einer wesentlichen Entwicklung geht: der Abnahme der Einsatzkräfte. 2012 listete die Statistik der Einheitsgemeinde Zerbst noch 580 aktive Kameraden auf, Ende 2018 waren es 475. Als „gravierend“ bezeichnete der Sachgebietsleiter diesen Rückgang, der neben dem altersbedingten Ausscheiden von Kameraden und Austritten auf dem Beseitigen von Karteileichen beruht.

Für weitere Ernüchterung sorgt, dass tagsüber nur auf etwa ein Viertel der Einsatzkräfte zurückgegriffen werden kann. Damit reduziert sich die schon geringe Zahl an Maschinisten und Atemschutzgeräteträgern noch mehr. In sieben Ortsfeuerwehren stehen zwischen 6 und 18 Uhr weniger als vier Kameraden zur Verfügung, in sechs Wehren gibt es in dem Zeitraum keine Führungskraft. „Das ist bedenklich“, formulierte es Sanftenberg.

Zusammenschlüsse geplant

Um ausreichend Kräfte am Einsatzort zu haben, werden deshalb längst mehrere Ortswehren gleichzeitig alarmiert. Trotzdem war nur bei rund 60 Prozent aller zwischen 2015 und 2017 erfolgten 590 Alarmierungen eine Einsatzgruppe – das sind neun Kameraden – innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort. „80 bis 85 Prozent wären schön“, bemerkte Sanftenberg.

Anträge gestellt

Um die Situation zu verbessern, soll die bislang in den Ausbildungsverbunden praktizierte Kooperation in Einzelfällen in konkrete Fusionen münden. Bereits genehmigt ist der seit mehreren Jahren geplante Zusammenschluss der Ortsfeuerwehren Zernitz und Buhlendorf, der nun endlich vollzogen werden soll. Darüber hinaus ist geplant, dass die Ortsfeuerwehren Gehrden und Moritz mit Güterglück zusammengehen, Steckby und Leps mit Steutz, Mühlsdorf mit Garitz-Bornum und Polenzko mit Dobritz. Sobald die Risikoanalyse, die derzeit die Ortschaftsräte durchläuft, vom Stadtrat verabschiedet wurde, sollen die entsprechenden Anträge beim Innenministerium gestellt werden. Auch die Schließung der Ortsfeuerwehr Bias wird dann beantragt.