Barby/Tochheim l Die Elbfähre zwischen Breitenhagen und Tochheim fährt seit mehr als vier Monaten nicht mehr. Das anhaltende Niedrigwasser der Elbe zwingt das kleine Schiff an das Ufer. Die Gierseilfähre verfügt wie das Schwesterschiff bei Barby ohne einen eigenen Antrieb. Unter dem Schiffskörper angebrachte Platten sorgen in der richtigen Stellung dafür, dass das Wasser der Elbe die Fähre antreibt. Je nach Stellung umfließt es die quer gestellten Platten und sorgt wie bei einer Tragfläche an einem Flugzeug dabei für einen Unterdruck, der das Schiff von Ufer zu Ufer bringt. Voraussetzung für das Funktionieren ist allerdings, dass ausreichend Wasser in der Elbe fließt und dass der Wasserstand entsprechend hoch ist.

Niedriger Wasserstand

Das Problem ist in diesem Jahr der Wasserstand, sagt Hauptamtsleiterin Karin Knopf aus der Barbyer Stadtverwaltung. Der Wasserstand ist zu niedrig, erklärt sie. Warum bei gleichem Wasserstand die Barbyer Fähre noch fährt, weiß sie auch.

„Wir haben in Breitenhagen eine Sandbank in der Elbe“, erklärt sie. Die Sandbank verhindere dort bei Niedrigwasser viel früher als in Barby die Fortsetzung des Fährbetriebes. Mindestens 50 Zentimeter Wasserstand am Pegel Barby seien dafür notwendig, erklärt sie weiter. Gestern Mittag stand der Pegel bei Barby bei 38 Zentimeter. Dabei stiegt er leicht an. Dennoch rechnet in der Kleinstadt die Verwaltung nicht damit, dass sich die Lage an den Fähren entspannt. „Es ist kein großes Regengebiet in Sicht, welches mit seinen Niederschlägen den Pegel dauerhaft anheben könnte“, sagt sie. Auf unter 20 Zentimeter war der Pegel bereits in diesem Sommer gesunken und erreichte damit einen neuen Niedrigstwert. Aktuell sei nicht zu sagen, wie lange die Barbyer Fähre weiter verkehre, erzählte sie. Die Fährleute müssten sehr gut aufpassen, dass sie ausreichend Wasser unter dem Schiff haben. Die Fahrten bei einem Pegelstand weit unter einem halben Meter seien für die Mitarbeiter der Fähren sehr anstrengend, erzählt sie.

Deshalb hatte die Stadt auch schon vor Wochen die zulässige Beladung der Schiffe gesenkt. Der Fährmann entscheide je nach Situation, wie viele Autos er auf das Schiff fahren lasse, erklärte sie weiter. Die Mitarbeiter auf den Fähren hätten in diesem Jahr einen schweren Job, schätzt sie ein.

Sandbänke sind Problem

Wann die Breitenhagener Elbfähre wieder ihren Betrieb aufnehmen werde, stehe in den Sternen, sagte sie. Ohne deutlich mehr Wasser in der Elbe werde sich an der Situation nicht viel ändern. „Wir erleben jetzt den golden Herbst mit vielen weiteren trockenen Tagen.“

Dabei ist die Elbfähre Breitenhagen das Sorgenkind der Kommune. Die Fähre schaffte es in den vergangenen Jahren nicht, kostendeckend zu arbeiten. Der Stadt war es vor Jahren gelungen, einen privaten Fährmann für das Schiff zu finden. In der Folge gab es immer wieder Ausfälle der Fährverbindung. Schließlich trennten sich beide wieder. Doch schon damals sanken die Nutzungszahlen.

Ob nach einem monatelangen Ausfall die Bürger die Fährverbindung wieder annehmen, hofft die Hauptamtsleiterin. „Die Leute rund um die Fähre nutzen die Verbindung gern und oft“, weiß sie. Trotzdem kommt die Breitenhagener Fähre nicht an die Beförderungszahlen der Barbyer Fähre heran.

Rückkehr zur Normalität

Für die Mitarbeiter der Fähren stelle die Einstellung des Betriebes in der Regel kein Problem dar, führt sie aus. Die Mitarbeiter haben bei der Stadt ein Stundenkonto. Bei einem Ausfall der Fähre bummeln sie in der Regel zunächst einmal die angefangenen Überstunden ab. Auch wenn die Mitarbeiter in den Minusbereich kommen, seit dies ebenfalls kein Problem. Irgendwann fahren die Schiffe alle wieder, dann wird die Stadt jede Hand brauchen.

Auch wenn Mitarbeiter erkranken, muss die Stadt mit dem verfügbaren Personal den Betrieb absichern. Da fallen dann ganz schnell viele Überstunden an, weiß die Hauptamtsleiterin aus dem Alltag. Sie wünscht sich eine Rückkehr zur Normalität. Nur liege das nicht in der Macht der Kommune. Fährt die Breitenhagener Fähre wieder, könnten die Menschen am Fluss Umwege sparen.