Zerbst l Mit einem Sechser im Lotto verglich Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein die Bewilligung der Streetworkerstelle für seine Stadt. Dass sich auch noch ein geeigneter Kandidat für deren Besetzung fand, war für ihn die Zusatzzahl. Seit August ist Dennis Lapin in der Einheitsgemeinde unterwegs, um sich die Probleme der Jugendlichen anzuhören, die sich lieber in Parks, auf Spielplätzen oder an Bushaltestellen treffen, als in Jugendclubs zu gehen.

Bei einer Umfrage der Volksstimme begrüßte die Mehrheit der Zerbster Stadtratsfraktionen die Beschäftigung eines Streetworkers in Zerbst. Der Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss nahm sich des Themas nun gezielt an. Um auszuloten, wie sinnvoll ein solcher Ansprechpartner für die Jugendlichen auf der Straße ist, hatten die Ausschussmitglieder Heike Fräßdorf zu ihrer Sitzung am Dienstag eingeladen. Die Sozialpädagogin arbeitet seit 1995 als Jugendpflegerin für die Stadt und betreut die zwei Zerbster Jugendclubs.

Offenes Ohr für Jugendliche

„Prinzipiell kann es nie genug Leute geben, die sich mit den Problemen von Jugendlichen befassen“, erklärte sie. Ein Streetworker könne den Drogen- und Alkoholkonsum sicher nicht komplett verhindern, aber vielleicht minimieren. „Das sollte aber auch nicht Anliegen sein“, so Heike Fräßdorf. Vielmehr solle ein Streetworker ein offenes Ohr für die jungen Leute haben, ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten. Zu bedenken gab die Jugendclubleiterin, dass eine solche Stelle nicht zeitlich befristet sein dürfe. Zumal es Zeit braucht, bis sich beide Seiten akzeptieren, wie sie aus Erfahrungen schilderte. Denn es gab in Zerbst bereits ein Streetworker-Projekt, das bei der damaligen Villa „Musik & Kunst“ angesiedelt war.

„Man sollte versuchen, eine Möglichkeit zu finden, dauerhaft einen Streetworker zu beschäftigen“, meinte Nicole Ifferth (UWZ). „Die Jugendlichen brauchen eine feste Bezugsperson“, stimmte ihr Cornelia Hesse (AfD) zu. Ihr Vorschlag zu schauen, wie man eine solche Stelle einrichten kann, war für Antje Rohm das Stichwort.

Antragsfrist abgelaufen

Die Kulturamtsleiterin informierte, dass die Richtlinie zur Jugendarbeit des Landkreises Anhalt-Bitterfeld ab 2020 erstmals eine 70 prozentige Förderung für Streetworker für die Dauer von zwei Jahren beinhaltet. Allerdings ist die Antragsfrist fürs nächste Jahr mit dem 30. September schon abgelaufen. „Wir haben auch den Hinweis erhalten, dass die Mittel begrenzt sind“, berichtete Antje Rohm von der Nachfrage beim Jugendamt, das wenig Aussichten auf Fördermittel machte.

„Können wir uns als Stadt einen Streetworker leisten?“, fragte der Ausschussvorsitzende Bernd Adolph (CDU). Mindestens 60.000 Euro seien für eine Stelle zu kalkulieren, entgegnete Evelyn Johannes. „Geld ist nur einmal da und sie können entscheiden, wie es ausgegeben wird“, wies die Leiterin der Finanz-, Sozial-, Schul- und Sportverwaltung auf das Budgetrecht des Stadtrates hin. Zu allererst sollte jedoch die genaue Stellenbeschreibung klar sein, bemerkte sie. Als Arbeitgeber hätte sie zudem Bedenken, dass ein Streetworker mit Alkohol- und Drogenproblemen konfrontiert wird, die nicht einmal die Polizei in den Griff kriegt.

Möglichkeiten ausschöpfen

„Der Landkreis ist Träger der Jugendhilfe“, erinnerte Michael Dietze (Linke) an dessen Verantwortung. Zugleich regte er an, die freien Träger der Jugendhilfe mit ins Boot zu holen. Auch in Gommern ist der Streetworker nicht direkt bei der Stadt angestellt. Träger ist vielmehr das Jugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt.

„Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, eine solche Stelle zu schaffen“, betonte Dietze. „Eine Stelle für einen Streetworker zu schaffen, ist das Eine, das Ganze zum Erfolg zu führen das Andere“, spielte Steffen Grey (FDP) auf das Finden eines geeigneten Bewerbers an. „Ich denke, man erwartet von uns lösungsorientierte Ansätze“, sprach sich derweil Silke Hövelmann (SPD) dafür aus, nicht gleich wieder alles zu zerreden.

Mit Jugendlichen ins Gespräch kommen

Letztlich verständigte sich der Ausschuss darauf, die Jugendlichen einfach mal einzuladen, um ihre Meinung zu erfahren. Das Gespräch mit den örtlichen freien Trägern soll gesucht und weitere Fördertöpfe ausgelotet werden. Zudem soll durch die Verwaltung als auch die Zerbster Kreistagsmitglieder nachgehakt werden, ob nicht doch noch eine Chance besteht, für 2020 einen Zuschuss vom Landkreis für einen Streetworker zu erhalten.