Zerbst l Seit vergangener Woche bietet sich den Zerbstern entlang der Stadtmauer kein schöner Anblick. In der Parkanlage zwischen Alter Teich und Frauentorplatz wurde ein tiefer Graben ausgehoben. Der Grund: Die Stadtwerke Zerbst sind derzeit dabei, eine neue Fernwärmeleitung zum früheren Frauenkloster auf der Breite zu verlegen. „Wir verlegen die Leitung für die zukünftige Wärmeversorgung des städtischen Objektes“, teilte Geschäftsführer Jürgen Konratt mit. Insgesamt investiert der Zerbster Gas- und Stromversorger 100.000 Euro in die Verlegung der neuen Leitungen.

Das Kloster werde derzeit noch mit einer Öl-Heizanlage beheizt, so Konratt weiter. „Der Anschluss erfolgt im Zuge der Klostersanierung.“ Auch eine archäologische Begutachtung habe es schon entlang der aufgegrabenen Grünfläche gegeben. Die bauliche Maßnahme werde weiter begleitet.

Knapp 180 Meter Leitung werden vom Alten Teich bis zur Breite entlang der Nuthe verlegt. Der Verkehr auf der Breite solle jedoch nicht beeinträchtigt werden, da, um die Leitungen bis zum Kloster zu verlegen, eine Bohrung unter der Straße angedacht sei. Bisher gehen die Arbeiten zügig voran. Konratt rechnet damit, dass der große Graben in zwei Wochen wieder geschlossen werden kann.

Rohre geliefert

Am Montag wurden bereits die Rohre angeliefert, die in den nächsten Tagen in die Erde verlegt werden sollen. Eine Vereinbarung zwischen Stadt und den Stadtwerken regele die Wiederherstellung der Grünfläche, so der Geschäftsführer. „Wir sind für die Grünanlage zwischen Nuthe-Brücke und Breite verantwortlich.“

Bisher führen zwei Wege durch die Parkanlage. Zukünftig solle es nur noch einen Weg geben. „Die marode Treppe an der Nuthe wird nach den Arbeiten gänzlich zurückgebaut, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellt.“ Der Weg entlang der Nuthe soll zu einer Rasenfläche werden. Der parallel verlaufende Weg an der Stadtmauer soll zur Breite eine Bordeinfassung erhalten und rund sieben Meter gesondert gepflastert werden, damit Rollstuhlfahrer und Fahrradfahrer den Weg ohne Probleme benutzen können.

Mit den baulichen Maßnahmen der Zerbster Stadtwerke nehmen nun auch die Sanierungspläne der Stadt langsam Gestalt an. Stadtsprecherin Antje Rohm teilte auf Nachfrage der Volksstimme mit, Hintergrund sei, dass das Objekt von Ölheizung auf Fernwärmeversorgung umgestellt wird.

3,5 Milliarden Bundesmittel

Für die Umnutzung des städtischen Objektes hatte der Stadtrat bereit im vergangenen Jahr grünes Licht gegeben. Dennoch ist das Projekt umstritten. Zwei Millionen Euro sollen für die geplanten Umbaumaßnahmen aus dem Förderprogramm „Stark V“ generiert werden. Im Rahmen des „Stark V“-Programms gibt es zwei große Schwerpunkte mit Richtlinien. Zum einen fördert das Programm des Bundes die Bildungsinfrastruktur. Darunter fällt auch die energetische Sanierung von Kindertagesstätten und Schulen. Der andere Schwerpunkt ist der Städtebau. Die Zuwendungen sollen dazu dienen, finanzschwache Kommunen in die Lage zu versetzen, im Bereich ihrer Pflichtaufgaben in die Modernisierung ihrer Infrastruktur zu investieren. Dafür stellt der Bund allen Bundesländern insgesamt 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung. In Sachsen-Anhalt hat sich die Regierung dazu entschieden, den Eigenanteil (zehn Prozent) für die Kommunen zu tragen.

Im Rahmen der „Stark V“-Förderung kann die Stadt Zerbst insgesamt 2.449.081 Euro beantragen. Davon sind  2.204.173 (90 Prozent) Euro Bundesmittel und 244.908 Euro (zehn Prozent) Mittel des Landes Sachsen-Anhalts. Die Höhe der Förderung richtet sich nach Fläche und Einwohnerzahl.

Zu den Baumaßnahmen der Stadt zählt jedoch nicht der an der Breite liegende Gebäudeteil des Klosterkomplexes. Dort nutzt die Ganztagsschule Ciervisti momentan Räume für den Unterricht in der ersten Etage. Weitere Räume sollen hinzukommen und die Schule damit aus dem Klausurflügel ausziehen. Den Klausurflügel plant die Stadt zu sanieren. Das historisches Archiv und ein Museumsmagazin sollen dort einziehen. Weiter soll der Gebäudeteil als zweiter Verwaltungssitz dienen. Mitarbeiter des Bau- und Liegenschaftsamtes sollen dort künftig Räume beziehen, wie die Volksstimme berichtete.