Polenzko l Nun ist sie ab die Turmspitze der Polenzkoer Weihnachtskirche. Ein Maxikran rückte vor Ort an und wurde in Stellung gebracht. Die Männer der Heidetor Zerbst GmbH bereiteten den Turm für das Kappen der Spitze vor.

Zunächst mussten die beiden Balken für den Transport unter der Spitze eingeschoben werden. Vier Schlaufen wurden schließlich befestigt, das Gerüst an den Stellen zurück gebaut, und dann gab Bauleiter Karsten Beuche dem Kranführer das Zeichen zum Anheben.

Ein Rucken, ein Krachen

Ein kurzes Rucken, ein Krachen und sogleich hob die Spitze ab, machte einen kurzen Schlenker und schon hatten die Männer alles unter Kontrolle. Dann schwebte die Spitze über das Kirchdach und dann langsam hinunter zur Erde, wo sie problemlos auf dem vorbereiteten Unterbau abgestellt werden konnte. Im Anschluss wurde auch gleich noch das Geläut per Kran aus dem Kirchturm geholt.

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Während ein paar Polenzkoer, Ortsbürgermeisterin Ruth Buchmann, sowie Sonja Hahn von der Stiftung Entschlossene Kirchen und Ullrich Hahn, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Weinberggemeinde das Geschehen aufgeregt verfolgten und festhielten, blieb Karsten Beuche gelassen. „Wir haben schon einige Kirchtürme saniert“, sagte er. Darunter waren Steutz, Walternienburg und die Schlosskirche Wittenberg. Da war das Abnehmen der vier Tonnen schweren Polenzkoer Spitze vergleichsweise ein Klacks.

Seit 1884 ist der Dachreiterturm auf der Polenzkoer Kirche, die an sich ein Feldsteinbau aus der Zeit um 1200 ist. Mehr als 130 Jahre hat der Turm, der also nur oben auf dem Dachstuhl aufsitzt, gehalten. „Nun ist er nicht mehr standsicher“, erläuterte Architekt Hans-Georg Brosig. Die tragenden Balken sind von tierischen und pflanzlichen Schädlingen zerfressen worden und geben langsam nach. Daher rührt auch die schon eingetretene Schiefstellung. Nun, einen schiefen Turm will man in Polenzko nicht. Alles soll wieder gerade gerückt werden.

„Die Turmspitze muss ab, damit die Last runter kommt“, so der Architekt. Dann wird das marode Holz ersetzt oder repariert. Auch das alte Ziegelmauerwerk des Turmes kommt raus. Bei dem alten Fachwerk muss man sehen, was erneuter werden muss. Auf jeden Fall erhält der Turm eine neue, anders aussehende Verkleidung in Form einer Holzschalung.

Eigen- und Fördermittel

Am Ende der Baumaßnahme wird die Turmspitze, die aber noch eine neue Schiefer-eindeckung bekommen soll, wieder aufgesetzt. Der erste Bauabschnitt hat einen Umfang von rund 120.000 Euro. Die kommen aus Eigenmitteln und Geldern der Landeskirche. Mit 28.000 Euro ist die Stiftung Entschlossene Kirchen im Boot. 25.000 Euro steuert Lotto-Toto Sachsen-Anhalt bei, 10.000 Euro gab der Landkreis dazu.

Ullrich Hahn ist froh, dass es jetzt endlich los geht, sollte das doch eigentlich schon im Herbst passieren. Und schließlich hatte die Kirchengemeinde schon vor der Adventszeit alles vorbereitet für die Baumaßnahme. Die Winterkirche, die sich auch schon fast selbst aufgelöst hatte, war rückgebaut worden. Für sie besteht kein Bedarf mehr. Bei der Orgel, die nicht mehr bespielbar ist, entschied man sich gegen einen Ausbau und packte das Instrument lieber ordentlich ein, wie auch die Empore sorgfältig abgedeckt wurde. Nach dem Turm müsste die Sanierung beim Dach – Dachbalken, Dachstuhl, Eindeckung – am besten gleich fortgesetzt werden. Mehr als 200.000 Euro sind nötig. Fördermittel aufzutreiben wird immer schwieriger, weiß Ulrich Hahn.