Zerbst l „Ein Dienst wie jeder andere“, sagt Mario Figiel. Der Notfallsanitäter gehört zu denen, die am 31. Dezember Dienst haben in der Rettungswache Zerbst des Kreisverbandes Anhalt-Bitterfeld des Deutschen Roten Kreuzes. Von 7 bis 19 Uhr ist er an der Reihe. 24 Uhr ist er zwar bei der Familie zu Hause in Werkleitz bei Barby jenseits der Elbe, aber um 5 Uhr muss er schon wieder raus um den Neujahrsdienst um 7 Uhr in Zerbst antreten zu können. Einige Silvesterdienste hat er schon in der Vergangenheit erlebt. Was zu erwarten ist, weiß man nie.

Die Rettungswache in Zerbst ist immer mit zwei Personen besetzt. Da Zerbst Standort für das Notarzteinsatzfahrzeug ist, sind ein weiterer Rettungsdienstmitarbeiter und ein Notarzt vor Ort. Die Außenstelle des Rettungsdienstes in Deetz ist ebenfalls mit zwei Personen besetzt. Die Nachtschicht und damit heute die „heiße Silvesterschicht“ beginnt um 19 Uhr und dauert bis 7 Uhr des 1. Januar.

Auch Lars Michalek spricht von einem „ganz normalen Tag“, wenn es um Silvester geht. „Was kommt, das kommt, das kann man nicht beeinflussen“, sagt der Notfallsanitäter. Abhängig von der Schwere der Verletzung, Unfallart, Schmerzzustand des Patienten wird der Notarzt mit zum Einsatz gerufen.

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Alkohol oder Böller – bloß nicht beide

In der Silvesternacht können zu den ganz normalen Rettungseinsätzen noch anlassbedingte hinzu kommen. Bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern kann es zu leichten Verbrennungen, Augenverletzungen, bis hin zu abgerissenen Gliedmaßen kommen. Da sind dann unter Umständen die Spezialisten der Handchirurgie im Städtischen Klinikum gefragt, so Notarzt Hassan Massarwa. Der Chirurg hat heute 24 Stunden OP-Rufbereitschaft.

Bei Verbrennungen auf jeden Fall nicht mit eiskaltem Wasser kühlen, rät der Notarzt. Lauwarm soll es sein. Je nach Schwere der Verbrennung sollte dann die Klinik aufgesucht oder eben die Rettung gerufen werden.

Durch die Böllerei kann es aber auch zu Trommelfellverletzungen kommen, und durch die erhöhte Feinstaubbelastung könnten Patienten mit Vorerkankungen unter Atemnot leiden, nennt Massarwa weitere Risiken. Ein erhöhter Alkoholkonsum kommt dazu. Alkoholvergiftungen, Verletzungen durch Stürze sind möglich, Schlägereien nicht ausgeschlossen. Deshalb bleiben Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Nacht noch lange nicht aus. Eine beginnende Geburt hatte Lars Michalek, der seit 1991 im Rettungsdienst tätig und seit 2016 Notfallsanitäter ist, vor vielen Jahren schon mal dabei. Selber verzichtet der Loburger gerne auf das Böllern – wegen der Haustiere, wegen dem Geld, und aufräumen muss man dann auch nicht am Neujahrstag.

Böller in der Hand explodiert

„Als Junge ist mir mal ein Böller in der Hand explodiert“, erzählte Hassan Massarwa. Ein bisschen taub, mehr war zum Glück nicht passiert, aber genug, dass er seit seinem zwölften Lebensjahr keine Böller mehr anrührt. Einmal schlechte Erfahrung gemacht, reicht. Ob der Unfallchirurg den Jahreswechsel mit Frau und Kind zu Hause verbringen kann, oder ob er in den OP muss, wird sich zeigen.

Ob zehn bis zwölf oder nur zwei, drei Einsätze in der Silvesternacht – jedes Jahr ist anders. „Wir sind hier, um den Leuten zu helfen“, macht Mi-chalek deutlich. Einig sind sich die beiden, dass sie es besonders mit jungen betrunkenen Männern zu tun haben bei Silvestereinsätzen. Frauen scheinen bei der Böllerei zurückhaltender zu sein. Auf Kinder passen die Eltern in der Regel gut auf.

Was die Retter den Menschen nahe legen, um Unfälle zu vermeiden: Alkohol (in Maßen!) oder Böller – auf jeden Fall nicht beides zusammen. Alkohol beeinflusst das Reaktionsvermögen und verlängert die Reaktionszeit, das kann verheerende Folgen haben.

Wie Alkohol die Sinne vernebeln kann, davon weiß auch Mirko Möbius zu erzählen. „Wir wurden im Auto schon mit Raketen beschossen“, hat der Rettungsassistent einen Silvestereinsatz in Erinnerung. Ja, manchmal kann der Traumberuf auch mal zum Alptraumberuf werden, bestätigt Lars Michalek, der dieses Silvester mal weg ist und keinen Dienst hat.