Zerbst l „Das Pilzjahr hat begonnen“, erklärt Fritz Krüger lächelnd. Zum Beweis holt er mehrere prachtvolle Exemplare der Spitzmorchel hervor. Der aromatische Speisepilz sprießt momentan nicht nur in den Wäldern. „Morcheln wachsen gern auf mit Rindenabfällen gemulchten Böden und sind somit auch in Hausgärten häufig anzutreffen“, weiß der Zerbster. Allerdings können sie leicht mit der giftigen Frühjahrslorchel verwechselt werden, deren schädliche Inhaltsstoffe nicht sofort spürbar sind, wie Fritz Krüger anmerkt. Der gelernte Maschinenbauingenieur kennt die Unterschiede zwischen beiden Arten ganz genau.

Leidenschaft seit der Kindheit

Denn Pilze sind die Leidenschaft des 82-Jährigen schon von Kindesbeinen an. Nach und nach tauchte er immer tiefer in die vielfältige Welt dieser faszinierenden Organismen ein, die größtenteils im Boden leben und von deren weit verzweigten Geflechtnetz, dem Myzel, nur die Fruchtkörper zeugen, die das Herz von Pilzsammlern höher schlagen lassen.

Das Tückische ist, dass so manch leckeres Exemplar wie Steinpilz oder Champignon einen giftigen Doppelgänger hat. Deshalb lautet der wichtigste Rat von Fritz Krüger: „Sammle nur die Pilze, die du kennst.“ Zudem sollte man die wichtigsten Giftpilze kennen, listet er Satanspilz, den Grünen Knollenblätterpilz oder auch den Fliegenpilz als Beispiele auf. „Und im Zweifelsfall sollte man zu einem Berater gehen“, ergänzt der rüstige Senior.

Abhängig von Niederschlägen

Er selbst ist seit über 45 Jahren als Pilzsachverständiger im Auftrag der Kreisverwaltung in der Stadt Zerbst tätig und betreibt bei sich daheim eine Beratungsstelle, die im Schnitt jährlich über 300 Pilzsammler aufsuchen. 2018 schrumpfte ihre Zahl auf nur 61 Personen, was der Hitze und Dürre geschuldet war, die sich ebenfalls auf das Pilzwachstum auswirkten. „Die Wälder rund um Zerbst waren ausgetrocknet und völlig frei von Pilzen“, schildert der 82-Jährige. „Erst ab November wurden endlich, meist in entfernteren Arealen mit mehr Niederschlägen, einige der beliebten Herbstpilze gefunden“, nennt Fritz Krüger unter anderem Maronen, Rotfußröhrlinge, Steinpilze und Krause Glucke. Einzig der Hallimasch habe in den hiesigen Laubgehölzen und Parkanlagen noch üppige Fruchtstände gebildet.

Ob 2019 ein besseres Jahr für Pilzsammler wird, hängt von den Niederschlägen ab, die jedoch „jetzt schon unzureichend sind“, so der 82-Jährige, den selbst noch etwas anderes beschäftigt: die Suche nach einem Nachfolger für seine ehrenamtliche Tätigkeit. Zu dieser gehört neben der Bestimmung von Wildpilzen ebenfalls die Unterstützung des Lebensmittelüberwachungsamtes bei der Kontrolle der Speisepilze, die in den Einkaufsmärkten und auf dem Wochenmarkt angeboten werden. Auch bei möglichen Pilzvergiftungen wird Fritz Krüger als Sachverständiger hinzugerufen. Dann ist sein Wissen um Inhaltsstoffe und deren Wirkung gefragt.

Die Pilzberatungsstelle von Fritz Krüger befindet sich in der Pulspfordaer Straße 2 in Zerbst. Telefonisch ist diese unter 03923/33 31 zu erreichen.