Zerbst l Was will ich werden? Diese Frage beschäftigt jeden irgendwann. Vielfältige Angebote helfen Jugendlichen bei der Berufsorientierung. Voraussetzung ist, diese zu kennen. Genau an der Stelle greift das neue Projekt „b-e-r-u-f“, das zum 1. Juli 2018 mit einer Laufzeit von zunächst zwei Jahren gestartet ist, denn es besteht die Option der Verlängerung.

Schnittstelle

„Bei b-e-r-u-f handelt es sich um ein speziell auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld zugeschnittenes Projekt“, erklärt Marcel Haferkorn. Als Sachgebietsleiter Bildung, Förderung und Statistik ist er für die „Jugendberufsagentur“ zuständig, die derzeit landesweit in allen Kreisen und kreisfreien Städten (mit Ausnahme von Magdeburg) etabliert wird.

Offiziell wird vom „Regionalen Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt“, kurz Rümsa, gesprochen, das sich als Schnittstelle zwischen Schule und Ausbildung versteht und in welches das Projekt „b-e-r-u-f“ eingebettet ist.

„Ziel ist es, Eltern für das Thema der Berufsorientierung ihrer Kinder zu sensibilisieren, da diese einen entscheidenden Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben können“, erläutert Marcel Haferkorn. Die Mütter und Väter sollen in dieser wichtigen Lebensphase ihres Nachwuchses kompetent begleitet und unterstützt werden.

Bedarfserhebung

Vom Erschließen neuer Handlungsmöglichkeiten redet Carolin Kiehl, die neben Sabine Huhn und Diana Schöne Ansprechpartnerin bei den Euro-Schulen Anhalt-Bitterfeld ist, die das Projekt in der Praxis umsetzen. Sie erzählt von der Bedarfserhebung an den Schulen des Landkreises, die die Grundlage für geplante Schulungen für Eltern ab Klassenstufe 8 sind.

Diese Informationsveranstaltungen werden sich um die klassischen Fragen der Berufsorientierung drehen, aber auch um Aspekte einer positiven Pädagogik und kompetenzorientierten Berufsorientierung beispielsweise.

„Ab Herbst/Winter 2018 werden zudem in Bitterfeld-Wolfen, Köthen und Zerbst weitere Angebote über persönliche Sprechzeiten gemacht“, informiert Carolin Kiehl über die geplanten Kontaktbüros in den drei Städten. „Wichtig ist, dass Eltern sich in diesem Prozess wahrgenommen fühlen und landkreisweite Ansprechpartner kennen, denn die gibt es vielerorts bereits“, ergänzt sie.

Lösungen

Zielgruppe sind jedoch nicht allein die Eltern, sondern ebenfalls Lehrende, Pädagogen, die eine wesentliche Rolle bei der Heranbildung von Jugendlichen spielen. „Hier stehen vor allem Lösungen einer kompetenzorientierten Berufsorientierung im Vordergrund“, erläutert Carolin Kiehl.

Zudem sollen die Unternehmen mit ins Boot geholt werden. Immerhin stellt die Suche nach geeigneten Auszubildenden mitunter eine Herausforderung dar. Oftmals können schlechte Noten oder andere biographische Dinge zu einer falschen Einschätzung des Jugendlichen führen. „b-e-r-uf-“ will dort ansetzen und vermitteln.

„Dabei geht es vorrangig um Unternehmenspatenschaften über einen längeren Zeitraum, in welchem ein Unternehmen eine Familie begleiten und kennenlernen kann“, erklärt Carolin Kiehl. Sie denkt da an Familien, die größere Schwierigkeiten bei der Berufswahl ihrer Kinder haben.

Unterstützung

Nicht zuletzt stehe bei dem Projekt die zentrale Frage im Raum, ob eine Berufsorientierung ab Klasse 7 oder 8 eventuell nicht zu spät greife, so Carolin Kiehl. Dabei stehe nicht das Kennenlernen von Berufen im Vordergrund, sondern eine umfassende Unterstützung der Jugendlichen in ihrer persönlichen Entfaltung. Das schließt das soziale und gesellschaftliche Umfeld ein. „Schließlich wollen wir die Region perspektivisch auch als Wirtschaftsstandort stärken“, bemerkt sie.

Kommunale Akteure wie die Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld und die Beschäftigungsagentur des Kreises unterstützen das Projekt, das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landkreises Anhalt-Bitterfeld und durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert wird. Das Gesamtvolumen beträgt rund 280.000 Euro für die gesamte Laufzeit.