Zerbst l Sigrun Knäbel ist zufrieden. Seit im Mai offiziell der Startschuss fiel, verfolgt sie die Sanierung des Zerbster Wasserturms. „Das war unser Hauptziel“, erklärt die Vorsitzende des Fördervereins des technischen Denkmals. Sie ist glücklich, dass das ambitionierte Projekt endlich realisiert werden konnte. Von einer „gelungenen Maßnahme“ spricht Christian Ackermann von der Bauverwaltung der Stadt, die Eigentümerin des detailreichen Klinkerbaus ist.

Viele Herausforderungen galt es im Vorfeld der notwendigen Instandsetzung zu meistern. Zunächst einmal musste die Finanzierung stehen. Immerhin gut 431.000 Euro wurden benötigt, um die Außenhülle des eindrucksvollen Objektes instandzusetzen. Mit der herbeigesehnten Aufnahme in das Leader-Programm rückte das Vorhaben endlich in greifbare Nähe. Auf 90 Prozent beläuft sich die Förderung aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung.

Im kalkulierten Rahmen bewegen sich auch die Kosten trotz eines unvorhersehbaren Problems, das für eine geringe zeitliche Verzögerung im Ablaufplan sorgte: Hinter vertikalen Rissen im Mauerwerk verbargen sich verrostete Stahlträger für den mächtigen Wasserbehälter. „Zehn Stück mussten ausgetauscht werden“, schildert Christian Ackermann. Das verursachte zusätzliche Kosten von knapp 10.000 Euro, die jedoch innerhalb des vorhandenen Budgets gedeckt sind, wie er gestern ausführt.

Klinker wurden gesäubert

Die Bauabnahme beginnt ganz oben in luftiger Höhe. Mit der Hebebühne geht es fast bis zur Spitze des 38,42 Meter hohen Wasserturms hinauf, der noch komplett eingerüstet ist. Bereits das Aufstellen des Gerüstes stellte ein anspruchsvolles Unterfangen dar. Deshalb wurde die einmalige Chance genutzt, um auch Schäden am Spitzdach auszubessern. „Einzelne Schieferplatten sind ersetzt worden“, erzählt Christian Ackermann ebenfalls von der Erneuerung der Dachfenster und des Blitzschutzes.

Deutlich ins Auge fällt die sanierte Fassade. „Wir haben die Klinker abgesäuert, um die originale Farbe wieder vorzuholen“, erzählt Steffen Neuhaus vom Walternienburger Baubetrieb André Weferling. Daneben frästen er und seine Kollegen die Fugen aus, reinigten sie und dichteten sie mit rotem Mörtel neu ab.

„Kaputte und marode Steine wurden nach historischem Vorbild ersetzt“, ergänzt Steffen Götz vom beauftragten Zerbster Planungsbüro. Mitunter großflächig musste der Austausch von gewölbten Außenwänden erfolgen. „Teilweise haben wir auch das Sandsteingesims erneuert“, bemerkt Neuhaus.

Glasbausteine weichen Stahlfenstern

Der Planer zeigt zudem auf die schmucken Stahlfenster, für die die Zerbster Firma ER+TE den Zuschlag erhalten hatte. Die dicken unattraktiven Glasbausteine, die im Turm eingesetzt waren, wichen wieder gusseisernen Fenstern. Als Vorlage diente ein erhaltenes Originalfenster, das sich aus mehreren Einzelelementen zusammensetzt.

Die Außenhülle des 1894 errichteten Wasserturms erstrahlt nun endlich wieder in neuem alten Glanz – sehr zur Freude von Sigrun Knäbel und ihren Mitstreitern im Förderverein. Bereits seit 2009 bemühen sie sich um den Erhalt des von einem Ingenieur Pfeffer projektierten Klinkerbaus, der in nur einem Jahr Gestalt annahm und sich bis 1994 in Betrieb befand.