Steutz/Steckby l Durch Zufall war Lysann Papenroth auf die Baumpflanzaktion gestoßen. Initiiert hatte sie Schleswig-Holstein, das dieses Jahr für die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit zuständig war. Unter dem Motto „Stell dir vor, am 3. Oktober würde jeder Mensch in Deutschland einen Baum pflanzen. 83 Millionen. Jedes Jahr. Ein neuer Wald. Von Nord nach Süd, von Ost bis West. Für das Klima. Und für dich und deine Familie. Für unsere Zukunft“, warben die Nordlichter dafür, mit dem „Einheitsbuddeln“ eine neue Tradition ins Leben zu rufen.

Zeichen politischer Einheit

„Das hab‘ ich gleich für mich aufgenommen“, erklärt Lysann Papenroth lächelnd. Der Steutzerin gefiel die Idee. „Das Klimaproblem macht ja nicht an der Grenze halt“, sagt die junge Frau. Zugleich möchte sie ein Zeichen für die politische Einheit setzen, die zwar seit 1990 auf dem Papier besiegelt, aber längst noch nicht vollständige Realität ist.

„Ich wünsche mir, dass Ost und West mehr zusammenwachsen“, sagt Lysann Papenroth. Sie weiß um die Grenze, die noch in den Köpfen vieler Menschen – vor allem der älteren Generation – existiert. „Das finde ich schade“, sagt die junge Frau. Sie selbst hat die DDR noch als Kind miterlebt, war zur Wendezeit gerade neun Jahre. Unterschiede zwischen Ost und West macht sie nicht. Vielmehr hofft die Steutzerin, dass dieses geteilte Denken bald der Vergangenheit angehört.

„Man muss nach vorne schauen und über die Grenzen im Kopf hinaus denken“, findet Lysann Papenroth.

Ein Herzensanliegen

Umwelt und Natur sind ein weiteres Herzensanliegen der jungen Mutter, die sich auch kommunalpolitisch engagiert und für Bündnis 90 / Die Grünen im Steutzer Ortschaftsrat sitzt. Die Baumpflanzaktion aus Schleswig-Holstein – der Einheitsgedanke verbunden mit dem Ziel, gemeinsam etwas für die Zukunft zu tun – begeisterte sie deshalb sofort. Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann Kay-Uwe Papenroth.

Drei Bäume an der Wiese gepflanzt

Für die Umsetzung ihres Vorhabens wandten sich die Beiden an Ulrich Wichmann, der in Steckby eine Baumschule betreibt und den sie rasch vom „Einheitsbuddeln“ überzeugen konnten. Er wählte Ebereschen aus, deren rote Beeren vielen Vögeln als Nahrung dienen. Der leicht feuchte Standort war mit der Koppel rasch gefunden, die Papenroths von der Stadt Zerbst für ihre Pferde gepachtet haben. Auf der Wiese, die an der Roßlauer Straße in Steutz liegt, pflanzten sie dann gestern drei Bäume – zwei Ebereschen finanzierten sie selbst, eine weitere übernahm Ulrich Wichmann.

Eine neue Tradition?

„Um die Anwuchspflege kümmern wir uns“, bemerkt Lysann Papenroth. Sie hat die Hoffnung, dass sich das „Einheitsbuddeln“ wirklich zu einer Tradition entwickelt. „Vielleicht werden es ja jedes Jahr mehr Menschen, die sich beteiligen“, überlegt die Steutzerin. Ihre Vision wäre, dass im nächsten Jahr vor Ort eine größere Aktion vor Ort stattfindet, dass mehr Menschen dem Aufruf folgen. Dass sich beispielsweise Paten für Bäume finden, um die Allee im Wertlauer Weg wieder zu beleben.

Knapp 100 000 Bäume sollen es an diesem 3. Oktober 2019 gewesen sein – die meisten wurden von Privatleuten gepflanzt, aber auch öffentliche Pflanzpartys gab es – unter anderem im Schillerpark in Coswig, veranstaltet vom Naturpark Fläming.

Maßnahme gegen Klimawandel

Denn die wirksamste Maßnahme gegen den Klimawandel ist laut einer aktuellen Studie von Schweizer Wissenschaftlern, die Wälder aufzuforsten. Sprich, Bäume zu pflanzen. Denn Bäume sind in der Lage, das von Menschen produzierte klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft aufzunehmen und es in lebensnotwendigen Sauerstoff umzuwandeln.