Anhalt-Bitterfeld (mz/akr) l Das ist kein schönes Zeugnis für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld: Bei „der großen Deutschland-Studie“ des ZDF wollte der Fernsehsender wissen, in welchen Landkreisen und Städten der Bundesrepublik es sich am besten lebt.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hat im Auftrag des ZDF 53 Kategorien für die Untersuchung ausgemacht. Anhalt-Bitterfeld kam dabei auf Rang 372 von insgesamt 401.

Ein Fünftel der Einwohner verloren

Besonders schlecht schnitt der Kreis in der Kategorie „Gesundheit und Sicherheit ab“, wo es nur für Platz 387 reichte. Verglichen wurden dabei zum Beispiel Daten wie die durchschnittliche Lebenserwartung, die Ozonbelastung oder auch die Zahl der Gewaltverbrechen.

Auch die Untersuchungsergebnisse in Sachen „Arbeit und Wohnen“ sind kein Ruhmesblatt. So liegt Anhalt-Bitterfeld bei der Bevölkerungsdynamik nur auf Rang 398, dem viertletzten Platz.

Der Kreis hat seit dem Jahr 2000 gut ein Fünftel seiner Einwohner verloren. Schmeichelhafter wird die Studie in den Unterkategorien Frauen-Beschäftigungsquote (Platz 74), Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen (Platz 54) und beim Verhältnis von Immobilienpreisen zu Einkommen (Platz 42). Wobei gerade letzteres nicht überrascht: In einer Gegend, die an Bevölkerung verloren hat, werden Häuser und Wohnungen billiger, da die Nachfrage gering ist.

Einen Lichtblick gibt es: In der Kategorie „Freizeit und Natur“ hat Anhalt-Bitterfeld es immerhin ins solide Mittelfeld geschafft mit Platz 176 von 401.

Lokalpolitiker sehen Unterschiede

Dazu beigetragen hat die sehr gute Bewertung bei „Erholungsfläche je Einwohner“, die für Rang 5 reichte und zeigt, dass besagter Einwohnerschwund zumindest in derlei Statistiken auch positive Auswirkungen haben kann. Auch gibt es hier mehr Sonnenstunden pro Jahr als in vielen anderen Gegenden (Rang 121). Zudem ist die Quote an Ganztagsbetreuung bei Kleinkindern höher als in den meisten anderen Landkreisen (Rang 31).

Auf den ersten Platz in der Studie hat es im Übrigen München geschafft, vor Heidelberg und Starnberg. Die Schlusslichter bilden Duisburg, Herne und Gelsenkirchen. Halle erreicht Platz 318, Magdeburg 217 und Dessau-Roßlau landet auf Rang 226.

Für echte Lokalpatrioten ist natürlich bitter zu hören. Als die Frage an die Politiker: Was halten Sie von dieser Studie?

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD): „Die Studie betrachtet den Landkreis insgesamt. Unser Landkreis ist aber sehr stark von lokalen Strukturunterschieden geprägt. Darum müssen wir uns auch nicht jede Jacke anziehen, die uns hin gehalten wird. Gerade die Diskussion um notwendige zusätzliche Kindertagesstättenplätze zeigt, dass wir gegen den Trend laufen. Wenn es beispielsweise nach der regionalisierten Bevölkerungsprognose ginge, müssten wir rund 1500 bis 2000 Einwohner weniger haben. Darum ist mit solchen Studien vorsichtig umzugehen. Unsere Region hat dagegen sehr viel zu bieten, das fängt bei einer sehr schönen Landschaft zwischen Elbe und Fläming an und mündet in eine gute Infrastruktur, die über Grundversorgungsangebote hinaus geht. Aber natürlich gibt es auch Dinge, die verbessert werden müssen. Ganz oben auf der Liste stehen die Wünsche nach einer Augenarztpraxis und einer Kinderheilkundestation. Aber genau das können wir als Gemeinde nicht beeinflussen, ich werde aber nicht müde, dies dennoch immer wieder als Probleme vorzutragen.“

Landrat Uwe Schulze (CDU) sieht es ähnlich vorsichtig mit Studien wie Andreas Dittmann. „Es wird dabei überhaupt nicht auf die Entwicklung geschaut. Die Frage ist doch, wo standen wir früher und wo jetzt? Das Kann die Studie nicht wiedergeben, denn das Tal der Tränen haben wir bereits hinter uns gelassen. Das sieht man auch den Bevölkerungsprognosen. Es sind und bleiben immernoch mehr Menschen, als die Statistiken prophezeien wollten. Das haben wir mit einem neuen Angebot an Arbeitsplätzen geschafft. Nun müssen wir noch gegen das Lohngefälle ankommen. Das wir bei der Natur so punkteten ist im Übrigen ein Verdienst, der vielen Entwicklungen bei uns im Landkreis. Denn aus einer Industrielandschaft einen Seenlandschaft zu machen, die sogar prämiert ist, schafft auch nicht jeder. Diese Studie ist für mich einen Wegmarke, die ich mit Interesse sehe, aber ich kreische nicht vor Aufregung ob des Platzes, denn ich weiß wo wir vor einigen Jahren standen und wo wir jetzt sind.“