Zerbst l In naher Zukunft soll das einstige Frauenkloster auf der Breite neben dem historischen Archiv auch das Bau- und Liegenschaftsamt der Stadt Zerbst beherbergen. Vorab jedoch muss das Gebäude, in dem momentan nur die Ganztagsschule Ciervisti einige Räume nutzt, umfassend instandgesetzt werden. Über 2,5 Millionen Euro stehen für das aufwendige Vorhaben aus verschiedenen Fördertöpfen zur Verfügung.

Arbeiten ab Anfang März

564.000 Euro stammen aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ und fließen in die weitgehend erhaltene gotische Klosterkirche. Mit einem Teil der Summe wird das Dach des Sakralbaus saniert, wofür inzwischen die denkmalrechtliche Genehmigung vorliegt. Anfang März sollen die Arbeiten beginnen, mit denen die geplante Sanierung des Objektes endlich eingeläutet wird. Denn ursprünglich sollte die Realisierung bereits 2017 starten. Vor allem die umfangreichen Nachweise zur historischen Bauforschung und Befunduntersuchung sorgten für beachtliche zeitliche Verzögerungen.

Erste Schritte sind gemacht

Inzwischen erfolgte als eine vorbereitende Maßnahme der Abriss von sieben Garagen auf dem Klostergrundstück. Behelfsparkflächen wurden zunächst geschaffen. Wie Planer Tilo Feldmann im April 2017 im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss erläuterte, als er das Kloster-Projekt im Gesamten vorstellte, sollen neun Parkplätze sowie ein Behindertenparkplatz angelegt werden. Gedacht sind diese aber nicht für die Besucher, sondern für die Mitarbeiter sowie für die Familie, die unmittelbar auf dem Klostergelände ein Haus besitzt.

Erschließung über Klosterhof

Mit der Widmung einer öffentlichen Verkehrsfläche wird nun ein weiterer wesentlicher Aspekt in Angriff genommen: die Erschließung des Gebäudekomplexes über den Großen Klosterhof. Denn der bisherige Zugang über die Breite – unmittelbar im Bereich der Ampelkreuzung am Frauentorplatz – ist nicht optimal. Zumal über diesen zukünftig allein die Schüler und Lehrer der Ganztagsschule auf das Gelände gelangen sollen. Vorgesehen ist, dass die Neunt- und Zehntklässler nur noch in dem Ziegelbau an der Straße unterrichtet werden und aus dem rückwärtigen Gebäudeteil des einstigen Zisterzienserinnenklosters – dem so genannten Klausurflügel – ausziehen.

Hinzu kommt, dass die Zufahrt über die Breite für die modernen Löschfahrzeuge zu schmal ist und keine Rettungswege-Option darstellt, wie es Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) einmal ausdrückte. Das trifft allerdings ebenfalls auf die jetzige Straße „Großer Klosterhof“ zu. Durch die äußerst enge Bebauung kommt auch dort beispielsweise der Hubsteiger der Zerbster Feuerwehr nicht durch.

Suche nach Alternativen

Aus dem Grund musste die Stadt nach einer Alternative suchen. Diese mündete im Kauf mehrerer Grundstücke zur „Erweiterung der öffentlichen Verkehrsfläche der Straße ,Großer Klosterhof‘“, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Sowohl der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss als auch der Haupt- und Finanzausschuss stimmten bereits kommentarlos der Schaffung einer neuen Zuwegung zum Kloster zu. Endgültig entscheidet der Stadtrat auf seiner Sitzung am 30. Januar über diese dann auszubauende Anliegerstraße.

Die Idee von Stadtratsmitglied Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst), das Gelände von der Puschkinpromenade aus über die Nuthe zu erschließen, wurde seinerzeit nicht diskutiert. Er selbst ist einer der Hauptkritiker des Projektes. Zum einen bezweifelt er, dass die kalkulierten Kosten ausreichen, um das Vorhaben in Gänze zu realisieren. Zum anderen stößt er sich immer wieder an dem Fakt, dass die Sanierung längst nicht den gesamten Komplex umfasst. Der Frauentorturm beispielsweise bleibt vorerst komplett außen vor.