Kämeritz l  Seit mehr als 30 Jahren betreibt Leps seine Töpferei und hat ein außergewöhnliches Design entwickelt.

Das Corona-Virus hat am Wochenende auch den kleinen Ort Kämeritz erreicht. Öfter klingelt das Telefon an diesem Wochenende bei Detlef Leps. Die Menschen erkundigen sich, schildert er, ob der Tag der offenen Tür noch stattfinde oder ausfalle.

Bei der Begrüßung der Besucher verzichtet er auf den obligatorischen Handschlag, obwohl der Reflex, die Hand nach jedem Besucher auszustrecken, noch erkennbar vorhanden ist. Außerdem achtet er auf ausreichend Abstand. Doch verzichten will er auf den Tag der offenen Tür nicht. Am Sonnabend und Sonntag gibt er einen Einblick in sein Schaffen. In einem ehemaligen Pferdestall ist er seit mehr als drei Jahrzehnten kreativ.

Dabei sah es zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn eigentlich nicht danach aus, dass er einmal den größten Teil seiner Zeit der Verarbeitung von Ton widmet. Denn studiert hatte er einst Pädagogik. Früh habe er aber erkannt, dass sein Platz nicht vor den Schülern in einem Klassenraum sei, sagt er über sich selbst.

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Heute versteht er sich als Handwerker. Denn er lernte den Beruf, machte hier seinen Abschluss. In den vergangenen Jahrzehnten ist es ihm gelungen, ein unverwechselbares Design zu kreieren. Vor allem die Farbe, das Elbauenblau, gibt es so wahrscheinlich nicht noch einmal.

Der Farbton und die Formen kommen beim Publikum gut an, erzählt er. Hauptsächlich produziert er in seiner Werkstatt Geschirr. Die Formen und Farben kommen dabei bei denen an, die etwas ausgefallenes abseits der Massenprodukte suchen. Dafür, das zeigt sich am Wochenende, sind die Menschen bereit, auch längere Strecken mit dem Auto zu fahren.

Aufmerksam mustern die Besucher die ausgestellten Teile aus Keramik. Manche bringen zu dem Termin auch zerbrochene Sachen mit. „Können Sie das reparieren“, wird dann schon mal gefragt.

Nicht immer ist das möglich. Manchmal erweist sich die Erdanziehung dann auch als Absatzhilfe, freut sich der Töpfer.

Dabei ist der Tag der offenen Tür aber viel mehr. Er bietet auch mal Zeit, mit dem Fachmann über die verschiedenen Muster und Farben zu reden. Oftmals ist den Stücken die Arbeit, die in ihnen steckt, nicht anzusehen. Mitunter fragen sich die Besucher auch, wie die verschiedenen Muster in das Material gekommen sind. Oftmals handelt es sich dabei um ausgeklügelte Techniken, die auf den ersten Blick nicht einfach zu erkennen sind.

Die Werkzeuge, die fein säuberlich in der Werkstatt aufgebaut sind, lassen erahnen, welche Überlegungen und Planungen hinter mancher Gestaltung stecken. Auf jeden Fall, versichert Detlef Leps, sei eine große Fingerfertigkeit notwendig, um den Ton mit dem gewünschten Ergebnis zu bearbeiten. Dabei habe er die Erfahrung gemacht, dass die körperlichen Fähigkeiten mitunter etwas nachlassen, schildert er. So falle es ihm wie früher nicht mehr so leicht, große Vasen zu drehen. Es erfordere schon etwas Kraft, den sich drehenden Ton in die Gewünschte Form zu bringen. Noch dazu, wenn es sich um mehrere Kilogramm Ton handele, der für ein großes Objekt geformt werden müsse.

Auf einem Brett in einer Ecke hat er die großen Vasen zu stehen. Als Rohware, einmal gebrannt, warten die Gefäße auf die abschließende Gestaltung. Zweimal müssen die Teile in den großen Ofen, bevor sie fertig sind. Bei über 1200 Grad werden sie dann gebrannt.

Aus dem Innern des Ofens dringt noch Restwärme, als Detlef Leps die Tür öffnet. Dabei liegt die letzte Nutzung des Ofens schon einige Zeit zurück. Das Brennen macht den Ton nicht nur fest, die Wärme entzieht dem Material auch das Wasser. Das verringert das Volumen. Um den Schrumpfungsprozess gut einschätzen zu können, bezieht er immer den gleichen Ton beim gleichen Hersteller. Denn wichtig werde die Volumenänderung beispielsweise, wenn verschiedene Teile, wie der Deckel auf einer Butterdose, zusammen passen sollen.

Das Publikum schaut sich, das weiß er, die Produkte immer genau und mitunter kritisch an. Es gehe bei der Veranstaltung auch darum zu zeigen, dass die Berufstöpferei mit der Hobbytöpferei nicht viel gemein habe, sagt er. Töpfern ist wieder in Mode gekommen. Dennoch gebe es Unterschiede zwischen der Freizeitbeschäftigung mit Ton und dem beruflichen Töpfern. Das soll der Tag der offenen Tür den Besuchern auch verdeutlichen.

Außerdem gehe es auch darum, ein uraltes Handwerk für ein Wochenende in den Fokus zu rücken. Kaum ein anderes Handwerk war für die Entwicklung der Menschheit so wichtig.

Schon vor Tausenden von Jahren hatten die ersten Menschen, die sesshaft wurden, gebrannte Tongefäße. Als Bandkeramiker gingen sie in die Archäologie ein. Schon sie verbanden das Nützliche mit der Gestaltung. Noch heute finden sich an alten Siedlungsstellen die Scherben der Kultur.