Zerbst l Unterschriften werden derzeit gesammelt. Unterschriften für ein Volksbegehren, um das Schulgesetz in Sachsen-Anhalt zu ändern. Damit die Mindestanzahl an Lehrern, an pädagogischen Mitarbeitern und Schulsozialarbeitern in Abhängigkeit von der Anzahl der Schüler verbindlich festgeschrieben wird. Der Gemeindeelternrat der Schulen der Stadt Zerbst unterstützt die Aktion.

In dem Gremium sind alle elf Zerbster Schulen vertreten – die drei Zerbster Grundschulen, die vier Grundschulen des Umlandes, die Güterglücker und die Zerbster Förderschule, die Ganztagsschule Ciervisti und das Gymnasium Francisceum. 2017 wurde der Gemeindeelternrat das erste Mal gewählt. Vorsitzende ist Yvonne Grübler aus Buhlendorf, deren Söhne die Lindauer Grundschule An der Burg besuchen.

Gemeindeelternrat unterstützt Aktion

„Zwei Mitglieder waren beim Stadtelternrat in Magdeburg und dem Bildungsbündnis ,Den Mangel beenden! Unseren Kindern Zukunft geben!‘, erzählte Grübler. Die Zerbster haben sich entschlossen, die Initiative aktiv zu unterstützen. „Weil wir der Meinung sind, das was passieren muss“, macht Grübler deutlich. Das geht nur, wenn viele mitmachen, weiß sie: „als einzelne Schule erreicht man nichts.“

Nun gilt es also, fleißig Unterschriften zu sammeln, so wie es landauf, landab seit 8. Januar viele Unterstützer tun. 170.000 Unterschriften sind notwendig. 210.000 werden angestrebt wegen der Fehlerquote.

Lehrer dürfen nicht werben

Die Elternvertreter kümmern sich darum, dass die Unterschriften außerhalb der Schule gesammelt werden. Die Schulen sind schließlich angewiesen, sich herauszuhalten. Schulleitungen, Lehrer und Mitarbeiter wurden auf ihre Pflicht zur politischen Neutralität hingewiesen. „Selbst ein Plakat dürfen wir in den Schulen nicht aufhängen“, so Yvonne Grübler.

 In Magdeburg werben Eltern schon auf T-Shirts für das Volksbegehren, weiß sie. Der Zerbster Gemeindeelternrat will sich demnächst in den sozialen Medien präsentieren, per Facebook und Instagramm die Leute erreichen. Da soll es dann auch vor allem darum gehen, die Schulen der Stadt möglichst positiv darzustellen. Nicht zuletzt, um Lehrer auf Stellensuche, Referendare zu interessieren.

Erste Listen sind voll

In Sachen Unterschriftensammlung sind die Elternvertreter besonders gefordert. Das ist eine sehr aufwendige Aktion, denn die Anforderungen zum Ausfüllen der Listen sind hoch. „Jede einzelne Unterschrift wird geprüft“, so Yvonne Grübler. Die Unterzeichner dürfen sich nur auf einem Bogen ihrer Meldestelle eintragen – mit Namen, Geburtstdatum, Adresse. Zweimal unterschreiben hilft nicht.

Die ersten Listen sind schon voll, freut sich die Gemeindeelternratsvorsitzende derweil. Jeder nutzt seine Kontakte, spricht die Leute an. An den Schulen können die Elternvertreter angesprochen werden.

Letzte Chance zum Handeln

Es gehe hier nicht um ein paar aufgeregte Eltern, so Yvonne Grübler. Die Initiative sei eine ernsthafte Sache, „Unsere einzige und vielleicht letzte Chance, was zu machen.“ Das System müsse überdacht, überarbeitet werden. „Das hätte schon viel eher passieren müssen“, sagt sie.

Wie sehr ihre eigenen Kinder davon profitieren werden, bleibt offen. Aber es geht um die künftigen Bedingungen für die Kinder an den Schulen, um ein funktionierendes Schulsystem ohne Unterrichtsausfall, für bessere Ergebnisse und gute Bildungsperspektiven. Ein halbes Jahr dauert die Unterschriftensammlung.