Deetz l „Ich mag Tiere“, sagt die Siebtklässlerin Gesine Wiest aus Güterglück. Ein Grund, sich gemeinsam mit der Mutti einmal bei den Milchkühen der Vrieswoud KG in Deetz umzuschauen. Auch die Achtklässlerin Fine Gothe aus Jütrichau interessiert sich für Tiere. Dritter im Bunde ist am Mittwochnachmittag der 16-Jährige Max Sommer aus Badewitz. Von Klein auf wollte er Tierwirt werden. Jetzt ist er in der 9. Klasse, und die Berufswahl ist nicht mehr lange hin.

Die drei haben sich beim „Tag der Berufe“ in dem Deetzer Landwirtschaftsbetrieb angemeldet. Der Aktionstag wird von den Agenturen für Arbeit organisiert und wurde am Mittwoch in fast ganz Sachsen-Anhalt und Thüringen durchgeführt – Berufsberatung nicht am Schreibtisch, sondern im Unternehmen vor Ort.

Über 1000 Unternehmen öffneten ihre Werktore und Bürotüren, um Einblicke in die Firma zu gewähren. Die Betriebe hatten die Gelegenheit, den Schülern ab der 7. Klasse Anforderungen und Praxis ihrer Ausbildungsberufe vorzustellen und Fragen rund um die Ausbildung zu beantworten. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen, die Arbeitsplätze zu besichtigen und für sich zu entdecken, ob der Beruf eventuell einmal in Frage kommt.

Schließlich ist es sowohl für den Lehrling als auch für den Betrieb bedauerlich, wenn eine Ausbildung abgebrochen wird. Mit dem „Tag der Berufe“ will man dem ein Stück entgegenwirken – „die Abbrecherzahlen reduzieren“, so Silvana Fischer von der Agentur für Arbeit, die aus Köthen gekommen war, um die Aktion in Deetz zu begleiten.

Ausbilderin Anja van Leusen begrüßte die Gruppe und informierte über die dreijährige Ausbildung zum Tierwirt bei der Vrieswoud KG. Doch nicht nur in der Tierproduktion bildet der Betrieb aus, sondern jedes Jahr wird auch ein Lehrling für Pflanzenproduktion gesucht.

Die Ausbildung dauert drei Jahre erklärte Anja van Leusen. Dazu gehören Ausbildungswochen an der Berufsschule, an einer überbetrieblichen Einrichtung und die Arbeit vor Ort in Deetz. Nach eineinhalb Jahren ist eine Zwischenprüfung, nach drei Jahren die Abschlussprüfung. Dann können die fertigen Tierwirte selbständig einen Bereich übernehmen, stellte die Ausbilderin in Aussicht. Natürlich besteht nach der Lehrzeit die Möglichkeit zu studieren.

Informationsrunde

Nach der kurzen Informationsrunde gesellte sich Kees de Vries Jr., der mit Gerard van Ginkel die Vrieswoud KG führt, zu der Runde. Er erzählte, warum und wie seine Eltern 1992 aus Holland nach Deetz gekommen sind und hier den Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut haben. Mehr als 30 Leute arbeiten hier.

„Wir brauchen immer engagierte junge Leute“, so Kees de Vries Jr. Da macht es natürlich Sinn, die eigenen Lehrlinge zu übernehmen. Die kennen den Betrieb schon und wenn sie sich wohlfühlen, dann passt das. Während im Pflanzenbereich mit einer Fünf-Tage-Woche und Stundenkonto gearbeitet wird, gehört im Tierbereich dazu, dass jedes zweite Wochenende gearbeitet wird. „Wir haben lebende Tiere, die haben Hunger von Montag bis Sonntag, 365 Tage im Jahr“, das machten sowohl de Vries als auch van Leusen deutlich.

Im Moment sind es vier Auszubildende im Betrieb. Jedes Jahr gibt es zwei Plätze. Interessenten können gern auch ein 14-tägiges Praktikum absolvieren. „Das liegt mir am Herzen“, so de Vries. Da könne man noch intensiver reinschnuppern. Vielleicht kommt das ja für Fine in Frage, die erzählte, dass sie eigentlich ein Praktikum im Zoo machen wollte.

Derweil kann sich Max Informationen aus erster Hand bei seinem Bruder holen, der gerade eine Ausbildung bei der Vrieswoud KG macht. Gesine hat noch ein bisschen länger Zeit, sich Gedanken um ihre berufliche Zukunft zu machen. Aber ihre Mutter weiß, wie schnell die Zeit vergeht und hat im Internet über die Möglichkeiten recherchiert und war so auf Deetz gekommen. Sie fragte nach, wie es denn um den Frauenanteil im Unternehmen bestellt sei. Sechs Frauen gibt es im Betrieb. Mit zwei Mädchen, die ihre Ausbildung erfolgreich absolvierten, habe man sehr gute Erfahrungen gemacht.

Bei einem Rundgang ging es dann zu den Milchkühen, von denen es 750 am Standort Deetz gibt. Auch den modernen Melkstand konnten sich die Schüler ansehen.