Zerbst l Bereits zum dritten Mal waren die Kontaktbeamten des Zerbster Revierkommissariats Anja Wernicke und Holger Sticherling am Mittwoch in Schulbussen unterwegs. Der Grund: Viele Kinder und Jugendlichen gehen in den Schulbussen zum Teil sprichwörtlich über Tisch und Bänke.

„Wir fahren jetzt zum wiederholten Male auf bestimmten Strecken des Schülerverkehrs mit. Selbst wenn wir als Polizei im Bus sitzen, hält das einige Kinder und Jugendliche nicht davon ab, beispielsweise die Füße mit Schuhen auf die Sitze gegenüber zu legen, Papier und Müll in den Bus zu werfen, zu krakeelen oder den momentan vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz abzulegen oder gar nicht erst zu tragen“, schildert Holger Sticherling.

Keine Reaktion auf Ermahnungen

Und das seien noch die harmlosesten Beispiele. „Da wird sich geschlagen, über die Sitze geklettert, Musik in Disco-Lautstärke gehört und sogar Sitzpolster aufgeschlitzt. Auf Ermahnungen der Busfahrer wird nicht reagiert, im Gegenteil, es wird diskutiert und teilweise beleidigt: ,Alter, was willst du denn‘, sind beispielsweise Reaktionen“, sagt Sticherling. Das sei so weit gegangen, dass Busfahrer anhalten mussten und sich geweigert haben weiterzufahren, weil der Fahrer nicht mehr in der Lage war, den Bus sicher zu führen.

„Das sind keineswegs nur Ausnahmen. Das ist Tagesgeschäft für uns“, sagt Busfahrer Andreas Steffen. Am schlimmsten sei die Linie Güterglück – Zerbst, aber auch bei den anderen Linien gehe es teilweise hoch her.

Jede Ablenkung wird zur Gefahr

Sticherling und Wernicke appellieren an die Eltern, auf ihre Kinder einzuwirken. „Kein Mensch will sich vorstellen, was passiert, wenn eine Fahrt aus dem Ruder läuft und ein Unglück geschieht“, mahnt Sticherling. Jede Ablenkung der Busfahrer, wodurch auch immer, werde zur Gefahr.

Um der Situation einigermaßen Herr zu werden, hatte Falko Otto, Sachbearbeiter ÖPNV beim Landkreis die Polizei um Hilfe gebeten. „Vom Busunternehmen erreichen uns regelmäßig Beschwerden, in denen die genannten Vorkommnisse aufgelistet sind“, sagt Landkreissprecherin Marina Jank.

Lösung muss gefunden

Es könne nicht die Aufgabe der Busfahrer sein, hier erzieherisch einzuwirken. Sie haben sich auf den Verkehr zu konzentrieren. „Immerhin sind sie für die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen verantwortlich“, mahnt auch Jank.

Dass es nicht prinzipiell Aufgabe der Polizei ist, Schulbusfahrten zu begleiten, wisse auch sie. „Dennoch muss eine Lösung gefunden werden, bei der Schule und Eltern mit im Boot sein müssen“, betont die Landkreissprecherin.