Lietzo l Uta Segelcke hat ein Herz für Rauchschwalben. Sie ist glücklich, wenn die orts-treuen Zugvögel im Frühjahr zu ihnen nach Lietzo zurückkehren. Nach und nach finden sich die Tiere dann auf Grundstück der Familie ein und beginnen mit dem Nestbau. 14 bis 15 Paare seien es. „Sie brüten mindestens zweimal, manche auch dreimal“, sagt Uta Segelcke. Jeweils drei bis fünf Junge würden sie aufziehen. Gern beobachtet sie die grazilen Flugkünstler und lauscht ihrem Zwitschern. „Außerdem hat man wenig Mücken im Garten“, bemerkt sie lächelnd.

Momentan allerdings sorgt sich die Lietzoerin um ihre gefiederten Freunde. Denn die noch vorhandene Freileitung vor ihrem Haus, auf dem Schwalbe an Schwalbe sitzt, soll in naher Zukunft verschwinden. „Vielleicht könnte man wenigstens zwei Strommasten samt Leitung stehen lassen“, überlegte Uta Segelcke. „Das ist doch eigentlich ein schöner Anblick und dorftypisch“, sagt sie und schaut zu den zierlichen Vögeln hinauf.

Sicherheit geht vor

Von hoch oben können diese die Arbeiten zur Erdverkabelung genau verfolgen, die vorige Woche in der Langen Straße begannen. Rund 150 Meter Freileitung werden in die Tiefe verlegt, wie Corinna Hinkel, Pressesprecherin der Avacon AG, auf Nachfrage informiert. Nach Umbindung aller bereits verkabelten Hausanschlüsse auf das neue Stromkabel würden die Masten spätestens im Frühjahr demontiert werden. „Zwei Masten samt Leiterseilen können leider nicht stehen bleiben. Aus Sicherheitsgründen ist eine Demontage der Freileitung nach Ende der Nutzung notwendig“, erklärt sie.

Uta Segelcke kann das verstehen. Dennoch hofft sie auf eine Lösung, um den Rauchschwalben, deren Bestand in Deutschlanf zunehmend zurückgeht, einen alternativen luftigen Sitzplatz anzubieten. Um Hilfe zu finden, wandte sie sich an den Naturschutzbund (Nabu) und schilderte die Situation. „Wir sind dabei mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten, um Möglichkeiten zu entwickeln, wie wir hier Sitzgelegenheiten für die Schwalben erhalten können“, berichtet Marcel Otte vom Nabu Sachsen-Anhalt gegenüber der Volksstimme. „Sollten sich die Masten nicht erhalten lassen, gibt es auch die Möglichkeit, diese durch andere, vielleicht einfachere Gestelle zu ersetzen. Die Bedingung ist allerdings, dass der Flächeneigentümer damit einverstanden ist“, erläutert er. „Dann spannen wir vielleicht hier was“, kommentiert Uta Segelcke den Vorschlag, während sie den Blick durch ihren Garten schweifen lässt.