Flüchtlinge

Quartier auf altem Flugplatz?

Auf dem ehemaligen Zerbster Militärflugplatz könnten Wohnungen für Asylbewerber entstehen.

Von Katrin Wurm

Zerbst l Vor Ort, auf dem ehemaligen Militärflugplatz und heutigen Energiepark der Getec Green Energy, will sich Landrat Uwe Schulze (CDU) gestern ein Bild von der neuen Idee machen. Die auf dem Gelände befindlichen Gebäude sollen, soweit bau- und planungstechnisch möglich, ab Mitte nächsten Jahres als Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge bereitgestellt werden. „Wir werden prüfen, ob es möglich ist“, sagt Getec-Vorstand Chris Döhring. In der vergangenen Woche war diese Idee erstmals aufgeflammt. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) war mit dem Vorschlag an den Getec-Vorstand herangetreten.

„In Zerbst gibt es innerhalb der Orte wenig Möglichkeiten. Trotzdem haben wir die Aufgabe, die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und zu versorgen. Wenn uns hier die Wirtschaft unterstützt, wäre das sehr hilfreich“, so Landrat Schulze. Er geht davon aus, dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen: „Im Oktober haben wir wöchentlich etwa 80 bis 90 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Im November sollen es wöchentlich schon zwischen 125 und 150 sein und im Dezember gehen wir bisher von etwa 200 zugewiesenen Flüchtlingen pro Woche aus.“

„Bevor der Wohnblock auf dem Gelände des Energieparks reaktiviert werden kann, muss auch geprüft werden, was das Baurecht zulässt. Schließlich befinden sich die Wohnblocks in unmittelbarer Nähe zu den Windenergieanlagen“, erklärt Andreas Dittmann. Das Baurecht müsse als Runderlass neu beantragt werden. „Der Anschluss an Wasser und Abwasser ist kein Problem, das haben wir schon geprüft“, so Dittmann weiter. Auch der Anschluss an den Strom sollte kein Problem sein. Generell sehe er aber für dieses Gebiet viel Entwicklungspotenzial. „Von dem Gelände hier geht für viele eine große Faszination aus.“ Im Gespräch zwischen Landrat, Bürgermeister und Getec-Vorstand wird deutlich, dass darauf Wert gelegt werden soll, dass auf dem Gelände keine Ghettos entstehen. „Von Anfang an sollten die Bildungsträger mit im Boot sein, Deutschkurse anbieten und die Leute beschäftigen“, so Chris Döhring.

„Wir produzieren hier auf dem Gelände Energie aus Wind, Sonne und Biogas. Es steckt viel Wissen im Energiepark, wir könnten die Leute vor Ort qualifizieren. Ich fände es auch gut, wenn die Flüchtlinge zum Beispiel im Bereich regenerative Energien geschult werden. Wer weiß, vielleicht ist der eine oder andere nachher so fit, dass er zurück in seine Heimat geht und dort etwas aufbaut“, schließt Döhring an. Ebenso kann er sich einen Bolzplatz für die Kinder vorstellen oder kleine Gärten, in denen die Menschen selbst etwas anbauen können. „Der Platz ist da“, sagt Döhring weiter.

„Wir wollen die Flüchtlinge nicht hier hinsetzen und die Augen zumachen. Es ist wichtig, von Anfang an mit dabei zu sein und sie zu begleiten“, fügt Andreas Dittmann an.

Momentan gehe man davon aus, dass diese Flüchtlingsunterkunft – insofern sie realisierbar ist – für fünf Jahre gebraucht wird, so der Landrat.

Gesetz dem Falle, dass alle Voraussetzungen erfüllt werden, solle so schnell wie möglich mit dem Aufbau der Wohnungen begonnen werden. „Der Wohnblock ist ja bereits entkernt und zum Abriss bereit. Da kommt viel Arbeit auf uns zu, diesen wieder zu reaktivieren“, sagt Chris Döhring. Am Ende des Tages müsse man sehen, was es kostet. „Es muss auch wirtschaftlich passen. Dafür leg‘ ich auch die Bücher auf den Tisch“, schließt der Getec-Vorstand an.

Raum könnte der Block für bis zu 280 Menschen bieten. Im ehemaligen Militärquartier könnten 70 Wohnungen zu je vier Personen eingerichtet werden.