Zerbst l Noch sind es Wünsche und Visionen, abernun ist die Idee einer ganzjährigen Nutzung des Schlosses konkreter geworden. Es gibt einen Masterplan, der einerseits den Weg des einstigen Residenzschlosses in die Zukunft ebnen und zum anderen als Grundlage für die weiteren baulichen Maßnahmen dienen soll. Dies beziehe sich im Wesentlichen auf die noch existierenden Bauteile des Barockschlosses und sehe darüber hinaus nutzungsbezogene Erweiterungen vor, heißt es in dem Papier.

Verschiedene Funktionen

Der Masterplan ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Fördervereins Schloss Zerbst mit der Stadt Zerbst und dem Architekturbüro Brosig, Mengewein & Partner. Das dabei entstandene Raumkonzept sieht verschiedene Funktionen vor. Entstehen sollen ein Empfangsbereich mit Rezeption, einem Informationszentrum, beispielsweise zum Luther- und zum Elbe-Radweg und einem Shop zum Verkauf von Eintrittskarten und Souvenirs.

Die museale Nutzung des Schlosses soll erweitert werden. In das Museum integriert werden sollen auch Präsentationen zum Hofkapellmeister Fasch, zur historischen Zerbster Innenstadt und der Fürstengruft mit den Särgen von Mitgliedern des Hauses Anhalt-Zerbst.

Vielseitige Nutzung

Auch gastronomische Einrichtungen wie ein Café mit Galerie und ein Bistro sowie ein Kommunikationszentrum der verschiedenen Vereine könnten in das Schloss einziehen. Geschaffen werden sollen außerdem Toilettenräume, eine Garderobe, verschiedene Lager- und Technikräume sowie Barrierefreiheit durch einen Fahrstuhl.

Im Rahmen dieses Raumkonzepts soll geprüft werden, wie und in welchem Umfang die genannten Funktionen im vorhandenen Schloss unterzubringen sind.

Des Weiteren werde das historische äußere Erscheinungsbild des Schlosses wiederhergestellt. Dies soll mit Hilfe einer Fassadenrekonstruktion umgesetzt werden. Rekon-struiert werden sollen auch die beiden hofseitigen, großzügig ausgeschmückten Portale. Als Grundlage dafür sollen historische Fotografien und Forschungsergebnisse dienen.

Dimensionen erleben

Gleichzeitig soll der Besucher die Möglichkeit bekommen, die tatsächliche Dimension der Dreiflügelanlage erleben zu können. Hierzu sollen im Außenbereich des Schlosses Varianten und Maßnahmen untersucht werden, die dies ermöglichen.

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) wies darauf hin, dass dieser Masterplan langfristig ausgelegt sei. „Das Schloss braucht ein Nutzungskonzept, um zukünftige Baumaßnahmen planen zu können und dafür auch entsprechende Fördermittel zu akquirieren“, betont Dittmann.

Stadträte sollen entscheiden

Auch die Vision einer Komplett-Wiederherstellung der Schlossanlage sowie des gesamten Schlossgarten-Ensembles sollte in den Masterplan einfließen. „Sollte doch irgendwann ein Finanzier anklopfen, der die nötigen Mittel investieren möchte, so haben wir die Tür dafür nicht zugeschlagen“, erklärt Bürgermeister Andreas Dittmann. Stadtrat Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) stimmte dem mit Verweis auf seine Rußlandreise vor Kurzem zu. „Ich war beeindruckt davon, wie viel die Russen in ihre kulturhistorischen Anlagen und Schlösser investieren“, schilderte er seine Eindrücke.

Der Masterplan mit dem entsprechenden Nutzungskonzept soll nach Willen des Rathauschefs noch in diesem Jahr den Stadtrat passieren und somit als langfristige Vorgabe für alle weiteren Arbeiten am Schloss dienen.