Zerbst l Silke Bauer ist glücklich, dass es geklappt hat. Immerhin hat sie bereits positive Erfahrungen mit einer Sprach-Kita gemacht, als sie noch in Magdeburg arbeitete. Inzwischen leitet sie in Zerbst die Kita „Benjamin Blümchen“, die sich in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Familienwerkes befindet. Schon jetzt ist die alltagsintegrierte sprachliche Bildung ein wichtiger Baustein im pädagogischen Konzept der Einrichtung. Fortan kann dieser Schwerpunkt noch stärker forciert werden.

Denn als Silke Bauer erfuhr, dass das 2016 gestartete Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ verlängert wird, reichte der Träger den Antrag sofort ein. Mit Erfolg. Verteilt auf die Jahre 2021 und 2022 erhält die Einrichtung eine Förderung über 50.000 Euro. Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereitgestellten Mittel sind vor allem ein Zuschuss zu Personalkosten.

Weitere Fachkraft unterstützt Kita

So ist Katharina Scheffler seit 1. Januar als zusätzliche Fachkraft in der Zerbster Kita tätig. Sie unterstützt das Team dabei, bei der Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder das Augenmerk gezielter auf die sprachliche Entwicklung des Nachwuchses zu legen. Das Reflektieren und Auswerten dessen, was bereits praktiziert wird, gehört dazu.

Schon jetzt nutzen die Erzieherinnen ganz alltägliche Situationen wie das An- und Ausziehen oder das Spielen und Basteln, um mit den Mädchen und Jungen individuell ins Gespräch zu kommen, wie Silke Bauer schildert. „Sprachkompetenz ist eine zentrale Voraussetzung für den Bildungserfolg“, betont die Kita-Leiterin.

Sprechen fördern mit Büchern und beim Essen

Durch das stetige Schaffen von Sprachanlässen soll die Kommunikationsfähigkeit der Kinder gefördert werden. Das kann mit Büchern und Handpuppen geschehen, aber auch mit Fingerspielen oder Liedern. Der Morgenkreis kann genauso genutzt werden wie die Mahlzeiten – ganz vielfältig sind die Möglichkeiten, die ausgebaut oder neu initiiert werden sollen.

Als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet Katharina Scheffler, ein „gutes Sprachvorbild“ zu sein und das nicht nur für die Kinder, sondern ebenfalls für die Erwachsenen. Auch die Zusammenarbeit mit den Familien liegt ihr wie Silke Bauer am Herzen. Neben der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung ist das Einbeziehen der Eltern ein weiterer Schwerpunkt des Bundesprogramms.

Kulturelle Vielfalt soll gelebt werden

Das dritte Handlungsfeld, das umgesetzt werden soll, ist die inklusive Pädagogik. Hier geht es darum, Vorurteile zu hinterfragen und stattdessen kulturelle Vielfalt zu leben – ein Anliegen, dem sich die Kita ebenfalls verschrieben hat. Immerhin haben rund 15 Prozent der derzeit 141 angemeldeten Kinder Deutsch nur als Zweitsprache, wie Silke Bauer erzählt. Sprach-Kita zu sein, sei „ein absoluter Mehrgewinn“, sagt sie.

Fachlich beraten und begleitet wird die Einrichtung über die zwei Jahre ebenfalls von Teresa Scheibe-Ahansal vom Awo-Landesverband Sachsen-Anhalt. Und ginge es nach Silke Bauer, würde das Bundesprogramm nach 2022 weiterlaufen. In dem Zusammenhang lässt sie nicht unerwähnt, dass die Kita daran nur dank der vollen Unterstützung und der guten Zusammenarbeit mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk teilnehmen kann. So kann auch die Internetseite des Trägers genutzt werden, um jenen Familien, die die momentane Notbetreuung nicht in Anspruch nehmen können, mit kurzen Videos digitale sprachliche Impulse zu schicken.