Zerbst l Dem deutschen Bundestag liegen drei Gesetzentwürfe und ein Antrag zum Beschluss vor. Julius König, ein 55-jähriger Informatiker aus Döbeln ist Mitglied der Bewahrungspartei (BP) und muss mit seinen Kollegen in der Fraktion und in den Ausschüssen über die Vorlagen und mögliche Veränderungen beraten, bevor in der nächsten Plenarsitzung darüber abgestimmt wird.

Es geht unter anderem um die Einführung von Pfand auf Einwegbecher, die Einführung bundesweiter Volksabstimmungen und um die Verlängerung eines Auslandseinsatzes der Bundeswehr.

Simulation

Julius König ist im wirklichen Leben der 17-jährige Zerbster Gymnasiast Bennet Rietdorf, der mit mehr als 330 anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland an einem viertägigen Planspiel teilnahm, welches einen Gesetzgebungsprozess simuliert.

„In diesen vier Tagen konnte ich nicht nur mein Politikverständnis stärken, sondern auch engagierte Jugendliche aus ganz Deutschland kennenlernen“, sagt Bennet Rietdorf.

Nicht nur die Erfahrung einmal ins Zentrum der Macht eintauchen zu dürfen, habe diese Tage so einmalig gemacht, sondern auch die unzähligen persönlichen Begegnungen.

„Die Gelegenheit als Jugendlicher, die Arbeit unserer Demokratie nachzuempfinden, stellte sich als unheimlich spannend, erlebnisreich, fordernd und anstrengend heraus“, erklärt der Gymnasiast rückblickend.

Arbeitsgruppensprecher

Er sei Kees de Vries (CDU) - selbst Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Anhalt - sehr dankbar, dass er ihm die Chance gegeben hat, bei „Jugend und Parlament“ in Berlin mitzuwirken. De Vries hatte den Zerbster Franciseer und Sprecher des Kreisschülerrates Anhalt-Bitterfeld für „Jugend und Parlament“ nominiert.

Im Planspiel arbeitete der Zwölftklässler im Auswärtigen Ausschuss mit. In der dazugehörigen Arbeitsgruppe seiner BP-Fraktion wurde der Schülersprecher zum Arbeitsgruppensprecher gewählt.

Dies wiederum ermöglichte es Rietdorf, als einer von 48 Rednern in der Abschlussdebatte im Plenum des Deutschen Bundestages eine Rede zur Ausweitung der Beteiligung deutscher Streitkräfte an einer EU-geführten Militäroperation im fiktiven Staat Sahelien zu halten.

„Ich bin mit dem Ziel nach Berlin gefahren, im Herzen unserer Demokratie eine Rede halten zu dürfen. Letzen Endes wurde ich zum Arbeitsgruppensprecher im Auswärtigen Ausschuss der BP-Fraktion gewählt, was mir die Möglichkeit gab, meinen Traum in die Realität umzusetzen“, sagt Bennet Rietdorf.

Im Plenarsaal Rede halten

Bis 2 Uhr morgens habe er an seiner Rede gefeilt. „Ich war natürlich mehr als nur aufgeregt, als ich an das Rednerpult getreten bin“, freut sich der 17-jährige, dass ihm diese Ehre zuteil wurde, „immerhin haben nur wenige Menschen überhaupt die Gelegenheit, an diesem Pult zu sprechen.“

Die Teilnehmer haben sich im Bundestag frei bewegen dürfen. „Wir erhielten so einen tiefen Einblick in die Demokratie“, freut sich Rietdorf.

Der Zwölftklässler möchte gerne Politikwissenschaften oder internationales Management studieren. Später in die Politik zu gehen, schließt der Francisceer nicht aus, in welcher Partei allerdings, hält er sich schmunzelnd offen.

„Ohne Frage, es war ein ganz besonderes und erhabenes Gefühl, an diesem bedeutsamen Rednerpult im ‚Hohen Haus‘ zu stehen, an dem parlamentarisch gestritten und der politische Takt innerhalb Deutschlands vorgegeben wird“, sagt Bennet Rietdorf voller Stolz.