Zerbst l Die afrikanische Schweinepest ist ein Thema, das in den Medien hoch und runter gespielt wurde. „Alles viel zu aufgebauscht und aufgebläht“, sagt Ralf Müller, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Zerbst. „Im Landkreis ist kein einziger Fall bekannt“, sagt er gelassen, nicht einmal einer in Deutschland. Natürlich sei so eine Krankheit ein Problem, aber noch sei sie nicht angekommen. „Und dann sollte auch allen klar sein: Die Krankheit ist nicht auf den Menschen oder andere Tiere übertragbar“, betont er.

Wenn die afrikanische Schweinepest es bis in die Zerbster Region schafft, dann sind es Hausschweine, die sich anstecken könnten. „Hier wäre ein wirtschaftlicher Schaden nicht auszuschließen“, sagt er.

Keine Motivation, Quote zu erhöhen

Doch noch sei die Krankheit weit weg. Trotzdem hätten aber die Jäger jetzt das Problem, dass auf Grund von Panikmache, das hochwertige Lebensmittel Wildschwein im Verkaufspreis sinkt. So werde der Aufwand der Jäger nahezu unwirtschaftlich, wenn sie Schwarzwild schießen, denn sie müssen auch die Trichinenuntersuchung selbst zahlen, die nötig ist, um das Fleisch an Schlachtereien oder Metzger zu verkaufen. „In anderen Landkreisen wird das mittlerweile übernommen“, sagt Müller, in Anhalt-Bitterfeld nicht. Beispielsweise im Nachbarlandkreis Jerichower Land ist ein Fonds eingerichtet worden, der von Landkreis, Bauernverband und verschiedenen Schweinemastbetrieben gefüllt wird, aus dem dann die Untersuchungen bezahlt werden.

Gemacht wird dies, um die Abschussquote bei Wildschweinen zu erhöhen und damit die Anzahl des Schwarzwildes zu verringern. Denn so soll auch die Wahrscheinlichkeit minimiert werden, dass Schweine in Raststättenmüll beispielsweise nach Fressen suchen und sich dabei über aus Polen mitgebrachten Müll, der vielleicht Erreger enthalten könnte, anstecken.

Motivation fehlt

Doch diese Motivation fehle in Anhalt-Bitterfeld, sagt Müller. Trotzdem steige die Abschussquote jährlich. Allein vom Jagdjahr 2015/16 zum Jagdjahr 2016/17 wurden in Anhalt-Bitterfeld laut Unterer Jagdbehörde des Landkreises rund 800 Wildschweine mehr geschossen. Doch gefühlt würde es nicht weniger Schwarzwild werden, so Müller.

Ganz im Gegenteil, die Wildschweine fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl in der Region. Zum Leid der Jäger und Landwirte. „Sie haben gute und futterreiche Unterschlüpfe in Schonungen und Äckern. Die landwirtschaftlichen Erträge steigen ständig, so dass auch immer mehr Futter da ist und somit auch gut mehr Nachwuchs durchgebracht werden kann. Abgesehen von den milden Wintern, die die Schweine und ihren Nachwuchs nichts mehr anhaben können“, erklärt Müller. Vor allem Maisfelder werden in großem Maße von den immer größer werdenden Rotten abgefressen und verwüstet.

Große Rotten

„Die Rotten sind teilweise 50 Tiere groß. Wir müssen jedes Jahr Mais nachsähen. Ein Hektar kostet da etwa 200 Euro. 2016 haben wir 80.000 Maiskörner auf einem Hektar gesät, dann waren die Wildschweine drauf, da waren noch 14.000 übrig“, berichtet Stefan Randel, Verantwortlicher für den Pflanzenbau bei der Stiefelknecht Agrar GmbH. Das große Wildschweinaufkommen kenne er aus Gebieten rund um Magdeburg weniger, doch hier um Zerbst sei es massiv.

Erst fressen die Wildschweine die Saat, später dann die Kolben, und werfen dabei die Pflanzen um. „Knickt die Pflanze ab, ist sie nicht mehr zu ernten“, so Randel. Zum Schaden bei der Aussaat komme dann also noch der fehlende Ertrag bei der Ernte.

Bejagungsschneisen

Er sieht ein, dass das Schießen auch schwierig ist, wenn die Rotten erst einmal in den großen Feldern sind. Aber: „Wir legen Bejagungsschneisen in den Feldern an und legen den Mais, wenn der Mond viel Licht gibt, damit auch gejagt werden kann. Da ist es wichtig, dass das auch von den Jägern angenommen wird.“