Die Zarin und Zerbst

Russische Bildhauer hinterlassen bedeutsame Spuren in Zerbst

Auch in Zerbst haben russische Bildhauer ihre Werke hinterlassen.

Zerbst. Viele russische Künstler haben sowohl in Zerbst als auch in Moskau ihre Spuren hinterlassen. In erster Linie sei an dieser Stelle der im vergangenen Jahr verstorbene Moskauer Bildhauer Prof. Michail Perejaslawez genannt, der Schöpfer des im Jahr 2010 im Zerbster Schlossgarten aufgestellten Denkmals für die aus dem Fürstenhaus Anhalt-Zerbst stammende russische Zarin Katharina die Große. Erinnert sei ebenfalls an den St. Petersburger Maler Sergej Prisekin († 2015), der das wandgroße Reiterporträt der Zarin für die Zerbster Sammlung Katharina II. schuf. Auch die Bildhauer Alexander Taratynow und Yaroslaw Borodin sind mit ihren Skulpturen in dieser musealen Einrichtung präsent.

Gedenkstele für berühmten Kosmonauten

Der zurzeit in Moskau arbeitende Bildhauer Yaroslaw Borodin machte dieser Tage wieder von sich reden: Am 12. April dieses Jahres beging alle Welt den 60. Jahrestag des ersten bemannten Weltraumfluges. Dieses historische Ereignis ist unzertrennlich mit dem Namen des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin (1934-1968) verbunden. Jedoch der erste Mensch und sowjetische Kosmonaut, der 1965 den Ausstieg in den freien Kosmos wagte, war Gagarins Kollege Alexej Archipowitsch Leonow (1934-2019). Am 12. April, am Tag des Kosmonauten in Russland, wurde in Moskau eine Stele zum Gedenken an die Tat und das Wirken von Leonow enthüllt. Geschaffen wurde diese Stele in Zusammenarbeit mit der Architektin Julia Jefremowa vom Bildhauer Yaroslaw Borodin, der auch bei in Zerbst kein Unbekannter mehr ist, da er in der Volkshochschule sowie in der Essenzen-Fabrik Bildhauerworkshops und -kurse leitete sowie eine Büste für den einstigen Anhalt-Zerbster Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch und die Skulptur der jungen Zerbster Prinzessin und späteren russischen Zarin schuf. Gefördert wurde die Anfertigung der Gedenkstele für Leonow durch die in Moskau ansässige Alpha-Bank, bei der Leonow seit 1992 tätig gewesen war. Zur Enthüllung der jüngsten Gedenkstele für Leonow waren auch einige seiner Kollegen sowie seine Tochter nach Moskau gekommen.

Ein Ring mit der Inschrift „Zerbst“

Yaroslaw Borodin kannte Leonow persönlich, denn, was die wenigsten wissen, der Kosmonaut Leonow betätigte sich auch künstlerisch, er malte und förderte ebenso andere Künstler. „Jedes Element meines Werkes ist symbolträchtig“, erläutert Borodin. „Deshalb ist der Helm auch so gestaltet, als würde Leonow mit Farben, die in der Luft fest werden, malen.“ Das Zentrum der Stele bildet die Luftschleuse vom damaligen Raumschiff Woschod 2, durch die Leonow – nur mit einer Leine gesichert? – in das offene All gelangte. An dieser Luftschleuse gestaltete Borodin Elemente, die auch im Weltall vorhanden und auf Leonows Gemälden dargestellt sind.

Über seine Zeit in Zerbst resümiert Yaroslaw Borodin wie folgt: „ Ich schätze sehr die Zeit, die ich in Zerbst tätig war. Vieles habe ich gelernt von den Menschen, die mich dort umgaben. Sehr gut sind mir die Meisterklasse und der Workshop für Bildhauerei in Erinnerung. Auch die Gespräche in den Gruppen, die mich zum Erlernen der deutschen Sprache motiviert haben. Alle haben mir geholfen, das Leben dort zu meistern. Zerbst ist die Stadt meiner ersten Performance, und jetzt trage ich an meinem Finger stets einen Ring mit der Inschrift Zerbst.“