Zerbst l Ursprünglich wollte Elard Schmidt „überhaupt gar nicht“ zur Polizei. „Ich habe Zerspaner gelernt“, verrät er. Mit diesen Fertigkeiten sollte er bei der Forst in Nedlitz eine Stelle finden. „Meine Frau hat dort als Betriebsschwester gearbeitet“, erzählt der Reudener. Allerdings war er nur ein gutes Jahr in der Werkstatt beschäftigt. „Da kamen sie, um mich für die Kampfgruppen der DDR anzuwerben. Das war nicht so mein Ding“, sagt der 60-Jährige. Vielleicht könnte er sich vorstellen, stattdessen bei der Polizei anzufangen, boten sie ihm eine Alternative an. Mit dem Gedanken konnte sich der damals frisch gebackene Familienvater schon eher anfreunden. Zumal die gute Bezahlung ein nicht von der Hand zu weisendes Argument darstellte.

So fing es an

So fing Elard Schmidt 1981 bei der Polizei an und zwar im Zerbster Volkspolizeikreisamt, kurz VPKA. Und traf auf einen ersten amüsanten „Kollegen“. „Wir erhielten einen Anruf, dass jemand am Frauentorplatz auf der Kreuzung steht und den Verkehr regelt. Er hat das akkurat gemacht“, schildert er schmunzelnd, wie der betrunkene Mann beim Anblick der Polizisten erfreut erklärte: „Schön, meine Ablösung kommt auch schon.“ „Wir brachten ihn dann in die Ausnüchterungszelle“, erklärt der frisch gebackene Pensionär.

Zu der Zeit allerdings begann seine Laufbahn erst. Eine Art „Grundanfängerlehrgang“, wie er sagt, absolvierte Elard Schmidt an der Polizeischule in Schwerin. Die Praxis vermittelte man ihm im Magdeburger Polizeirevier. „Das war ein Lehrrevier“, erinnert sich der Reudener noch gut an das „Abenteuer Großstadt“. „Rund um die Uhr war was los, als Polizist hattest du da immer zu tun.“ Für ihn als Burschen vom Land eine völlig neue, aber sehr interessante Erfahrung. Hinzu kam, dass der FCM recht erfolgreich war und gegen viele Fußballmannschaften spielte – gegen Teams aus der BRD und anderen Ländern. „Selbst wenn man nicht direkt im Stadion das Spiel verfolgte, hat man doch viel mitgekriegt.“

Viel Elan

In dem Zusammenhang erinnert sich Elard Schmidt ebenfalls an die Begegnung mit 50 bis 60 Fans von Union Berlin. „Die wollten bei Rot über die Ampel gehen“, erzählt der Neuruheständler, wie er in seinem jugendlichen Elan – ganz Polizist – zur Trillerpfeife griff. „Und die haben gespurt.“

Zurück in Zerbst war Elard Schmidt zunächst im Streifeneinzeldienst aktiv, bevor er im ABV-Abschnitt Loburg als Schutzpolizist eingesetzt wurde. „Damals haben wir mehr mit den Betrieben zusammengearbeitet“, nennt er die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften als Beispiel. Mit den LPGen wurde unter anderem der Winterdienst abgesprochen und geschaut, ob sie diesen im Griff haben. Aber auch die Schulwegsicherung und die Bürgersprechstunden gehörten zu seinen Aufgaben.

Versetzung

Nach dem Besuch der Offiziersschule in Aschersleben folgte seine Versetzung nach Lindau. Als Leiter des Volkspolizei-Gruppenposten „war ich der Chef der Abschnittsbevollmächtigten zwischen Garitz, Schweinitz und Leitzkau“, erläutert Elard Schmidt. Die politische Wende brachte eine neue Herausforderung mit sich. Als „Offizier Erlaubniswesen“ fiel das Waffenrecht in seine Zuständigkeit, das mit der deutschen Einheit weitreichende Änderungen mit sich brachte. „Bis dato war es streng reglementiert, wer eine Waffe haben durfte, und dann plötzlich durfte jeder eine Waffe haben“, fällt dem Reudener sofort eine passende Anekdote ein. Er erzählt von einem Mann, der zwei Prunkwaffen anmelden wollte. „Die hatte er in Berlin günstig gekauft. Das waren Schmuckstücke. So was hatte ich bis dahin nur im Museum gesehen.“

Gleichzeitig wandelte sich mit dem Wegfall der innerdeutschen Grenze die Polizeistruktur. Und Elard Schmidt wurde Leiter des Sachgebiets Verkehr. Neben der Verkehrsüberwachung gab es ausreichend Kräfte für die Verkehrserziehung und Verkehrsermittlung. „Das war gut organisiert“, blickt der 60-Jährige zurück. Er erinnert sich aber auch an den dramatischen Anstieg der schweren Unfälle nach der Wende, über 20 Verkehrstote gab es da mal in einem Jahr. „Das war eine richtig schlimme Zeit“, konstatiert Elard Schmidt.

Von 1997 bis 2008 war er als Vorsitzender des Stufenpersonalrats der Polizeidirektion Ost in der Dessauer Behörde tätig. „Das war auch spannend, sich um die Interessen der Belegschaft zu kümmern.“ Zugleich sei er von Anfang an in der Gewerkschaft engagiert gewesen, bemerkt er. „Da konnte man was bewegen“, denkt er gern an Verhandlungen mit der Landesregierung zurück.

Familiär bedingt zog sich Elard Schmidt schließlich aus der Personalratstätigkeit zurück. „So kam ich wieder nach Zerbst, wo ich mal angefangen hatte.“ Von 2008 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand zum 1. Dezember 2015 leitete er das Revierkommissariat.

Bereut hat der Polizeirat außer Dienst sein berufliches Umschwenken nicht. „Es war schon eine gute Entscheidung“, meint der Reudener, der sogar mal einen Mörder fing. Mitte der achtziger Jahre ist das gewesen. „Da hatte einer ein junges Mädchen in Zerbst umgebracht.“ Ein Tatverdächtiger war bald ermittelt. Das Fahndungsfoto hatte Elard Schmidt während seiner 24-Stunden-Schicht permanent vor sich. Als er schließlich nach Hause fahren wollte, traute er seinen Augen nicht. Auf dem Parkplatz stand der Mann, der dem Foto so ähnlich sah. „Ich habe seine Papiere verlangt und er war es“, schildert er die unvergessliche Verhaftung.